Größtes Motorradwerk Europas

Besuch in Berlin: Hier baut BMW Motorräder im Minutentakt

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Motorradmontage: Die Produktion im BMW-Werk in Berlin ist hochmodern. Dennoch ist viel Handarbeit gefragt. 

Berlin. In Berlin steht das größte Motorradwerk Europas und eines der modernsten weltweit. Dort baut BMW Zweiräder, aktuell 26 Modelle in vielen Ausstattungsvarianten.

Die Maschinen gehen in alle Welt. 82 Prozent der Berliner Jahresproduktion wurden im vergangenen Jahr exportiert – in 130 Länder. In einem schrumpfenden Markt legen die Bayern seit Jahren zu, allein 2017 Jahr um gut 27 Prozent auf 185 680 Motorräder. Davon kamen gut 30 000 aus kleineren Werken in Indien, Brasilien und Thailand.

Fertigungstiefe

Die Fertigungstiefe ist beeindruckend. In Berlin werden Motoren und Komponenten produziert, in geringem Umfang auch für BMW-Pkw, Rahmen und Tanks und schließlich zu kompletten Motorrädern montiert. Das gesamte Logistik- und Produktionssystem ist hochgradig vernetzt. Gefertigt wird fast ausschließlich nach Auftragseingang, wobei unterschiedliche Modelle über dieselbe Montagelinie laufen. Das Werk beschäftigt 2100 feste Mitarbeiter und bis zu 300 Zeitarbeiter.

Komponentenfertigung

Die computergesteuerten Bearbeitungszentren laufen Tag und Nacht: Es wird gedreht, gefräst, gebohrt, gehärtet, vormontiert und immer wieder mit Hightech-Anlagen gemessen. Im Sekundentakt laufen Motorblöcke, Zylinderköpfe, Kurbelwellen, Pleuelstangen und andere Teile aus den Anlagen. Mittels ausgeklügelter Logistik wandern die Komponenten in ein Lager, wo sie für die Motorenfertigung kommissioniert werden.

Rahmenfertigung

In einer weiteren Halle im BMW-Werk im Stadtteil Spandau werden Rahmen sowie Alu- und Kunststofftanks für die Maschinen gefertigt und vor Ort mit wasserlöslichen Farben lackiert – teilweise in selbst entwickelten, umweltschonenden Verfahren.

Motorenproduktion

Die Herzstücke von BMW-Maschinen – vom Rollerantrieb über den Boxer bis zum Vier- und Sechszylinderaggregat – werden auf vier Montagelinien zusammengebaut. Wie von Geisterhand gesteuert bewegen sich selbstfahrende Wagen von Station zu Station. Dabei korrespondiert das Produktionssystem ständig mit den Chips der Mitarbeiterausweise, weiß also, wo welcher Monteur steht und fährt die Wagen auf die jeweils optimale Montagehöhe. Alles ist ergonomisch optimiert, gehoben wird fast nichts. Das erledigen Vorrichtungen. Bücken muss sich der Mitarbeiter nur, wenn etwas herunterfällt. Gesundheitsvorsorge wird bei BMW großgeschrieben. Jeder Arbeitsschritt wird überwacht und visualisiert. Wird eine Schraube zu fest angezogen oder vergessen, meckert das System so lange, bis der Fehler behoben ist.

Montage

Die Montage erfolgt nach zwei verschiedenen Produktionsverfahren. Ein Teil der Maschinen wird an riesigen, selbstfahrenden Deckenhaken montiert, ein anderer fährt langsam auf Wagen, die Induktionsschleifen im Boden folgen und anhalten, wenn Hindernisse im Weg sind. Die Reihenfolge der Mototrräder gibt der Vertrieb vor, nur die IT kennt den Produktionsfortschritt. Und immer wieder wird gemessen und kontrolliert.

Flüssigkeiten

Wenn die Motorräder fertig montiert sind, werden an Tankstellen die Flüssigkeiten eingefüllt: Motoröl, Brems- und Kühlflüssigkeit – natürlich für jedes Modell andere Mengen. Nur beim Sprit sind es einheitlich 3,5 Liter.

Endkontrolle

Auf eigens entwickelten Prüfständen werden die Maschinen auf Herz und Nieren geprüft. Jede Funktion wird von Mitarbeitern getestet.

Verpackung und Versand

Maschinen für das Inland und für Europa kommen in wiederverwendbare Transportkisten. Motorräder für Übersee kommen stabilere Holzkisten, die an Packstationen mit Kunststofffolie eingewickelt werden. Dann geht es per Lkw zu den Kunden und zu den Verschiffungshäfen.

Der Markt

BMW ist seit Jahren der weltweit einzige Volumenhersteller, der kräftig wächst. Wichtige Motorradmärkte sind neben Deutschland, Frankreich, Italien, Großbritannien, den USA und Japan zunehmend auch Schwellenländer.

Bis zu 800 Maschinen am Tag

Das BMW-Werk in Berlin setzt technologisch, aber auch arbeitsmedizinisch und ökologisch Standards. Nachfolgend einige interessante Zahlen.

20 Prozent beträgt der BMW-Anteil bei den Neuzulassungen über 500 Kubikzentimeter in Deutschland. Yamaha folgt mit zwölf, Harley Davidson und Honda erzielen je elf Prozent.

50 Farben stehen den 7 modernen, Computer-gesteuerten Lackierrobotern zur Verfügung. Sonderlackierungen und besonders filigrane Arbeiten führen nach wie vor gelernte Lackierer aus.

560Maschinen laufen im Jahresschnitt täglich von den Bändern. In Spitzenzeiten wie jetzt vor Beginn des Frühjahrsgeschäfts sind es sogar 800.

4000 Motorteile stellt die mechanische Bearbeitung täglich her.

7000 Teile werden täglich in der Lackiererei verarbeitet.

8333 Motorräder des Typs R 1200 GS wurden 2017 in Deutschland zugelassen. Damit ist diese Maschine das hierzulande mit Abstand beliebteste Zweirad und seit Jahren eines der meist produzierten weltweit.

16.000 Menschen besuchen das Werk jährlich.

155.620 Motorräder wurden dort 2017 produziert. Hinzu kamen gut 8000 komplette Sets für die Zweiradmontage in Brasilien und Thailand.

200.000 Einheiten sollen es im Jahr 2020 werden.

220.000 Quadratmeter groß ist das Werksgelände. Das entspricht der Fläche von 30 Fußballfeldern. 40 Prozent der Fläche ist bebaut.

1.000.000 Teile werden täglich im Logistikzentrum umgeschlagen. Sie stammen aus eigener Produktion oder von Zulieferern.

Werk gibt es seit 1772

Die ältesten Teile des BMW- Motorradwerks am Juliusturm in Berlin-Spandau entstanden 1772. Die Backsteinhallen, die unter Denkmalschutz stehen, waren einst Teil einer Gewehr- und Munitionsfabrik für die preußische Armee. Heute beherbergen sie modernste Produktionsanlagen. Später wurde das Gelände von den Brandenburgischen Motorenwerken (Bramo) übernommen. 1923 baute BMW sein ersten Motorrad in München, die R 32. 1939 übernahm BMW die Bramo und stellte Flugzeugmotoren her. 1949 begann BMW mit der Herstellung von Motorradkomponenten und der schrittweisen Verlagerung der Zweirad-Produktion nach Berlin. Das erste komplett dort gefertigte Zweirad verließ die Hallen 1969, eine R 60.1975 lief das eine millionste Motorrad vom Band, 2011 das zwei millionste.

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