Bauern-Präsident: Mehr Tierschutz geht nicht umsonst

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Bauern-Präsident Rukwied: "Wir haben schon sehr, sehr hohe Standards."

Berlin - Ob Kritik am Kükentöten oder an der Massentierhaltung: Die deutschen Bauern fühlen sich zu Unrecht am Pranger. Hohe Standards müssten auch finanzierbar sein. Und da komme der Verbraucher ins Spiel.

Mehr Tierschutz in der Landwirtschaft ist aus Sicht des Deutschen Bauernverbands nur möglich, wenn die Verbraucher auch bereit sind, mehr für die Produkte zu zahlen. "Wir haben schon sehr, sehr hohe Standards", sagte Verbandspräsident Joachim Rukwied der Deutschen Presse-Agentur.

"Aber das kostet natürlich alles Geld. Wenn darüber hinaus noch mehr gemacht werden soll, dann kann das nur umgesetzt werden, indem es auch einen höheren Preis für eine derartige Erzeugung gibt." Letzten Endes sei der Verbraucher in der Pflicht. "Mehr Tierwohl und noch mehr Tierwohl kann es nicht umsonst geben. Das ist schon wirtschaftlich nicht machbar."

Vor dem Deutschen Bauerntag am 24. und 25. Juni in Erfurt beklagte Rukwied eine zunehmende öffentliche Pauschalkritik an der Branche. "Das trifft die Landwirte ein Stück weit auch in ihrem Selbstverständnis, in ihrem Wertegefühl. Das belastet sie", sagte er.

Bei hohem Zeitaufwand und unternehmerischen Risiken hätten die Bauern aufgrund nationaler und EU-weiter Vorgaben in Sachen Umwelt- und Tierschutz bereits sehr hohe Standards einzuhalten. "Obwohl die Landwirte das umsetzen, obwohl sie viel arbeiten, engagiert sind, auch hervorragende Produkte herstellen, geraten wir immer stärker unter Druck", kritisierte er.

Rukwied verwies darauf, dass sich längst vieles zum Besseren gewandelt habe. Moderne Kuh- und Schweineställe seien zum Beispiel gar kein Vergleich zu denen der 60er oder 70er Jahre - allein die Luft habe sich durch neue Filter und Umwälzungsanlagen deutlich verbessert. Aber alle Maßnahmen müssten immer auch ökonomisch Sinn machen. Sonst sähen sich Bauern gezwungen, ihre Betriebe aufzugeben, die Produktion wandere zu viel niedrigeren Standards ins Ausland ab.

Die neue "Initiative Tierwohl" begrüßte der Verbandspräsident. Über finanzielle Anreize wollen Landwirtschaft, Fleischwirtschaft und Lebensmitteleinzelhandel mit diesem Bündnis die Standards in der Schweine- und Geflügelhaltung erhöhen. Landwirte, die freiwillig bestimmte Maßnahmen umsetzen, bekommen unabhängig vom Marktpreis Geld aus einem Fonds, in den Supermarktketten seit Anfang 2015 für jedes verkaufte Kilo Fleisch oder Wurst vier Cent einzahlen. Beteiligt sind viele große Ketten wie Rewe, Aldi, Lidl und Edeka.

Zum Ende der ersten Registrierungsphase Ende April hatten sich allerdings so viele Schweinehalter gemeldet, dass nur knapp die Hälfte zum Zuge kam. Die anderen seien "natürlich gefrustet, weil sie die Kosten haben und die nicht ausgeglichen werden", schilderte Rukwied. Deshalb müsse man nun zügig sehen, wie sich die Basis der Geldgeber vergrößern lasse.

In der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (Samstag) forderte Rukwied Fastfood-Ketten wie McDonalds und Burger King auf, sich der Initiative anzuschließen. Derzeit fehlten im Jahr rund 60 Millionen Euro. McDonalds teilte mit: "Wir sind mit der Initiative Tierwohl bereits im Gespräch."

Rukwied sagte den "Ruhr Nachrichten", der Bauerntag stehe bewusst unter dem Motto "Veränderung gestalten" und kündigte an: "Wir stellen uns der Debatte."

dpa

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