Bauern: Gute Ernte - doch schlechte Preise

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Bauernverband klagt über gute Ernte, aber schlechte Preise.

Berlin  - Die Bauern haben in diesem Jahr eine gute Getreideernte eingefahren, kämpfen aber mit historischen Tiefpreisen. Besonders stark ist der Einbruch bei der Braugerste.

“Die Erzeugerpreise sind in den letzten Wochen auf dramatische Talfahrt gegangen“, sagte Bauernpräsident Gerd Sonnleitner am Freitag in Berlin . Innerhalb eines Jahres seien die Getreidepreise um fast die Hälfte gesunken.
Mit einer Erntemenge von 49,9 Millionen Tonnen Getreide wurde das gute Vorjahresergebnis zwar nicht ganz erreicht. Im Vergleich zum langjährigen Durchschnitt brachten die Bauern aber acht Prozent mehr in die Scheunen.

Weltweit fielen Ernten geringer aus als im Vorjahr, sagte Sonnleitner. Er forderte weitere Hilfen auch für Milchbauern. Die Getreidepreise liegen nach Verbandsangaben um bis zu 45 Prozent unter Vorjahresniveau. Zuvor hatten sie Rekordhöhen erklommen. “Die Getreidepreise aus der Ernte decken nicht mehr die Produktionskosten“, warnte der Bauernpräsident. “Unter den jetzigen Bedingungen könnten wir nicht weiter produzieren.“

Besonders stark ist der Einbruch bei der Braugerste. Sonnleitner sagte, mit einem solchen Preis drohe die Braugerste aus Deutschland zu verschwinden. Er hoffe aber im Herbst und Winter auf Besserung. Die Bauern in Rheinland-Pfalz und in Norddeutschland - mit Ausnahme von Niedersachsen - brachten eine bessere Ernte ein als im Vorjahr, berichtete der Bauernpräsident. In Sachsen-Anhalt wurde dagegen weniger geerntet. Stellenweise gab es starke Schäden. “Starkregen, Hagel und Sturm haben in einzelnen Regionen brutalst zugeschlagen“, sagte Sonnleitner. Beim Winterweizen, der wichtigsten Getreideart, gehen die Landwirte von 25,7 Millionen Tonnen Ertrag aus - ähnlich wie im Vorjahr. Der Durchschnittsertrag liegt mit 80,4 Dezitonnen pro Hektar höher als in vergangenen Jahren. Der Ertrag der Wintergerste legte bei etwas größerer Anbaufläche um 7 Prozent auf 10 Millionen Tonnen zu. Die Sommergerste-Ernte wird mit 2,2 Millionen Tonnen um 15 Prozent geringer ausfallen. Sie wird vor allem als Braugerste verwendet.

Dazu werden 3,9 Millionen Tonnen Roggen erwartet, ein Plus von 6,5 Prozent. Überrascht zeigten sich die Bauern von der guten Winterrapsernte. Hier wurden mit knapp 6 Millionen Tonnen 15 Prozent mehr eingebracht. Auch Pommes-frites-Fans müssen nicht bangen: Die Kartoffelernte sehe bisher gut aus, so dass es genug Ware gebe, sagte der Bauernpräsident.

Für Milchbauern verlangte Sonnleitner weitere Hilfen auf europäischer Ebene wie Exporterstattungen und Mengenaufkäufe. Er reagierte zurückhaltend auf den Vorschlag von Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner ( CSU ), wonach die Verbraucher beim Kauf eines Milchprodukts 10 Cent freiwillige Hilfe zahlen sollen. “Es ist gut gemeint“, sagte Sonnleitner. Entscheidend seien weitere EU -Hilfen, damit die Milchpreise steigen. Von der Bundesregierung verlangte Sonnleitner eine steuerfreie Risikorücklage und eine Festschreibung der direkten EU -Beihilfen bis 2020. (Internet: www.bauernverband.de)

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