Stresstest: Sechs deutsche Banken fallen durch

Frankfurt - Sechs deutsche Banken brauchen nach Einschätzung der europäischen Aufseher für Krisenzeiten insgesamt 13,1 Milliarden Euro zusätzliches Kernkapital. Welche Finanzinstitute betroffen sind:

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Die größte Lücke machte der jüngste Stresstest bei der teilverstaatlichten Commerzbank mit 5,3 Milliarden Euro aus, wie die Bundesbank und die Finanzaufsicht Bafin am Donnerstagabend gemeinsam mitteilten. Basis für den Test der EBA war die Kapitalausstattung der Banken zum 30. September 2011. Allerdings haben die Institute bis 30. Juni 2012 Zeit, ihr Kapitalpolster aufzufüllen.

Deutsche Bank braucht 3,2 Milliarden Euro

Der Deutschen Bank fehlen 3,2 Milliarden Euro, um eine harte Kernkapitalquote von neun Prozent zu erreichen. Kapitalbedarf haben auch die genossenschaftliche DZ Bank sowie die Landesbanken Helaba, NordLB und WestLB. Die Helaba hatte schon am Mittwoch mitgeteilt, dass sie nach EBA-Definition eine Kapitallücke von rund 1,5 Milliarden Euro hat.

Bundesbank und Bafin stellten klar, der nun festgestellte Kapitalbedarf resultiere “in erster Linie aus Anwendung einer sehr harten Kernkapitaldefinition“. Teilweise sei der Kapitalbedarf bereits gedeckt: So haben die Träger der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) und der NordLB längst Maßnahmen zur Kapitalstärkung beschlossen. Diese werden aber erst zum Jahresende wirksam - und wurden von der EBA wegen des Stichtags 30. September 2011 nicht anerkannt.

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Zudem ließ die Londoner Behörde EBA die zumeist schlechten Geschäftsergebnisse aus dem dritten Quartal einfließen, setzte strengere Maßstäbe für Risikoanlagen an und schränkte die Verrechnung von Gewinnen und Verlusten bei Staatsanleihen ein. Der beim EU-Gipfel Ende Oktober beschlossene Test soll Vertrauen in die Stabilität der Banken zurückgewinnen. Kritiker bezweifeln, dass das gelingt.

Europäischen Banken fehlen 114,7 Milliarden Euro

Den europäischen Banken fehlen der Bankenaufsicht EBA zufolge 114,7 Milliarden Euro. Das teilte die European Banking Authority (EBA) am Donnerstag in London mit. Besonders hohen Kapitalbedarf haben Krisenländer wie Italien und Spanien.

Vorläufigen Berechnungen von Ende Oktober zufolge sah die EBA noch einen zusätzlichen Kapitalbedarf von lediglich 106 Milliarden Euro bei den europäischen Banken. In der Zwischenzeit verschärfte die Behörde die Kriterien. So sollten die schlechten Geschäftsergebnisse aus dem dritten Quartal in die Berechnungen einfließen.

Zudem wollte die Behörde strengere Maßstäbe für Risikoanlagen ansetzen. Auch die Verrechnung von Gewinnen und Verlusten bei Staatsanleihen sollte nur noch eingeschränkt möglich sein. Davon hätten besonders die deutschen Institute profitiert, da sie besonders viele der in der Regel gefragten Bundesanleihen halten.

dpa/dapd

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