Welche Auflagen Landwirte beachten müssen 

Einsatz von Gülle als Dünger: Ist unser Trinkwasser in Gefahr?

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Braune Gefahr? Düngung mit Gülle in Brandenburg.

Immer wieder beschweren sich Bewohner auf dem Land über den Gestank von Gülle. Gibt es tatsächlich immer mehr Kot und Jauche durch Massentierhaltung? Und welche Gefahren hat das für uns?

Was ist Gülle und warum wird sie als Dünger in der Landwirtschaft eingesetzt?

Gülle bezeichnet eine Mischung aus Kot und Jauche landwirtschaftlicher Nutztiere, hauptsächlich von Schweinen und Rindern. Gülle aus der Tierhaltung enthält viele Nährstoffe, unter anderem Stickstoff, Phosphor und Kalium. 

Dadurch kann Gülle als organischer oder natürlicher Dünger eingesetzt werden. "Es ist eine Kreislaufwirtschaft", sagt Bernd Weber, Sprecher des Hessischen Bauernverbands. "Pflanzen müssen ernährt werden, damit sie Ertrag bringen." 

Die Menge eingesetzter Düngemittel hängt davon ab, wie viele Nährstoffe im Boden enthalten sind. Außerdem haben verschiedene Pflanzenarten einen unterschiedlich hohen Bedarf an Nährstoffen. 

Eine Maschine verteilt Gülle auf einem Feld.

Welche Gefahren bestehen durch Gülle? 

Wasserversorger warnen schon seit Längerem vor der steigenden Nitratbelastung des Grundwassers durch den Einsatz von Gülle auf Feldern. Nitrat ist eine chemische Verbindung von Stickstoff und Sauerstoff. Im EU-Vergleich weist das Grundwasser in Deutschland den zweithöchsten Nitratgehalt nach Malta auf. 

Die Nitratbelastung ist aber auch von der Region und vor allem vom Boden abhängig. Löss-Lehm-Böden, die es zum Beispiel im Schwalm-Eder-Kreis sowie rund um Hofgeismar und Wolfhagen vorrangig gebe, seien "gute Böden", sagt der Sprecher des Hessischen Bauernverbands. In diesen Böden gelange weniger Nitrat ins Grundwasser als beispielsweise auf Sandböden oder Verwitterungsböden.

Die deutschen Verbraucher müssen mehr für sauberes Wasser bezahlen. Die Trinkwasserpreise sind in den vergangenen elf Jahren um 17,6 Prozent gestiegen. Die Grünen geben den Landwirten eine Mitschuld, weil sie zu viele Düngemittel einsetzen.  Auch der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft fordert eine Änderung der Düngepraxis. Bauernverbände lehnen das ab und verweisen auf die bereits hohen Auflagen für Trinkwassergebiete. 

"Wie in vielen anderen Lebensbereichen gilt auch hier: Es kommt auf die Menge an", sagt Walter Hollweg, Sprecher der Landwirtschaftskammer Niedersachsen. Wenn zu viel Gülle ausgebracht werde, also deutlich mehr, als die Pflanzen aufnehmen können, sei nicht auszuschließen, dass Nährstoffe ins Grundwasser gelangen. "Bauern ermitteln aber sehr genau, wieviel Gülle sie ausbringen können", sagt Hollweg. Die Mengen, die ausgebracht werden dürfen, seien gesetzlich geregelt.

Was besagt die Gülle- und Düngeverordnung? 

Durch die neue Düngeverordnung, die seit dem 2. Juni 2017 in Kraft ist, gelten bereits strengere Auflagen für den Einsatz von Gülle in der Landwirtschaft. 

So darf zum Beispiel in überschwemmten Gebieten oder auf sehr feuchtem Boden nicht mit Stickstoffen oder Phosphaten, sprich mit Gülle gedüngt werden. Landwirte müssen unter anderem den Bedarf an Nährstoffen, die Qualität des Bodens und das Ertragsniveau der vergangenen drei Jahre berücksichtigen. Außerdem gibt es Auflagen für den Mindestabstand zu Gewässern. 

Wird in der Landwirtschaft zunehmend Gülle eingesetzt?

In Hessen sei in den vergangenen Jahren weniger Gülle produziert worden, weil die Tierbestände zurückgegangen seien, sagt Bernd Weber vom Bauernverband Hessen. „Der Gülleanfall in Hessen ist niedriger als in Niedersachsen oder Westfalen", sagt Weber. Allerdings importieren Landwirte auch Düngemittel aus anderen Regionen. 

Die Böden in einigen Regionen Niedersachsens sind hingegen stärker mit Gülle belastet. Laut dem Nährstoffbericht der niedersächsischen Landwirtschaftskammer überschreiten sieben Landkreise die Obergrenze für Stickstoff und Phosphat. Dabei sind vor allem Landkreise im Nordwesten Niedersachsens betroffen. Die Landkreise Northeim und Göttingen liegen demnach unter der zulässigen Obergrenze. 

Anwohner in ländlichen Regionen beschweren sich zum Teil über den Gestank, der durch den Einsatz von Gülle entsteht. "Das Landleben hat seine Vorzüge, aber zum Landleben gehört auch dazu, dass es nach Tieren riecht", sagt Weber. Außerdem müssten die Anwohner nur an einigen Tagen oder Wochen im Jahr den unangenehmen Geruch ertragen. „Wenn wir in der Region keine Tierhaltung zulassen, dann haben wir keine Lebensmittel aus der Region", sagt Weber. 

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