Börsenkurse auf Talfahrt: So funktioniert die Börse

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Die Börse bringt Angebot und Nachfrage verschiedenster Güter zusammen. Börsenkurse spiegeln die Preise bestimmter Waren wider.

Euro-Krise in Griechenland, Krieg in Libyen, Atom-Katastrophe in Japan – immer wieder sorgen aktuelle Ereignisse dafür, dass die Börsenkurse einbrechen. Wie funktioniert eigentlich die Börse? Und wie entstehen die Kurse? Hier einige Grundlagen für alle, die mitreden möchten.

Angebot und Nachfrage bestimmen die Börsenkurse

Eine Börse ist ein Ort, an dem Waren und Güter gehandelt werden, die nicht physisch vorhanden sind. Sie werden zum Beispiel in Form von Wertpapieren oder Devisen gekauft und verkauft.

Damit sie an einer Börse gehandelt werden können, müssen die Waren und Güter fungibel sein. Das bedeutet, dass sie nicht einzigartig, sondern vertretbar, also untereinander austauschbar sind. Die Fungibilität ist deshalb eine Voraussetzung, weil die Güter an der Börse nicht selbst „anwesend“ sind. Sie müssen exakt bestimmbar und untereinander beliebig austauschbar sein, ähnlich wie Geldstücke. Fungible Waren kann man nach Maß, Zahl oder Gewicht definieren. Zwei Beispiele:

  • Weizen ist fungibel, denn man kann einen Sack mit einem Kilogramm Weizen jederzeit durch einen anderen Sack ersetzen, der ebenfalls ein Kilogramm Weizen enthält. Der zweite Sack „vertritt“ dann den ersten. Fungibilität bedeutet also Vertretbarkeit.
  • Ein Kunstwerk, zum Beispiel ein Bild, ist nicht fungibel – es existiert nur ein einziges Mal, ist nicht beliebig austauschbar und nicht vertretbar.

Eine Börse bringt Angebot und Nachfrage zusammen und legt den Preis für Waren und Güter fest. Dieser Preis ist der Kurs. Die Börsenmakler berechnen ihn, indem sie die Ankaufs- und die Verkaufswünsche der Händler auswerten und daraus den Preis ermitteln, mit dem der größte Umsatz möglich ist. Da sich Angebot und Nachfrage ständig ändern, schwanken auch die Börsenkurse.

Eine Börse hat den Sinn,

  • die Kosten für die Transaktionen gering zu halten,
  • den An- und Verkauf effizient zu gestalten,
  • den Markt transparent zu machen und

Betrug zu verhindern.

Die wichtigste deutsche Börse ist die Frankfurter Wertpapierbörse (FWB). Weltweit stehen die bedeutendsten Börsen in New York, London, Tokio, Hongkong und Singapur. Der Handel wird überall von staatlichen Behörden kontrolliert. In Deutschland ist er gesetzlich geregelt und wird von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) überwacht.

Börsenkurse reagieren auf Politik und Wirtschaft

Börsenkurse sind empfindlich und reagieren sensibel und sehr schnell auf aktuelle Ereignisse. Positive wirtschaftliche oder politische Entwicklungen lassen sie in die Höhe schnellen, negative lösen einen Kurssturz aus. Ein Beispiel ist die derzeitige Krise in Griechenland: Frieren die Mitgliedstaaten der EU die Hilfszahlungen ein, senkt das den ohnehin bereits geringen Wert griechischer Staatsanleihen. Deshalb möchten viele sie schnellstmöglich verkaufen. Das löst eine Kettenreaktion aus: Je mehr Händler verkaufen, desto schneller fallen die Börsenkurse. Je schneller sie fallen, desto mehr Händler möchten verkaufen.

Ähnliches geschieht zum Beispiel nach Naturkatastrophen: Der nukleare GAU im japanischen Atomkraftwerk Fukushima I ließ die Börsenkurse sinken, weil die Anleger verheerende Folgen für die japanische Wirtschaft befürchteten. Nahrungsmittel aus Japan waren plötzlich wertlos. Das bewirkte drastische Kurseinbrüche an den Warenbörsen.

Börse ist nicht gleich Börse

Es gibt verschiedene Arten einer Börse. Sie definieren sich über die gehandelten Güter. Einige Beispiele:

  • An einer Waren- oder Produktbörse werden zum Beispiel landwirtschaftliche Erzeugnisse und Rohstoffe gehandelt, aber keine industriellen Produkte. Diese Art ist die älteste Form der Börse.
  • An Wertpapier- oder Aktienbörsen werden keine Waren, sondern nur Wertpapiere gehandelt. Aktienbörsen sind viel jünger als Warenbörsen. Heute sind sie mit Abstand die wichtigste Börsenart.
  • An einer Terminbörse werden Verträge geschlossen, deren Inhalt erst in Zukunft umgesetzt wird. Man kauft zum Beispiel eine Tonne Mais, die erst im kommenden Herbst geerntet wird.

Außerdem gibt es verschiedene Börsenformen:

  • An einer Präsenzbörse findet der sogenannte Parketthandel statt. Das bedeutet, dass die Händler physisch anwesend sind. Die berühmteste Börse mit Parketthandel ist die New York Stock Exchange, umgangssprachlich „Wall Street“.
  • Eine Computerbörse ist ein elektronisches Handelssystem, über das alle Transaktionen abgewickelt werden. Diese Form der Börse ersetzt immer mehr den klassischen Parketthandel.

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