Bergbauriese BHP Billiton soll Interesse an K+S haben

+
Blick in das Werk Werra: K+S-Mitarbeiter Lars Nadenau bedient einen Sprenglochbohrer. Derzeit machen Gerüchte um eine Übernahme des Konzerns die Runde.

Kassel. Und sie sind schon wieder da, die Übernahmegerüchte rund um den Kasseler Kali- und Salzproduzenten K+S, die in schöner Regelmäßigkeit die Runde machen.

Wieder einmal soll der britisch-australische Bergbauriese BHP Billiton an einer Einverleibung des Dax-Unternehmens und einzigen deutschen Rohstoff-Konzerns von Rang arbeiten.

Grund für die jüngsten Übernahmespekulationen: Der Eurochem-Konzern des russischen Millardärs Andrej Melnichenko soll sich von einem größeren Aktienpaket getrennt haben und fortan nicht mehr knapp zehn, sondern nur noch gut ein Prozent an K+S halten. Das aber ist offenbar so nicht richtig. Nach K+S-Informationen hat die Eurochem-Gruppe intern Aktienpakete verschoben.

Lesen Sie auch

Mehr über das Unternehmen K+S im HNA-Regiowiki

Hinweise für einen Verkauf an Dritte habe man nicht, sagte ein Sprecher. K+S gehe davon aus, dass Eurochen, beziehungsweise deren Töchter, nach wie vor fünf bis knapp zehn Prozent an K+S hielten. Ein weitere Eingrenzung ist nicht möglich, da die Meldeschwellen bei drei, fünf und zehn Prozent liegen. Veränderung zwischen dieses Werten müssen der Börsenaufsicht nicht mitgeteilt werden.

Großer Streubesitz

Unabhängig von den aktuellen Marktgerüchten wird K+S schon seit längerem als Übernahmekandidat gehandelt. Grund ist vor allem, dass es neben Melnichenko sowie den Investmentgesellschaften Blackrock (5,46 Prozent) und Prudential (drei Prozent) keine größeren Aktionäre gibt, die eine Übernahme verhindern könnten. Wer sich K+S einverleiben will, könnte dies weitgehend widerstandslos durch Aktienkäufe an der Börse oder durch ein Übernahme-Angebot an die vielen Kleinaktionäre erreichen.

Gleichzeitig wird den Bergbauriesen BHP, Rio Tinto und Vale nachgesagt, ins lukrative Kali-Geschäft einsteigen zu wollen. Sie handeln mit so ziemlich allem, was die Erde hergibt: Kohle, Öl, Erze, Baustoffe, Diamanten, Gold, Silber und vieles mehr. Kali würde noch gut ins Angebot passen, zumal dieser Stoff in den vergangen Jahren ganz besonders hohe Renditen abgeworfen hat. 2011 erzielte K+S mit seiner Kali- und Magnesiumsparte bei einem Umsatz von 2,13 Milliarden Euro ein Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) von fast 740 Millionen Euro. Das ergibt eine Ebit-Rendite von 35 Prozent - ein Wert, von dem die meisten Konzerne hierzulande nur träumen können. In der Industrie gelten bereits Ebit-Margen von acht bis zehn Prozent als ordentlich.

Aber K+S ist nicht zum Schnäppchenpreis zu haben. Fast 7,6 Mrd. Euro sind die 191,4 Mio. Aktien derzeit wert. Rechnet man einen von Finanzmarktexperten unterstellten 50-prozentigen Übernahme-Aufschlag hinzu, müsste der Käufer mithin elf Mrd. Euo aufbieten, was auch für die ganz Großen der Branche kein Pappenstiel ist.

Andererseits erscheint der altuelle Unternehmenswert angesichts der guten Perspektiven gering. Mitte 2008 war K+S 16 Mrd., im vergangenen Sommer immer noch fast elf Mrd. Euro wert.

Das Unternehmen kommentiert Übernahmegerüchte grundsätzlich nicht. Inoffiziell heißt es nur, das niemand beunruhigt sei.

Hintergrund: Zweitbestes Ergebnis der Geschichte

Der K+S-Konzern setzte 2011 mit seinen weltweit 14.500 Beschäftigten 5,15 Milliarden Euro um - gut elf Prozent mehr als im Vorjahr. Unterm Strich verdienten die Kasseler 581,8 Millionen Euro - gegenüber 2010 ein Plus von mehr als 30 Prozent. Die sehr lukrative Kali- und Magnesiumsparte trug allein drei Viertel zum Reingewinn bei. Mehr verdienten die Kasseler bislang nur im Ausnahmejahr 2008, als unterm Strich fast eine Mrd. Euro Gewinn stand.

Einen Umsatz und Ergebnisschub dürfte in den nächsten Jahren eine neue Kali-Mine in Kanada bringen, die derzeit erschlossen wird. In der Endausbaustufe wird sie eine Jahreskapazität von bis zu vier Mio. Tonnen haben. Zum Vergleich: Die bislang ausschließlich deutschen K+S-Lagerstätten haben zusammen eine Jahreskapazität von sieben Mio. Tonnen.

K+S will insgesamt rund 2,5 Mrd. Euro in Kanada investieren.

Von José Pinto

Das könnte Sie auch interessieren

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.