DB und Schlichtungsstelle hatten 2013 zu tun wie nie

Beschwerderekord bei Bahn: Mängel bei Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit, Qualität

Bei der Deutschen Bahn und der ÖPV-Schlichtungsstelle haben sich 2013 so viele Kunden wie nie zuvor beschwert. Unser Foto zeigt Bahnsteiggedrängel am Hamburger Hauptbahnhof. Foto: dpa

Berlin. Bei der Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr (söp) - und im Vorfeld auch bei der Deutschen Bahn selbst - gab es zum Schienenverkehr noch nie so viele Beschwerden wie in diesem Jahr:

Die Anlaufstelle für frustrierte Passagiere von Bahn, Bus, Flugzeug (Reisen ab 1. November 2013) und Schiff meldete bis 20. Dezember 3257 Schlichtungsanträge von Bahnreisenden, schreibt die Süddeutsche Zeitung. Das seien gut 50 Prozent mehr als die 2112 Eingaben im vergangenen Jahr.

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Überwiegend gehe es um die Deutsche Bahn AG, die aber auch den mit Abstand größten Marktanteil habe, sagte söp-Geschäftsführer Heinz Klewe dem Blatt. Streckensperrungen nach Herbststürmen und die Umleitungen wegen des Elbe-Hochwassers seien die wesentlichen, „aber nicht die einzigen Gründe“ für die gewachsene Unzufriedenheit bei den Bahnfahrern. Auch die Engpässe in der Zugflotte der Bahn hätten sich bemerkbar gemacht.

Über Verspätungen und Zugausfälle ärgerte sich danach knapp die Hälfte der Beschwerdeführer. In rund jedem dritten Fall habe es Probleme mit Tickets gegeben, weil sich zum Beispiel Kunde und Zugbegleiter nicht über die Gültigkeit einig waren. Jede vierte Beschwerde betraf laut Klewe den Service, etwa weil der Erste-Klasse-Wagen oder Hilfe für Menschen mit Gehbehinderung fehlten.

Auch die DB selbst rechnet für 2013 mit einem Beschwerderekord. Man gehe von 1 250 000 bearbeiteten Fällen aus, im Vorjahr waren es 900 000. Knapp 90 Prozent würden im Sinne des Kunden entschieden, sagte ein Bahnsprecher dem Blatt.

Erklärungsversuch der DB am Montag: „2013 war geprägt von vielen heftigen Unwettern, von hochwasserbedingten Streckensperrungen über fünf Monate, von unpassierbaren Strecken im Ruhrgebiet aufgrund nicht gesicherter alter Bergwerksstollen und durch die notorischen kriminellen Eingriffe in den Bahnverkehr, wie etwa Kabelklau“, sagte Personenverkehrsvorstand Ulrich Homburg der SZ. All dies sei zulasten von Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit und Qualität gegangen, räumte der DB-Manager ein.

Wer bei der Bahn mit seinen Beschwerden nicht zum Zuge kommt, der kann sich seit 2009 noch an die Schlichtungsstelle wenden.

Erfolgreiche Schlichter

Der Weg zur söp lohnt offenbar. Geschäftsführer Klewe zur SZ: „Weit mehr als 80 Prozent unserer Schlichtungsvorschläge wurden sowohl von den Reisenden als auch von den Verkehrsunternehmen akzeptiert.“ Bahnnutzer bekommen bei Verspätungen von einer Stunde ein Viertel des Fahrpreises zurück, bei zwei Stunden die Hälfte der Ticketkosten. (mit dpa)

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