Analyse: Deutsche-Bank-Chef Ackermann soll Aufsichtsratsvorsitzenden ablösen

Börsig ist aus dem Rennen

Frankfurt. Clemens Börsig steigt aus. Nach sechs Jahren als Chef des Aufsichtsrats der Deutschen Bank soll Börsig (62) den Platz für Josef Ackermann (63) räumen. Derzeit ist dieser noch Vorstand von Deutschlands größter Bank, mit der Hauptversammlung 2012 soll er Chef des Aufsichtsrats werden. So strebt es die Bank an.

Vielleicht wäre alles anders gekommen, wenn es Börsig gelungen wäre, die Nachfolge zu regeln. Nun ist das Verhältnis zwischen ihm und Ackermann belastet. Besonders seit 2009, als sich Börsig – einst Finanzvorstand – zum Nachfolger von Ackermann aufstellen wollte, ehe dieser seinen Vertrag bis 2013 verlängerte. Kritiker sagen dem Diplom-Kaufmann aus Mannheim nach, kein richtiger Banker zu sein. Dem Quereinsteiger fehle das Fingerspitzengefühl. Börsig arbeitete zuvor bei RWE, Bosch und Mannesmann.

Mit dieser Entscheidung der Bank „sollen das Wissen, die Erfahrungen und die Verbindungen von Herrn Dr. Ackermann auch in Zukunft für die Bank erhalten bleiben“, teilte Pressesprecher Ronald Weichert mit. Damit dies überhaupt möglich ist, will die Bank alles Erforderliche tun, um die rechtlichen Voraussetzungen sicherzustellen.

Ackermann und die Deutsche Bank brechen dafür ein Tabu: Seit 2009 verlangt das Aktiengesetz, dass zwischen Vorstandsmandat und dem Wechsel auf den Posten des Aufsichtsrats-Chefs zwei Jahren liegen sollen (Stichwort). Wenn aber 25 Prozent der Aktionäre der Hauptversammlung Ackermann vorschlagen, wäre es möglich.

Fachlich dürfte die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht keine Bedenken haben. Seit fast zehn Jahren führt der Schweizer aus Mels die Bank, sorgte über das Investmentbanking für Milliardengewinne und investierte Milliarden ins Privatkundengeschäft, als die Bank ein zweites Standbein brauchte.

Wie gut aber kann ein Aufsichtsrat die Arbeit des Vorstandes beurteilen, wenn er sie bis vor kurzem selbst geprägt hat? Im April hatte er gesagt, dass er seinen „Vertrag nicht verlängert und auch nicht in den Aufsichtsrat der Deutschen Bank wechselt“. Und: 2007 sagte er über sich, er sei ein schlechter Aufsichtsratschef. Er sei zu stark ins Geschäft involviert und zu ungeduldig.

Ob es diesem Vollblutbanker gelingt, die nötige Distanz zum Geschäft zu wahren, ist derzeit kaum vorstellbar. Das sollten all jene Aktionären bedenken, die sich gewünscht hatten, dass der Vorzeigebanker seinen Vertrag als Vorstand verlängert hätte.

Von Martina Wewetzer

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