Flugverbot auch in Europa

Aus für Boeings "Dreamliner"

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Die Pannenserie bei Boeings "Dreamliner" reisst nicht ab.

Washington - Die unrühmliche „Dreamliner“-Saga geht weiter: Boeings Vorzeigeflieger muss nach einer Reihe von Pannen in den Vereinigten Staaten vorerst am Boden bleiben.

Die Luftfahrtbehörde FAA hat diese Anordnung für die in den USA registrierten Maschinen am späten Mittwoch in Washington erlassen. Als Grund nannte sie das Risiko eines Feuers durch die eingebauten Batterien.

Direkt vorausgegangen war eine Notlandung eines „Dreamliners“ in Japan, nachdem eine Batterie geschmort hatte. Die beiden japanischen Fluglinien All Nippon Airways und Japan Airlines hatten daraufhin für Mittwoch und Donnerstag alle Flüge mit dem Langstreckenjet gestrichen. In der Vorwoche hatte eine Batterie eines am Boden stehenden „Dreamliners“ in Boston gebrannt.

Bislang hat Boeing 50 „Dreamliner“ ausgeliefert, die Hälfte davon ging nach Japan. In den USA fliegt bislang nur United Airlines das Modell und ist entsprechend von der FAA-Anordnung betroffen. Die sechs Maschinen dürften erst dann wieder abheben, wenn die Fluggesellschaft gegenüber der Luftfahrtbehörde nachgewiesen habe, dass die Batterien sicher seien, erklärte die FAA.

Das sind die sichersten Fluglinien der Welt

In dem JACDEC-Index werden nur Unfälle kommerzieller Unternehmen berücksichtigt, bei denen das Flugzeug zerstört oder nicht mehr reparierbar war oder bei denen es Todesopfer gab. © dpa
Sieben der 60 großen Airlines sind seit 30 Jahren unfallfrei, darunter auch Air Berlin. Die Fluggesellschaft  wurde 1979 gegründet un d zählt heute zu den sichersten Fluglinien. © dpa
Zu den sichersten Airlines gehört auch Finnair.  Das Unternehmen gibt es seit 1923. © dpa
Rang Nummer 3: Die portugisische TAP Air. Die Fluglinie existiert seit 1945. © wikipedia commons
Genauso gut stehen auch die 1922 gegründete australische Qantas Qantas Airways gibt es seit 1922. In der JACDEC-Bilanz taucht übrigens der beschädigte Airbus A380 der Qantas, bei dem ein Triebwerk nahe Singapur explodierte und zu schweren Schäden an der Tragfläche führte, nicht auf. © dpa
Qantas Airways
Denn die Australier konnten die europäische Riesenmaschine für rund 50 Millionen Euro wieder reparieren. Das Flugzeug war ja kein Totalverlust. © dpa
Cathay Pacific Airways
Cathay Pacific Airways aus Hongkong zählt auch zu den sichersten Fluglinie der Welt. Es gibt sie seit 1946. © dpa
All Nippon Airways
All Nippon Airways (ANA):  Der japanische Flug-Anbieter wurde 1953 gegründet. © dpa
Emirates Airline - d as Unternehmen ist 1985 gegründet worden. Seitdem ist kein schwerer Unfall passiert. © dpa
Die Deutsche Lufthansa mit der Ranking-Note 0,005 nimmt lediglich den 21. Platz ein. Ein Unfall in den vergangenen 30 Jahren. 1993 starben bei einem Unfall mit einem Lufthansa-Flieger zwei Menschen. © dpa
Das 1991 gegründete Unternehmen EVA Air belegt den 10. Platz der sichersten Flugzeuge der Welt. © wikipedia commons
Virgin Blue fliegt auf Rang 13. Die Firma wurde 2000 gegründet und ist seit neuen Jahren ohen Flugezugverlust. © wikipedia commons
Etihad Airways gibt es erst seit 2003. Seitdem hat die Fluglinie aber keine nennenswerte Unfälle produziert. © dpa
EasyJet: Gegründet wurde die Firma 1995, und seitdem ist die Fluglinie unfallfrei. © dpa
West Jet Airlinesn belegt den 16. Platz der sichersten Fluglinien der Welt. Das Unternehmen wurde 1996 gegründet. © wikipedia commons
Auf Rang 17 ist JetBlue Airways gelandet. Das Unternehmen ist im Jahr 2000 gegründet worden. © wikipedia commons
Der bislang letzte Unfall eines British Airways-Fleigers ist erst ein Jahr her. Gestorben ist niemand. Daher nur Platz 18 der sichersten Fluglinien der Welt. © dpa
Auch die Royal Dutch Airlines KLM verzeichnen einen Unfall in den vergangenen 30 Jahren. Dabei ist niemand gestorben, und seit fünf Jahren ist das Unternehmen wiederum unfallfrei. © dpa
El Al Airways gehört ebenfalls zu den sichersten Fluglinien der Welt. Gegründet: 1948. © wikipedia commons
Virgin Atlantic Airways. Die Frima wurde 1984 gegründet und ist seit 25 Jahren unfallfrei. © wikipedia commons
Auf Rang 12: Qatar Airways. 1994 ging das Unternehmen an den Start, seit 15 Jahren ist es unfallfrei. © dpa
Hainan Airlines wurde 1993 gegründet. Das Unternehmen belegt Rang elf. © dpa
TAM
Auf den letzten Plätzen unter den 60 großen Fluggesellschaften rangieren vier asiatische und zwei südamerikanische: Schlusslicht ist die brasilianische TAM mit der Ranking-Note 1,397, die seit 1980 sechs Unfälle mit insgesamt 336 Toten erlitt. © dpa
Saudi Arabian Airlines
Saudi Arabian Airlines: Saudi Arabian Airlines (Note 1,030) mit vier Unfällen und 611 Toten. © dpa
Die schon 1933 gegründete Turkish Airlines - jahrelang Schlusslicht dieser Bilanz - ist auf den 53. Rang vorgerückt. Ihr letzter schwerer Unfall liegt mittlerweile 16 Jahre zurück. Und auch internationale Experten bescheinigen Turkish Airlines mittlerweile, gründlich umstrukturiert worden zu sein und in punkto Sicherheit und Zuverlässigkeit enorme Fortschritte gemacht zu haben. © 

Die FAA will nun mit Boeing und den Fluggesellschaften zusammenarbeiten, um schnellstmöglich eine Lösung für das Batterieproblem zu finden. Das könnte aber nicht ganz einfach werden: Das hochmoderne Flugzeug ist mehr noch als ältere Modelle auf Strom angewiesen. Viele hydraulische Systeme wurden durch Computersteuerungen ersetzt.

Bei den Batterien handelt es sich nach FAA-Angaben um Lithium-Ionen-Akkus. Dieser Typ wird auch in Handys, Digitalkameras oder Notebooks eingesetzt, weil er auf kleinen Raum viel Strom speichern und lange halten kann. Jedoch gab es auch bei diesen Elektronikgeräten immer wieder Fälle brennender oder schmorender Batterien.

Beim „Dreamliner“ würde den Gründen für die Brandgefahr bei den Batterien gerade nachgegangen, erklärte die FAA. Sie hatte erst in der vergangenen Woche eine weitreichende Untersuchung vor allem der elektrischen und mechanischen Systeme gestartet, nachdem sich die Pannen gehäuft hatten. Die leichten Verbundwerkstoffe, aus denen der „Dreamliner“ besteht, machen dagegen bislang keine Probleme.

Die FAA erklärte, andere Flugaufsichtsbehörden weltweit zu informieren, damit auch diese Maßnahmen ergreifen könnten. US-Experten sind zudem bereits unterwegs nach Japan, um den dortigen Pannenflieger unter die Lupe zu nehmen.

Auch Europas Luftsicherheitsbehörde untersagt „Dreamliner“-Flüge

Auch die europäische Luftsicherheitsbehörde EASA untersagt vorerst alle Flüge mit dem „Dreamliner“. Damit schließen sich die Aufseher den Vorgaben der US-Luftfahrtbehörde FAA an, wie ein Sprecher der EASA am Donnerstag in Köln sagte. Dem vorausgegangen waren Probleme mit dem Batteriesystem, die eine Maschine von All Nippon Airways am Mittwoch wegen Rauchentwicklung an Bord zur einer Notlandung in Japan gezwungen hatte. Vor weiteren Starts müssten das Batteriesystem modifiziert oder andere Maßnahmen ergriffen werden. In Europa hat bislang nur die polnische Fluggesellschaft LOT „Dreamliner“ in Betrieb. Am Mittwoch hatte die Gesellschaft eine der Maschinen erstmals auf einen Langstreckenflug geschickt.

In Deutschland betreibt bislang keine einzige Fluggesellschaft den „Dreamliner“. Air Berlin hat aber 15 Stück bestellt. Tui Travel will 13 Maschinen abnehmen. Insgesamt liegen Boeing rund 800 Bestellungen für die jeweils etwa 200 Millionen Dollar teuren Flieger vor. Die Aktie des Airbus-Rivalen fiel nachbörslich um weitere 2 Prozent.

dpa

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