Horst Amann muss gehen

Dauerbaustelle BER: Technikchef abgesetzt

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Horst Amann hat seinen Job als Geschäftsführer verloren.

Berlin - Kein Ende des Desasters am Berliner Hauptstadtflughafen: Die Kontrolleure setzen Technik-Chef Amann ab. Flughafenchef Mehdorn ist seinen Widersacher los, doch die Probleme sind nicht gelöst.

Im monatelangem Führungsstreit am neuen Berliner Hauptstadtflughafen ist der umstrittene Technikchef Horst Amann abgesetzt worden. Diesen Beschluss des Aufsichtsrats teilte der Berliner Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) am Mittwochabend mit. Er sprach von einer Entscheidung „in gegenseitigem Einvernehmen“. Wowereit kündigte zugleich an, dass in diesem Jahr kein Starttermin für den Flughafen mehr festgelegt wird, dessen Eröffnung schon mehrfach verschoben wurde. „Wir werden erst dann einen Zeitpunkt bestimmen, wenn wirklich erkennbar ist, dass die Sache so auf dem Weg ist, dass da wirklich nichts mehr schief geht.“

"Kein Eröffnungstermin, aber Kosten ohne Ende"

Damit hat sich Flughafenchef Hartmut Mehdorn im Dauerclinch mit Amann nun durchgesetzt. „Wowereit und Mehdorn haben ein neues Bauernopfer gefunden. Nach zehn Jahren Wowereit im Aufsichtsrat gibt es keinen Eröffnungstermin, aber Kosten ohne Ende“, kritisierte Renate Künast von den Grünen.

Der Vorsitzende der Grünen-Fraktion im Bundestag, Anton Hofreiter, kritisierte die Absetzung scharf und forderte Konsequenzen. „Die Zustände am BER haben ein Ausmaß erreicht, dass man sich kaum vorstellen kann“, sagte Hofreiter „Handelsblatt Online“. Der amtierende Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) müsse „endlich Verantwortung übernehmen und nicht weiter so tun, als hätte er mit all dem nichts zu tun“.

Zugleich forderte Hofreiter den Rückzug von Wowereit aus dem BER-Aufsichtsrat. „Wowereit sollte den Aufsichtsrat völlig verlassen, statt weiter die Lösung der Probleme zu stören“, sagte der Grünen-Fraktionschef.

Wegen Fehlplanungen und Baumängeln sind schon vier Eröffnungstermine geplatzt. Eigentlich sollte der Flughafen vor zwei Jahren in Betrieb gehen, Beobachter rechnen nun nicht mehr mit einem Start vor 2015. „Wir sehen noch viele Hindernisse“, sagte Wowereit. In wesentlichen Bereichen seien aber Lösungen für die Probleme gefunden, etwa für die komplexe Brandschutzanlage.

Kein gemeinsamer Nenner mit Mehdorn

Der Bauingenieur Amann war im August 2012 als großer Hoffnungsträger vom Flughafen Frankfurt nach Berlin gekommen, um das Milliardenprojekt aus der Krise zu führen. Kurz nach dem Amtsantritt des neuen Flughafenchefs Hartmut Mehdorn im März kam es aber zum Streit über die Strategie für das Milliardenprojekt. Mehdorn forderte mehrfach, Amann rauszuwerfen.

Nun führt Amann ab 1. November nur noch die Flughafen Energie und Wasser GmbH. Sie betreibt das Strom-, Wasser-, Abwasser-, Wärme- und Kältenetz der bestehenden Airports Tegel und Schönefeld sowie des neuen Berliner Flughafens. Amanns Bezüge behalten die bisherige Höhe. „Wir wollen, dass dieser Bereich entwickelt wird“, entgegnete Wowereit auf die Frage, ob Amann lediglich einen Versorgungsposten erhalten habe.

„Natürlich gab es Höhen und Tiefen“, sagte Wowereit zur Bilanz des Managers. Er hob hervor, dass Amann in einer schwierigen Zeit zum Flughafen gekommen sei und mit seiner Bestandsaufnahme der mehr als 60 000 Mängel eine Grundlage für die weiteren Entscheidungen geschaffen habe. Zugleich äußerte sich Wowereit enttäuscht, dass ein von Amann genannter Eröffnungstermin kippte. Der Aufsichtsrat erwähnte auch den öffentlichen Streit mit Mehdorn.

"Wir sind im Zeitplan" - Zitate zum BER-Debakel

„Der Inbetriebnahmetermin 3. Juni 2012 ist unwiderruflich.“ (Der frühere Technik-Geschäftsführer Manfred Körtgen im November 2011) © dpa
„Der Eröffnungstermin 27.10.2013 steht, er ist aber kein Selbstläufer.“ (Körtgens Nachfolger Horst Amann im November 2012) © dpa
„Diesen Dilettanten darf man nicht die Führung der Stadt überlassen.“ (Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit im Mai 2011 an die Grünen gerichtet, weil die das Projekt Flughafen abspecken wollten) © dapd
„Sicherheit hat Vorrang!“ Der Flughafen werde „trotz der Verschiebung nach wie vor eine Erfolgsgeschichte sein“. (Wowereit im Mai 2012 zur Absage der für den 3. Juni geplanten Eröffnung wegen Problemen an der Brandschutzanlage) © dapd
„Bei einer derartigen Komplexität des Bauvorhabens ist es immer riskant, einen Termin zu setzen. Aber man kann nicht einfach den Baufortschritt abwarten, bevor man Termine nennt (...) Ich sehe nicht, welchen konkreten Vorwurf man dem Aufsichtsrat machen müsste.“ (Wowereit in einem Interview mit der „Berliner Zeitung“ im Juni 2012) © dpa
„Wir sind im Zeitplan.“ (Wowereit im November 2012 nach einer Sitzung des Aufsichtsrats) © dpa
„Verantwortung wahrzunehmen bedeutet, die Dinge anzupacken. Das gilt besonders für den Flughafen. Deshalb bündeln wir alle Kräfte, um den Eröffnungstermin im Oktober 2013 einzuhalten.“ (Wowereit in seiner Neujahrsansprache im Januar 2013) © dpa
Der für Oktober 2013 geplante Eröffnungstermin werde gehalten. „Eine nochmalige Verschiebung können wir uns auch für das Image des Landes nicht leisten.“ (Brandenburgs früherer Ministerpräsident Matthias Platzeck auf einem SPD-Parteitag im September 2012) © dpa
„Einem Aufsichtsrat, der mehrfach mündlich und schriftlich nachfragt und darauf eindeutige Antworten bekommt, kann man keine Vorwürfe machen.“ (der frühere Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer am 28. Mai 2012 in der „Bild am Sonntag“, nachdem der Eröffnungstermin am 3. Juni 2012 geplatzt war) © dpa

Dieser hatte Amann vorgeworfen, für ein Jahr Stillstand auf der Baustelle gesorgt zu haben. Die Bestandsaufnahme sah Mehdorn kritisch, weil er den Blick lieber in die Zukunft richten wollte. Amann wiederum hält nichts von Mehdorns Plan, schon im nächsten Jahr in einem Seitenflügel des Terminals einen Testbetrieb mit höchstens zehn Flügen am Tag zu starten.

Einen neuen Technik-Geschäftsführer wird es laut Wowereit bei der Flughafen Berlin Brandenburg GmbH vorerst nicht geben. Voraussichtlich werde Mehdorn einen Großteil von Amanns Aufgaben mit übernehmen. Zur Geschäftsführung gehört außerdem Finanzchefin Heike Fölster.

Das Land Berlin verlängerte am Mittwoch Wowereits Mandat im Aufsichtsrat, das Gremium wählte ihn auch wieder zum stellvertretenden Vorsitzenden. Der Regierende Bürgermeister führt den Aufsichtsrat kommissarisch, seit sich der damalige Brandenburger Regierungschef Matthias Platzeck (SPD) im August zurückzog. Wowereit werden Ambitionen nachgesagt, den Posten wieder zu übernehmen, den er erst im Januar unter dem Eindruck des Flughafendebakels abgeben musste.

dpa

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