Ex-BER-Prokurist gibt Schmiergeld-Erhalt zu

+
Aktentaschen stehen auf einem Tisch zu Beginn des Korruptionsprozesses um Schmiergeld am Flughafen BER. Foto: Patrick Pleul

Ein ehemaliger Flughafen-Bereichsleiter rund um den BER-Bau erklärt vor Gericht, 150 000 Euro Bestechungsgeld von einer Auftragsfirma erhalten zu haben. Am ersten Prozesstag bleiben viele Fragen offen.

Cottbus (dpa) - Im Korruptionsprozess rund um den Bau des Hauptstadt-Airports BER hat ein ehemaliger Bereichsleiter der Flughafengesellschaft zugegeben, von einer Auftragsfirma Bestechungsgeld entgegengenommen zu haben.

"Ich habe 150 000 Euro zu Unrecht erhalten. Es war falsch", sagte der 48-Jährige am Dienstag zum Prozessauftakt vor dem Landgericht Cottbus.

Mit ihm auf der Anklagebank sitzen zwei Mitarbeiter der inzwischen insolventen Bauausrüsterfirma Imtech Deutschland, darunter der damalige Vorsitzende der Geschäftsleitung. Auch sie gaben zu, dass das Geld floss. Der 61 Jahre alte Ex-Chef sagte, dass er die Zahlung freigegeben habe. "Mein Verhalten tut mir leid."

Die Staatsanwaltschaft Neuruppin wirft dem ehemaligen Bereichsleiter der Flughafengesellschaft FBB vor, kurz vor Weihnachten 2012 das Schmiergeld auf einem Autobahnparkplatz angenommen zu haben. Im Gegenzug soll er sich innerhalb der FBB dafür eingesetzt haben, dass nur wenige Tage später Firmen-Nachtragsforderungen für Arbeiten am BER in Höhe von mehr als 60 Millionen Euro ungeprüft überwiesen wurden. Die Vorwürfe gegen die drei Angeklagten lauten auf Bestechlichkeit und Bestechung in einem besonders schweren Fall sowie Beihilfe zur Bestechung.

Empfänger der Millionen-Zahlungen waren laut Staatsanwaltschaft die Firma Imtech und eine Arbeitsgemeinschaft, an der sie beteiligt war. Imtech Deutschland hatte am pannengeplagten Flughafen wichtige Aufträge, beispielsweise arbeitete die Firma an der Brandschutzanlage mit. 2015 meldete das Unternehmen Insolvenz an.

Alle drei Angeklagten bestätigten zwar die Zahlung des Schmiergelds, zu den Umständen gingen die Aussagen aber auseinander: Der frühere FBB-Prokurist erklärte, die Firma habe das Geld angeboten, damit er mit "Wohlwollen" die Bearbeitung der noch ausstehenden Nachtragsforderungen begleite. Die beiden früheren Imtech-Mitarbeiter hingegen beschrieben, dass der Ex-Prokurist in Aussicht gestellt habe, sich für die Überweisung der Nachtragsforderungen einzusetzen. Dafür habe er Geld verlangt.

Der zweite angeklagte Ex-Imtech-Mitarbeiter sagte aus, als Geldbote das Schmiergeld in einem Umschlag übergeben zu haben. Er betonte, dass das Unternehmen finanziell unter Druck gestanden und dringend noch vor Jahresende die Zahlungen benötigt habe. Die 150 000 Euro seien quasi ein "Stichtagsanreiz" gewesen.

Der Prozess wird am Mittwoch fortgesetzt. Als Zeugen sind dem Gericht zufolge zwei Mitarbeiter der Flughafengesellschaft geladen.

Infos des Landgerichts zur Anklage

Das könnte Sie auch interessieren

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.