Rekorder-Verkauf hatte seine Blütezeit in den 90er-Jahren – Danach kam die CD

Die Kassette war der Hit in den 90ern

Die schönsten Erinnerungen an meine Kindheit sind nicht auf Fotos festgehalten. Die schönsten Erinnerungen sind auf Kassetten. Und dafür habe ich persönlich gesorgt.

Er war perfekt, der kleine schwarze Kassettenrekorder mit der verlockenden roten Record-Taste. Perfekt für regnerische Nachmittage. Meine beste Freundin und ich haben uns dann in die hinterste Ecke meines Zimmers verkrochen. Dann haben wir die Taste gedrückt und Unfug gemacht.

Manchmal haben wir gesungen – Lieder vom Kinderchor, schön im Kanon, bis wir nicht mehr konnten und vor Lachen platzten. Und als uns wieder klar wurde, dass alles auf Band ist, wurde das Gegacker nur noch schlimmer.

Naja, nicht alles an Compact Cassettes, wie sie korrekt heißen, war rosig. Wie oft blieb das Band hängen und musste mühselig wieder aufgefädelt werden. Die Kassette überlebte das oft trotzdem. Kassetten sind so robust, dass sie im Gegensatz zu CDs und Schallplatten, auch einiges an Hitze und Staub über sich ergehen lassen. Deshalb sind sie in Schwellen- und Entwicklungsländern beliebt. Auch in Industrieländern wie Deutschland werden vor allem für Kinder immer noch bespielte Kassetten hergestellt.

Tod der Musik

Über die Jahre verliert der Klang allerdings an Qualität und manchmal setzt er kurz aus. Davon sind meine Kassetten bisher verschont geblieben. Um einige Aufnahmen wäre ich aber auch nicht traurig. Die Musik-Charts zum Beispiel. Natürlich habe ich auch die aufgenommen – genauso wie Millionen andere Jugendliche.

Für mich war das Nebensache, nicht aber für die Musikindustrie. Sie versuchte 1980 mit dem Slogan „Home Taping is killing Music“, also Mitschneiden ist der Tod der Musik, dagegen anzugehen. Sie hatte Angst, der Musikverkauf würde ins Stocken geraten. Das Echo waren Parodien wie „Selbernähen vernichtet Mode“ oder „Sex zu Hause vernichtet Prostitution“.

Bis Mitte des vergangenen Jahrhunderts hatte sich die Musikindustrie noch nicht sorgen müssen. Ein Tonbandgerät, das im Jahr 1935 AEG vorstellte, war noch teuer und kompliziert. Nachfolgemodelle waren auch in den 50er-Jahren mit umgerechnet 1600 bis 3400 Euro für die Massen zu teuer. Erst in den 60er-Jahren fielen die Preise.

Im Spätsommer 1963 stellte endlich Philips auf der Funk-Ausstellung in Berlin die Compact Cassette und den dazugehörigen Rekorder für 299 Deutsche Mark vor. Die Großmutter meines Kassettenrekorders.

Die Blütezeit des Rekorder-Verkaufs war laut der Gesellschaft für Unterhaltungs- und Kommunikationselektronik um das Jahr 1994. Danach gingen die Verkaufszahlen zurück. Ursache war die Einführung der CD.

Immerhin: Von 1994 bis heute sind noch 41 Millionen Rekorder mit Radio und Kassette verkauft worden und von einfachen Kassettenrekordern ohne Radio immerhin noch 2,8 Millionen. Foto: dpa

Von Dorothee Köppe

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