Der Super-8-Film brachte Bewegung für viele auf die Leinwand – Fans halten ihm bis heute die Treue

Als die Bilder wortlos ratterten

Urvater: Der Kodachrome-Film wurde 70 Jahre produziert, als Super-8-Film von 1965 bis 2005. Er ist sehr archivfest.

Heute kann jeder mit einem Mobiltelefon Filme drehen und mit kaum faustgroßen Kameras Kinoqualität erzeugen, die sich sofort ansehen und weltweit versenden lässt.

Jahrzehntelang zuvor war an so etwas gar nicht zu denken - nur wenige konnten sich die teuren Filmkameras und Filme leisten und die Vorführungen mit dem ratternden Projektor waren meistens nach 3 Minuten und 20 Sekunden vorbei. Denn so lange dauert ein Super-8-Film, mit dem Generationen von Hobbyfilmern vor allem ihre Urlaube festhielten.

Meine erste Schmalfilm-Begegnung hatte ich 1969, als unser Lehrer den Schulkarneval filmte. Da hopsten wir Knirpse in Cowboy- und Prinzessinnenkostümen in zuckenden und ruckelnden Bildern über die Leinwand, und waren sprachlos. Denn es fehlte der Ton, begleitet wurde das Geschehen nur vom lauten Rattern des Projektors. Weil der Lehrer später fortzog, habe ich den Film nie wieder gesehen.

Der Bewegtfilm war, anders als die Fotografie, immer ein Nischenhobby für Menschen mit Geld und Geduld. Der 1889 erfundene Kinofilm und seine Amateurversionen, (siehe Hintergrund), wurden erst durch die Einführung der Super-8-Filmkassette 1965 massentauglich.

Die Bilder waren zwar weniger scharf als zuvor bei Normal 8, weil die Filmandruckplatten in der Kamera wegfielen, aber das narrensichere Filmwechseln per Kassette machte das Filmeinfädeln überflüssig. Wenig später gab die Tonfilmkassette mit Magnetspur den Streifen eine Sprache – ohne umständliche Extrageräte und penibles synchronisieren. Bis dahin hatte man im günstigsten Fall vom Plattenspieler die Capri-Fischer zum Italienurlaub eingespielt.

Wer etwas mehr investierte, der konnte mit seiner Normal-8- oder Super-8-Kamera mit einem Knopfdruck Zeitlupen oder Zeitraffer filmen oder Trickfilme per Einzelbildaufnahme drehen. Ganz feudale Modelle besaßen Überblendmöglichkeiten, Belichtungsautomatik, zwölffache Zoomobjektive oder nahmen sogar bei Kerzenlicht noch auf. Engagierte Filmer schnitten in wochenlanger Arbeit aus vielen 15-Meter-Spulen abendfüllende Filme zusammen und bestritten damit Wettbewerbe.

Den Höhepunkt erlebte die Schmalfilmbegeisterung Ende der 1970er Jahre, als sich über 130 verschiedene Super-8-Kameramodelle auf dem Markt tummelten. Besseres Filmmaterial hatte das Format gerade zur akzeptablen Konkurrenz zum 16-mm-Film der Reportage- und Fernsehfilmer gemacht, da tauchten um 1980 die ersten transportablen Videokameras auf. Der Niedergang des Schmalfilms setzte ein, etliche Filmkamerahersteller machten pleite, der Filmmarkt lag am Boden.

Doch Totgesagte leben länger: In der Skater-Szene gibt es einen Super-8-Boom und bei Youtube feiern zahlreiche Beiträge den besonderen Flair des körnigen, ruckelnden Filmbildes. Die Firma Kodak hat gerade einen neuen Super-8-Film auf den Markt gebracht.

Von Thomas Thiele

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