Milliardenbetrag im Gespräch

Wird Berliner Flughafen deutlich teurer?

+
Der neue Berliner Flughafen.

Berlin - Der neue Berliner Flughafen kommt nicht aus den Negativ-Schlagzeilen: Nach Medienberichten soll er deutlich mehr kosten als ursprünglich erwartet.

Der künftige Hauptstadtflughafen wird nach einem Bericht der „Bild“-Zeitung noch einmal um 1,1 Milliarden Euro teurer. Das Blatt beruft sich auf Berechnungen eines Projektsteuerers.

"Wir sind im Zeitplan" - Zitate zum BER-Debakel

„Der Inbetriebnahmetermin 3. Juni 2012 ist unwiderruflich.“ (Der frühere Technik-Geschäftsführer Manfred Körtgen im November 2011) © dpa
„Der Eröffnungstermin 27.10.2013 steht, er ist aber kein Selbstläufer.“ (Körtgens Nachfolger Horst Amann im November 2012) © dpa
„Diesen Dilettanten darf man nicht die Führung der Stadt überlassen.“ (Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit im Mai 2011 an die Grünen gerichtet, weil die das Projekt Flughafen abspecken wollten) © dapd
„Sicherheit hat Vorrang!“ Der Flughafen werde „trotz der Verschiebung nach wie vor eine Erfolgsgeschichte sein“. (Wowereit im Mai 2012 zur Absage der für den 3. Juni geplanten Eröffnung wegen Problemen an der Brandschutzanlage) © dapd
„Bei einer derartigen Komplexität des Bauvorhabens ist es immer riskant, einen Termin zu setzen. Aber man kann nicht einfach den Baufortschritt abwarten, bevor man Termine nennt (...) Ich sehe nicht, welchen konkreten Vorwurf man dem Aufsichtsrat machen müsste.“ (Wowereit in einem Interview mit der „Berliner Zeitung“ im Juni 2012) © dpa
„Wir sind im Zeitplan.“ (Wowereit im November 2012 nach einer Sitzung des Aufsichtsrats) © dpa
„Verantwortung wahrzunehmen bedeutet, die Dinge anzupacken. Das gilt besonders für den Flughafen. Deshalb bündeln wir alle Kräfte, um den Eröffnungstermin im Oktober 2013 einzuhalten.“ (Wowereit in seiner Neujahrsansprache im Januar 2013) © dpa
Der für Oktober 2013 geplante Eröffnungstermin werde gehalten. „Eine nochmalige Verschiebung können wir uns auch für das Image des Landes nicht leisten.“ (Brandenburgs früherer Ministerpräsident Matthias Platzeck auf einem SPD-Parteitag im September 2012) © dpa
„Einem Aufsichtsrat, der mehrfach mündlich und schriftlich nachfragt und darauf eindeutige Antworten bekommt, kann man keine Vorwürfe machen.“ (der frühere Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer am 28. Mai 2012 in der „Bild am Sonntag“, nachdem der Eröffnungstermin am 3. Juni 2012 geplatzt war) © dpa

Den Eröffnungstermin und die Mehrkosten des neuen Hauptstadtflughafens will der Aufsichtsrat spätestens Anfang kommenden Jahres bekanntgeben. Das kündigte Verkehrsstaatssekretär Rainer Bomba (CDU) am Freitag an. Nach einem Bericht der „Bild“-Zeitung (Freitag) wird das Milliardenprojekt noch einmal um 1,1 Milliarden Euro teurer. Das Blatt beruft sich auf Berechnungen eines Projektsteuerers. Weder Flughafengesellschaft noch Mitglieder des Aufsichtsrates bestätigten die Summe.

Experten aus dem Umfeld des Projekts halten die genannte Größenordnung durchaus für realistisch. Sie geben zu bedenken, dass die bisher offiziell genannte Kostensumme von 4,3 Milliarden Euro für den Fall galt, dass der Flughafen am 27. Oktober 2013 öffnet. Dieser Termin wurde wegen großer Probleme mit dem Brandschutz im Januar abgesagt. Wann die Baumängel behoben sind und der Flughafen an den Start gehen kann, ist noch unklar.

„Wir können in keinster Weise sagen, wie viel Mehrkosten wir momentan haben“, sagte Bomba vor einer Sitzung des Flughafen- Untersuchungsausschuss im Berliner Abgeordnetenhaus. „Die von der "Bild"-Zeitung vermeldeten Mehrkosten von 1,1 Milliarden Euro sind reine Spekulation. Das ist Nebelstocherei“, betonte der Staatssekretär des Bundes, der im Flughafen-Aufsichtsrat sitzt.

Die Geschäftsleitung werde bis zur nächsten Aufsichtsratssitzung am 13. Dezember klare Zahlen sammeln, „und anhand dieser Zahlen werden wir, denke ich, noch dieses Jahr oder Anfang nächsten Jahres an die Öffentlichkeit gehen und klar sagen: Dann wird der Flughafen fertig, und das kostet es mehr“, fügte Bomba hinzu.

Der neue Flughafen in Schönefeld wird aus Sicht des Bundes in den ersten Jahren nach dem Start Verluste verursachen. „Aufgrund meiner bisherigen Kenntnisse gehe ich davon aus, dass der Flughafen in den 20er Jahren in die Gewinnzone gelangt“, sagte Bomba.

Top 10: Das sind die besten Flughäfen der Welt

Top 10: die beliebtesten Flughäfen der Welt
Top 10: Das sind die besten Flughäfen der Welt: Zum vierten Mal ist der Flughafen Changi in Singapur von der Unternehmensberatung Skytrax zum besten der Welt gewählt worden. Für das Ranking sind weltweit rund 12 Mio Passagiere befragt worden. Unter den Fluggästen ist das Drehkreuz Singapur auch wegen seiner Freizeitmöglichkeiten außerordentlich beliebt. © dpa-tmn
Incheon International Airport
Incheon International Airport: Gegenüber dem Vorjahr rutschte der Airport in Südkorea auf den 2. Platz.   © dpa
Top 10: die beliebtesten Flughäfen der Welt
Amsterdam Schiphol Airport: Passagiere loben den Flughafen für den Transitbereich.   © Amsterdam Schiphol Airport
Top 10: die beliebtesten Flughäfen der Welt
Beijing Capital International Airport: Trotz steigender Passagierzahlen erhöht sich der Standard stetig. © dpa
Top 10: die beliebtesten Flughäfen der Welt
Munich Airport: Kulinarisch hat der Münchner Flughafen einiges zu bieten. 45 Restaurant stehen hier für eine gastronomische Weltreise bereit. © Munich Airport/ Hennies
Top 10: die beliebtesten Flughäfen der Welt
London Heathrow Airport: Der Flughafen ist für Reisende eine Shopping-Paradies. © Heathrow Airport
Top 10: die beliebtesten Flughäfen der Welt
Tokyo International Airport (Haneda): Sauberkeit wird hier groß geschrieben. © AP
Vancouver International Airport
Vancouver International Airport: Das Ambiente ist einmalig. Hier wird jeder Zwischenstopp zum Erlebnis. Auch das Personal ist ausgezeichnet. © Vancouver International Airport
Hong Kong International Airport
Hong Kong International Airport: Bei Fluggäste hoch angesehen. © dpa
Zurich Airport
Zurich Airport: Der Flughafen in der Schweiz hat den schnellsten Gepäckservice und das beste Flughafenpersonal. © AP

Er korrigierte zugleich Angaben des Flughafenchefs Hartmut Mehdorn über die monatlichen Kosten für die verzögerte Eröffnung nach unten. Mehdorn hatte sie auf 35 Millionen Euro beziffert, dabei aber auch entgangene Gebühreneinnahmen am Neubau eingerechnet. Das sei ein Fehler, der für „bilanztechnisches Chaos“ sorge, sagte Bomba. Die Verzögerungskosten seien deshalb um 17 Millionen Euro niedriger anzusetzen.

Der Brandenburger Flughafenkoordinator Rainer Bretschneider (SPD) sagte zu der angeblichen Kostenprognose des Projektsteuerers WSP/CBP: „Ich kenne diese Unterlagen nicht.“ Die Geschäftsführung solle bei der Aufsichtsratssitzung am 13. Dezember „belastungsfähige Zahlen“ zu den Kosten vorlegen, fügte der Aufsichtsrat hinzu.

Bomba stellte klar, dass der Kostenrahmen von 4,3 Milliarden Euro noch längst nicht ausgeschöpft sei. Flughafensprecher Ralf Kunkel sagte: „Es gibt keinen neuen Erkenntnisstand. Wir kommentieren die heutigen Berichterstattung nicht.“

Bei Baubeginn 2006 waren die Betreiber von Baukosten in Höhe von zwei Milliarden Euro ausgegangen. Ein Teil der Mehrkosten geht darauf zurück, dass das Terminal anschließend umgeplant und deutlich vergrößert wurde. Für den Lärmschutz war nur ein Bruchteil der erforderlichen Summe eingeplant. Die Architekten beklagten zudem zahlreiche Detailänderungen.

dpa/afp

Das könnte Sie auch interessieren

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.