Kommunen können sich bei Energieversorger einkaufen – Poker um Stromnetz

Eon bietet Beteiligung an

Anpacken bei Eon: Im Kampf um den Verbleib seiner Netze macht das Unternehmen Zugeständnisse an Kommunen. Das Bild zeigt zwei Elektroniker für Betriebstechnik. Foto: Eon/NH

Kassel. Im Verhandlungspoker um den Verkauf der Stromnetze umwirbt die Eon Mitte AG die Kommunen und bietet ihnen dabei eine direkte Beteiligung an dem Regionalversorger an.

Die Unternehmensmutter, die Eon Energie AG (München) sei bereit, ihren Anteil von 73,3 Prozent bis auf eine Mehrheit von knapp über 50 Prozent zurückzufahren, sagte der Vorstandsvorsitzende der Eon Mitte AG, Henrich Wilckens, am Montag in Kassel. Die jetzigen kommunalen Aktionäre, zwölf Kommunen und die Stadt Göttingen, denen 26,7 Prozent des Regionalversorgers gehören, hätten jedoch ein Vorkaufsrecht, wenn Eon Energie Aktien abgibt. Bis 2002 waren sie Mehrheitseigner der Eon-Vorgängerin EAM.

Ende kommenden Jahres laufen in 211 Kommunen die Konzessionsverträge aus, mit denen die Gemeinden Eon Mitte gegen Gebühren eine Art Wegerecht für das Leitungsnetz einräumen. Die Kommunen haben nun die Möglichkeit, die Netze zurückzukaufen. Fiele der Eon-Netzverbund auseinander, würde das die Infrastruktur und Versorgung des Energieunternehmens stark schwächen.

Eon Mitte will Städte und Gemeinden deshalb zum Bleiben bewegen. 31 Strom- und zehn Gaskonzessionsverträge seien bereits neu abgeschlossen worden, sagte Wilckens. Das entspreche beim Strom etwa 24 Prozent der Netzkunden und 26 Prozent des Absatzes. Die Verhandlungen mit wichtigen Kommunen seien aber noch nicht abgeschlossen.

Dabei macht der Versorger Zugeständnisse: So können die Kommunen die neuen, über 20 Jahre laufenden Verträge kündigen. Außerdem will Eon die Konzessionsabgabe – 2009 waren es 41 Millionen Euro – nun mit monatlichen Abschlägen statt halbjährlich überweisen.

Gleichzeitig drängt Eon Mitte in Gebiete, die an das eigene Netz angrenzen oder Gemeinden, in denen sich Netze zweier Versorger „treffen“.

Dabei wird das Geschäft mit Strom komplizierter: 4650 Anträge für den Anschluss von Anlagen, die erneuerbare Energien produzieren wurden im ersten Halbjahr 2010 bei Eon Mitte gestellt, sagt Vorstandsmitglied Thomas Weber, fast doppelt so viele wie in Vorjahresfrist.

Bis zum Jahresende könnten es 9000 Neuzugänge geben. Dann würden fast 30 000 Anlagen Strom liefern, die meisten aus Solaranlagen. Das Netz stoße an seine Grenzen, hohe Investitionen seien notwendig. 60 Beschäftigte kümmern sich um die Einspeisung erneuerbarer Energien, ihre Zahl soll auf gut 100 wachsen.

Eon Mitte beschäftigt 1270 Menschen, 800 davon im Netzbetrieb. Der Gas- und Stromabsatz sank 2009 wegen der schwachen Konjunktur leicht. Dass der Umsatz trotzdem um 6,7 Prozent auf knapp 541 Millionen Euro stieg, lag an der erhöhten Umlage für Strom aus erneuerbaren Quellen. Der Gewinn von 50,4 Mio. Euro ist mit dem Vorjahr nicht vergleichbar, das durch hohe Rückstellungen und Sonderlasten geprägt war.

Von Barbara Will

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