AKW geht früher vom Netz

Grafenrheinfeld: Eon setzt Politik unter Druck

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Das Atomkraftwerk Grafenrheinfeld geht früher vom Netz.

Düsseldorf/Berlin - Das unrentable AKW Grafenrheinfeld wird von Eon schon im Mai 2015 stillgelegt. Notfalls kann dies untersagt werden - die Bundesregierung rechnet nicht mit Engpässen.

Das bayerische Atomkraftwerk Grafenrheinfeld geht mangels Gewinn bereits Ende Mai 2015 vom Netz - und damit sieben Monate früher als von der Bundesregierung geplant. Das teilte der Energiekonzern Eon am Freitag in Düsseldorf mit und nannte als einen Grund die Belastungen durch die Brennelemente-Steuer. Der für die Versorgung in Unterfranken verantwortliche Übertragungsnetzbetreiber Tennet rechnet dadurch nicht mit Versorgungsengpässen, auch die bayerische Landesregierung um Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) hatte Blackout-Sorgen als unbegründet eingestuft.

Die Bundesnetzagentur kann noch ihr Veto einlegen. Dann müsste Eon das Kraftwerk weiterbetreiben, würde dafür aber Entschädigungen bekommen. Anfallende Kosten würden auf die Strompreise umgelegt.

Wiederholt hatten Fachleute betont, dass vor einer Abschaltung des Kraftwerks bei Schweinfurt die Thüringer Strombrücke fertiggestellt sein müsse, über die als Ersatz für den Atomstrom Windstrom aus dem Osten nach Bayern geleitet werden soll. Aber die Meinungen hierzu gehen auseinander. Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) sieht jedenfalls kein Engpass-Problem. „Jedes AKW, das noch ein bisschen früher vom Netz geht, ist in meinem Interesse“, sagte sie am Freitag in Königswinter bei Bonn. Die Versorgungssicherheit sei gegeben, das habe die Bundesnetzagentur bereits bestätigt.

Noch neun AKW am Netz

Nach der Reaktorkatastrophe im japanischen Fukushima waren 2011 gemäß eines Bundestagsbeschlusses acht Atomkraftwerke vom Netz gegangen. Derzeit sind noch neun AKW am Netz, sie sollen schrittweise bis 2022 stillgelegt werden. Grafenrheinfeld sollte als nächstes Kraftwerk eigentlich erst Ende 2015 abgeschaltet werden. Die 1345 Megawatt starke Anlage erzeugte 2013 rund 10 246 Gigawattstunden Strom.

Stuft die Bundesnetzagentur bei der nun anstehenden intensiven Prüfung die Anlage aber doch als systemrelevant für eine sichere Stromversorgung ein, kann die Abschaltung gemäß des sogenannten Wintergesetzes untersagt werden.

Fällige Entschädigungen müssten alle Verbraucher über die Strompreise zahlen. Der Netzbetreiber Tennet betonte, bisher gebe es keine Hinweise darauf, dass die frühere Abschaltung nicht handhabbar sei. Tennet-Geschäftsführer Martin Fuchs rechnet aber mit stark erhöhten Eingriffen in den Markt, um das Netz zu stabilisieren.

Eon begründet den Schritt vor allem mit der Belastung durch die vom Bund erhobene Kernbrennstoffsteuer. „Hintergrund für die Entscheidung ist die mangelnde Wirtschaftlichkeit der Anlage.“ In Konzernkreisen hieß es, im Juni müssten neue Brennstäbe eingesetzt werden, was mit weiteren 80 Millionen Euro zu Buche schlagen würde.

Der rasante Zuwachs an Wind- und Solarstrom, aber auch regionale Überkapazitäten im konventionellen Kraftwerkspark drücken die Margen teils massiv. Damit weiterhin eine ausreichende Versorgung zur Verfügung steht, gibt es Forderungen nach Extraprämien für Anlagen, die anders als Wind und Sonne rund um die Uhr Strom liefern können.

Die vorzeitige Abschaltung dürfte auch Thema beim Energiegipfel der Ministerpräsidenten mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) am kommenden Dienstag sein. Bisher gibt es noch keine konkreten Pläne für eine Neuordnung des Strommarktes, die sichergestellt, dass sich auch für konventionelle Kraftwerke der Betrieb rechnet. Diese werden gerade im Winter gebraucht, wenn weniger Ökostrom produziert wird.

Umweltschützer begrüßten den Schritt. Das Aus sei aber „hoffentlich keine Nebelkerze, um hintenrum Geld für den Weiterbetrieb des Atomkraftwerks zu bekommen“, sagte der Vorsitzende des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Hubert Weiger. Die atompolitische Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion, Sylvia Kottig-Uhl, betonte: „Das ist ein Schub für Seehofer, dass er endlich seine Verweigerungshaltung bei der Energiewende aufgeben muss.“

dpa

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