Ein fallender Euro und Kurse, die in den Keller rauschen, machen Unternehmen interessant für Übernahmen

Börse zwischen Sturm und Drang

Nachdenklich beobachtet am Freitag ein Frankfurter Händler das Geschehen an den Aktienmärkten. Erneut verlor der Leitindex Dax gestern an Wert. Foto: DPA

Frankfurt. An der Deutschen Börse in Frankfurt scheint derzeit nur eines sicher: Die hohe Anfälligkeit für Schwankungen wird die Indizes auch in der kommenden Woche fest im Griff haben: Börse zwischen Sturm und Drang. Gestern fuhr der Dax Achterbahn, verlor in der Spitze wie am Vortag fast drei Prozent, notierte aber um 17.30 Uhr 5818 Punkten, 0,84 Prozent weniger als am Vortag.

Dabei pendelte der Leitindex Dax irgendwo zwischen der Hoffnung auf Gewinnsteigerungen und der Sorge vor einem deutlichen Rückfall der Weltwirtschaft. Die Unsicherheit am Aktienmarkt drängte dabei den nach wie vor zuversichtlichen Ifo-Index in den Hintergrund: Der Geschäftsklima-Index war von 101,6 auf 101,5 Punkte gefallen, doch der weiterhin hohe Stand deutet auf eine Fortsetzung der Erholung hin. „Der kleine Rückgang zeigt an, dass die hohe Dynamik der Entwicklung in den kommenden Monaten abnimmt“, hieß es in einem Börsenkommentar.

Zwar hat das deutsche Nacht-und-Nebel-Verbot für Leerverkäufe zu einer Bereinigung des Aktienhandels geführt, aber nach wie vor bewerten Analysten den Trend zu den Haushaltskonsolidierungen als einen größeren Risikofaktor für das Wachstum.

Rohstoffpreise fallen

Abzulesen ist der abgebremster Wachstumsglaube bereits an den Konjunkturindikatoren Rohstoff: Der Rohölpreis für ein Barrel (159 Liter) gab in den letzten Wochen um zehn Dollar nach. Gestern notierte er bei 69,34 Dollar (55,34 Euro). Nickel, Aluminium oder Platin – alles Rohstoffe, die als Konjunkturindikatoren taugen, wurden billiger, obwohl die Sparpakete der Regierungen noch nicht greifen.

Dennoch: Trotz der Verluste der vergangenen Tage kommt der Dax bislang glimpflich davon – seit seinem 52-Wochen-Hoch verlor er 8,9 Prozent. Der Dow-Jones-Index hat 11,2 Prozent abgegeben, der Euro-Stoxx-50 rund 18,2 Prozent. Ein weiterer Pluspunkt am deutschen Aktienmarkt ist der hohe Anteil an exportorientierten Werten. Sie gelten derzeit als Gewinner des schwachen Euro. Die Euro-Schwäche werde den Export forcieren, ist die einhellige Meinung der Analysten und Händler. Zudem nahmen in den vergangenen Wochen die Aufträge der deutschen Industrie zu, während die Lohnstückkosten zurückgingen.

Unterbewertete Konzerne

Gefahr für deutsche Unternehmen droht aus ganz anderer Richtung. Investoren sind auf der Suche nach lukrativen Möglichkeiten, sich bei unternehmen einzukaufen. Ein fallender Euro und die zum Teil niedrigen Bewertungen der Aktien machen so manchen Dax-Konzern interessant. Auf den Einkaufslisten ganz oben dürften Unternehmen stehen, die einem hohen Anteil an Streubesitz haben. Sind die Unternehmen unterbewertet, steigt die Kauflust. Doch es geht auch anders herum: Der Chemiekonzern BASF hat aus seinen Übernahmeplänen in dieser Woche keinen Hehl gemacht. In den Schwellenländern will der Konzern durch Zukäufe wachsen.

Weltweit lägen die Bewertungen in einigen Branchen auf dem niedrigsten Stand seit 20 Jahren, meinen die Unternehmensberater von McKinsey. Nach ihrer Analyse gilt dies für die Branchen Gesundheit, Technologie, Medien, Telekommunikation, Handel und Konsumgüter, aber auch bei den Banken könnte sich etwas bewegen.

Von Martina Wewetzer

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