Keine Preiserhöhungen im Fernverkehr der Bahn

Frankfurt/Main - Die Deutsche Bahn verzichtet erstmals seit 2002 im Fernverkehr auf eine jährliche Preiserhöhung, greift Millionen Pendlern im Regionalverkehr aber tiefer in die Tasche.

Zum Fahrplanwechsel am 12. Dezember 2010 müssen Bahnreisende im Nah- und Regionalverkehr (S-Bahnen und Regio-Züge) durchschnittlich 1,9 Prozent mehr für ihre Normal- und Zeitkarten bezahlen als bisher, wie die Deutsche Bahn AG am Mittwoch in Frankfurt mitteilte.

“Alle Preise bei der Deutschen Bahn im Fernverkehr bleiben stabil und das - glaube ich - ist eine ganz wichtige und eine gute Botschaft“, sagte Bahn-Vorstandsmitglied Ulrich Homburg. Damit wolle die Bahn ihre Position im Wettbewerb zu anderen Verkehrsträgern wie Auto und Flugzeug stärken.

Bahnchef Rüdiger Grube sagte laut Mitteilung: “Als wirtschaftlich arbeitendes Unternehmen können wir uns solche Kraftanstrengungen nur im Ausnahmefall leisten.“ Mit der Aussetzung der Preiserhöhung sollten bisherige Kunden gebunden und neue Fahrgäste hinzugewonnen werden. Zuletzt stand das Unternehmen im Zusammenhang mit dem umstrittenen Bauprojekt Stuttgart 21 immer wieder öffentlich in der Kritik, etwa weil Grube einen von den Projektgegnern geforderten Bau- und Vergabestopp strikt ablehnt.

In den vergangenen Jahren waren die Preise im Fernverkehr (alle ICE-, Intercity- und Eurocity-Verbindungen in Deutschland und grenzüberschreitend) regelmäßig angehoben worden, zuletzt im Dezember 2009 um 1,8 Prozent und ein Jahr zuvor um 3,9 Prozent.

Der verbraucherpolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Erik Schweickert, begrüßte die Entscheidung: “Eine Erhöhung der Bahn- Tickets im Fernverkehr wäre das völlig falsche Signal gewesen. Denn für die unzähligen Pannen der Bahn in diesem Jahr haben deren Kunden ohnehin schon viel zu teuer bezahlt.“ Die Preiserhöhungen im Nah- und Regionalverkehr seien ein bitterer Wermutstropfen.

Homburg betonte ausdrücklich, dass das Ausbleiben von Tariferhöhungen im Fernverkehr nicht in Zusammenhang mit Problemen etwa bei Klimaanlagen im Sommer stehe.

Dass die Bahn anders als im Fernverkehr im Nah- und Regionalverkehr an der Preisschraube dreht, begründete Homburg unter anderem mit gestiegenen Kosten. Die Erhöhung erfolge mit Augenmaß und sei mit den Preismaßnahmen abgestimmt, die 2011 in allen großen deutschen Verkehrsverbünden 2011 anstünden. Im Nah- und Regionalverkehr erbringt die Deutsche Bahn ihre Leistungen überwiegend in Kooperation mit Verkehrsverbünden. 2009 reisten nach Angaben der Bahn täglich 340 000 Menschen im DB Fernverkehr und 3,4 Millionen mit DB Regio.

Der ökologische Verkehrsclub VCD kritisierte die Preiserhöhung im Nah- und Regionalverkehr als ungerechtfertigt. VCD-Bahnreferentin Heidi Tischmann sagte: “Mehr als 90 Prozent aller Bahnreisenden sind im Nahverkehr unterwegs. Das umweltfreundliche Verkehrsverhalten darf nicht durch Anhebung der Fahrpreise bestraft werden.“

dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.