Trout GmbH hat ein Gerät für Diabetiker entwickelt – Es liefert permanent Daten

Blutzucker stets im Blick

Noch verkabelt: Andreas Völkel (links) und Geschäftsführer Martin Bussas führen den Prototypen vor. Am Ende soll das Gerät kleiner und ohne Kabel sein (siehe Grafik). Vorn liegt eine herkömmliche Ausrüstung zur Messung des Blutzuckers. Foto: Köppe

Kassel. Eine Armbanduhr, die statt der Uhrzeit den Blutzuckerspiegel anzeigt – mit ihrem Produkt Niva B will die Kasseler Trout GmbH bald den Markt der Blutzuckermessgeräte erobern.

„Eigentlich haben wir einfach nur viel Spaß an Technik“, sagt Geschäftsführer Hartmut Fischer. Dagegen gehören Betriebswirtschaft und Design nicht zu den Stärken der Chemiker, Physiker, Ingenieure, Informatiker und Mathematiker, die für Trout arbeiten.

So ist das Messgerät bisher noch grau und groß, zu Versuchszwecken wurde das Display aus einem alten Game Boy eingebaut. Das alles soll sich mit der Vermarktung, die vielleicht schon im nächsten Jahr startet, ändern. Und Fischer verspricht, dass dieses Gerät weltweit den Markt für Blutzuckermessgeräte auf den Kopf stellen werde.

Nur noch selten ein Stich

Der große Vorteil der Innovation: Blutzucker-Patienten müssen sich nicht mehr mehrmals am Tag mit einer Nadel stechen, um ihr Blut auf den Blutzuckergehalt zu überprüfen. Das sei unangenehm und führe im Laufe der Zeit zu Narben an den Fingern, erklärt Projektleiter Dr. Andreas Völkel. Vor allem Kinder leiden darunter. Außerdem birgt die kleine Wunde immer auch die Gefahr einer Infektion.

Mit dem neuen Gerät ist ein Stich nur noch alle 36 Stunden notwendig. Danach ist es auf den Patienten geeicht, wird an dessen Arm befestigt und misst permanent dessen Werte. Der Patient kann ständig mit Insulin oder Nahrungsmittel reagieren. Auf dem Markt werde Niva B ungefähr 300 Euro kosten, schätzt Fischer. Die bisherigen Geräte sind laut Völkel zwar mit ungefähr 20 Euro deutlich günstiger. Dafür müssen zusätzlich täglich etwa 3,50 Euro für Plättchen aufgewendet werden, auf die das frische Blut tropft.

285 Millionen Zuckerkranke gibt es weltweit laut der International Diabetes Federation, einer Organisation zur Erforschung von Diabetes. Es werden immer mehr. „Das ist insgesamt jährlich ein Sieben-Milliarden-Euro-Markt“, sagt Fischer und verspricht sich für das erste Verkaufsjahr von Niva B einen Umsatz von mindestens 100 Mio. Euro.

Seit 2004 arbeitet Trout an der Entwicklung von Niva B und damit so lange, wie es das Unternehmen gibt. Damals bestand es noch aus zwei Personen, heute sind es zwölf. 2008 betrug der Umsatz 1,4 Mio. Euro, 2010 voraussichtlich 1,8 Mio. Euro. In Niva B sind bisher 900 000 Euro investiert worden. Neben teuren Produktentwicklungen in der Medizintechnik und der Luft- und Raumfahrt, verkauft Trout etwa Prognosegeräte für Motoren an Rheinmetall.

Im Oktober war Trout in der Kategorie Neue Entwicklung für den Titel Hessen-Champion nominiert. Er wird an herausragende Unternehmen verliehen.

Von Dorothee Köppe

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