Energieversorger-Debatte: Eon-Betriebsrat für Rückkehr zur alten EAM

+

Kassel. Der Betriebsrat der Eon Mitte AG spricht sich gegen eine Zerschlagung des Energieversorgers bei einer Rekommunalisierung aus. Das sagte der Vorsitzende des Gesamtbetriebsrats, Karsten Lenz.

Der Energiekonzern Eon hatte angekündigt, seinen Anteil von 73,3 Prozent an Eon Mitte verkaufen zu wollen. Die zwölf Landkreise in Nordhessen, Südniedersachsen, Ostwestfalen und Thüringen sowie die Stadt Göttingen, die Minderheitseigner sind, haben ein Vorkaufsrecht. Sie wollen den früheren kommunalen Energieversorger EAM (Elektrizitäts-Aktiengesellschaft Mitteldeutschland) auferstehen lassen.

Lesen Sie auch:

- Rückkauf von Eon-Mitte-Anteilen: Landräte wollen EAM auferstehen lassen

„Aus dieser Welt sind wir gekommen, und wir sehen darin eine gute Chance, dass unsere Arbeitsplätze so besser gesichert werden können“, sagte Lenz gegenüber der HNA. Erst im vergangenen Jahr war bei den Mitarbeitern in der Region die Angst umgegangen, als der Mutterkonzern angekündigt hatte, bis zu 10.000 Stellen abbauen zu wollen. Eon Mitte war davon zwar letztlich nicht betroffen. Die Suche nach Synergieeffekten und damit einem möglichen Arbeitsplatzabbau sei bei einem öffentlichen Arbeitgeber nicht so ausgeprägt wie im Konzern: „Das haben wir dann ein Stück weit besser in der Hand“, sagte Lenz.

Der 48-Jährige arbeitet seit 32 Jahren bei dem regionalen Energieversorger – zunächst bei EAM und seit der Privatisierung 2005 bei Eon Mitte. Seit fünf Jahren ist er Vorsitzender des Gesamtbetriebsrats und Mitglied des Aufsichtsrats. Lenz geht davon aus, dass die Verhandlungen um den Verkauf der Eon-Anteile bis zu einem Jahr dauern werden.

Aus den Erfahrungen der Vergangenheit wünscht er sich aber die Rückkehr zum alten kommunalen Versorgungsverbund. Damit könnten auch die Herausforderungen der Energiewende besser gemeistert werden als von einem gewinnorientierten Konzern wie Eon. Lenz warnt allerdings davor, Eon Mitte bei der Rekommunalisierung in mehrere kleinere Versorger zu zerschlagen. Das wäre ein Rückschritt vor die Zeit von EAM. „Wir sind damals entstanden, weil kleine Gemeindewerke den Netzbetrieb nicht mehr allein stemmen konnten“, sagt Lenz. (mcj)

Eon will sein regionales Geschäft neu ordnen. Neben Eon Mitte will der Konzern auch die Anteile an zwei weiteren Regionalgesellschaften (Thüringer Energie und Westfalen Weser) verkaufen. Unabhängig davon bereiten einzelne Kommunen in der Region bereits seit Längerem vor, das lokale Stromnetz wieder in die eigene Obhut zu nehmen. Im nördlichen Schwalm-Eder-Kreis wollen neun Städte und Gemeinden die Leitungen zurückkaufen, die derzeit von Eon Mitte verwaltet werden. Dafür wollen sie noch in diesem Jahr die neue Netzgesellschaft Enerkom gründen, sagte Mario Gerhold, Bürgermeister von Körle und Sprecher der neun Kommunen. Sie wollen 51 Prozent der neuen Netzgesellschaft halten. Für die restlichen 49 Prozent wird ein Partner gesucht. Im Gespräch sind Eon Mitte, die Städtischen Werke Kassel und Energie Waldeck-Frankenberg. (mcj)

Das könnte Sie auch interessieren

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.