Japans Autokonzern liebäugelt mit Fiat – Volkswagen: Kooperation kommt nur langsam voran

Beziehungsknatsch mit Suzuki

Es kriselt zwischen Suzuki und Volkswagen: Patriarch Osamu Suzuki (links) missfällt es, wie VW-Vorstand Martin Winterkorn die Beteiligung in der Bilanz des Autokonzerns führt. Foto: dpa

Wolfsburg/Kassel. Es kriselt in der Beziehung zwischen Europas größtem Autokonzern Volkswagen und dem japanischen Kleinwagenbauer Suzuki. „Wir denken, dass wir wieder auf null zurückgehen müssen – auch was die Beteiligungsverhältnisse angeht“, sagte Yasuhito Harayama der Nachrichtenagentur Reuters vergangene Woche. Als Manager bei Suzuki ist er für die Beziehungen zu VW zuständig.

„Die Kooperation kommt langsamer voran, als zunächst erwartet“, sagt Michael Brendel, Sprecher des Wolfsburger Autobauers. Nach wie vor folge die 19,9-prozentige Beteiligung, die VW Ende 2009 eingegangen ist, einer „industriellen Logik“. Projekte gibt es bislang nicht, bestätigte Brendel am Montag.

1,7 Milliarden Euro war VW der Anteil an Suzuki wert. Die Kleinwagenexpertise machte den Reiz der Beteiligung aus, sowie die Bedeutung der Japaner im asiatischen Markt, vor allem in Indien. Dort verkaufen die Japaner rund eine Million Fahrzeuge; mit der Marke Maruti ist Suzuki Marktführer. Suzuki kaufte damals im Gegenzug für 850 Millionen Euro VW-Aktien. Fortan war man über Kreuz verbandelt.

Doch während Volkswagen stets die Unabhängigkeit beider Konzerne betont, scheint Suzuki als kleinerer Partner daran zu zweifeln. So stieß den Japanern bitter auf, dass VW die Beteiligung in der Konzernbilanz als at-Equity berücksichtigt, was möglich ist, wenn ein maßgeblicher Einfluss besteht. In japanischen Ohren klingt dies nach Beherrschung.

Seitdem melden sich die Kritiker aus Japans viertgrößtem Autokonzern öfter zu Wort. „Wir können nur zusammenarbeiten, wenn wir gleichberechtigte Partner sind“, sagte Harayama und betonte, es gebe noch andere Autohersteller, die bereit seien, sich auf der Basis gleichberechtigter Partnerschaften zusammenzutun. Suzuki kooperiert bereits mit Nissan, Mazda, Opel und Fiat.

Noch ein Affront

Als sollte den Worten mehr Gewicht verliehen werden, wurde Ende Juni die Verbindung zu Fiat mit einem neuen Vertrag verstärkt. Ab 2013 soll Fiat Suzuki mit 1,6-Liter-Dieselmotoren beliefern – Motoren, die auch VW hat.

Anfang Juli wetterte Suzuki-Patriarch Osamu Suzuki (81) in einem Blog der japanischen Zeitung „Nikkei“, Suzuki habe nach Prüfung der VW-Technologien „nichts gefunden, was das Unternehmen umgehend haben will“, zitiert die Börsen-Zeitung. Dabei ging es für Suzuki bei der Kooperation um den Zugang zu Technologien wie Hybridmodelle.

Dass sich Suzuki offenbar Fiat zuwendet, dürfte ein Affront für VW sein. Denn Fiat ist ein direkter Konkurrent. Doch ohne Projekte verkommt das Engagement von VW mittlerweile zur finanziellen Beteiligung.

Wenn Suzuki aber das VW-Engagement auf null gestellt haben möchte, dann müsste das Management auch einen Käufer für das Wolfsburger Paket in petto haben. Fiat eignet sich nur bedingt – er integriert gerade die letzten Anteile des angeschlagenen US-Autobauer Chrysler für etliche Millionen.

Von Martina Wewetzer

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