Die Erdölförderung in Deutschland ist schwierig aber lohnend – die Kasseler Wintershall investiert

Bohren in Zwölf-Stunden-Schichten

Volker Riha

Kassel / Emlichheim. Leicht gibt der Boden seinen Schatz nicht her. Mit 300 Grad heißem Dampf holt der Kasseler Öl- und Gasproduzent Wintershall in Emlichheim das dort zähe Rohöl aus der Erde. „Der Bohrbetrieb läuft Tag und Nacht“, sagt Betriebsleiter Volker Riha. Zehn Mitarbeiter verlangt eine solche Zwölf-Stunden-Schicht. Zwei Wochen am Stück schuften, zwei Wochen Freizeit, heißt ihr Rhythmus. 85 so genannte Pferdekopfpumpen tun auf dem Ölfeld ihren Dienst. „viel Personal brauchen wir dafür nicht mehr“, sagt der 44-Jährige. „Vieles läuft automatisiert.“ 65 Wintershaller arbeiten in der niedersächsischen Region an der Grenze zu den Niederlanden. Bis 2012 sollen dort 16 neue Bohrungen entstanden sein. Die erste von ihnen liefert bereits 20 Tonnen Rohöl pro Tag, das sind 146 Barrel (159-Liter-Fässer). Außerdem sollen in den nächsten fünf Jahren 13 Ablenkbohrungen an bestehende Bohrungen anschließen. 60 Millionen Euro wird Wintershall insgesamt investieren.

Die Tiefstände im Dezember 2008, als ein Barrel Rohöl zeitweise nur 37 Dollar, knapp 28 Euro, kostete, sind vorbei. Ein Barrel der Nordseesorte Brent wird gegenwärtig für rund 98 Dollar gehandelt. Doch die Förderung in Deutschland „würde sich auch lohnen, wenn der Ölpreis nur halb so hoch wäre wie jetzt“, sagt ein Branchenkenner. Die Fördermengen blieben von Januar bis Ende November 2010 nach Zahlen des Wirtschaftsverbandes Erdöl- und Erdgasgewinnung zwar mit 2,3 Mio. Tonnen um 10,7 Prozent hinter dem Vorjahreszeitraum zurück, aber die Suche ist intensiver geworden. Würde man alle Erkundungsbohrungen der ersten elf Monate 2010 aneinanderreihen, ergäbe sich eine Strecke von 17 Kilometern – gegenüber elf Kilometern im Vorjahr.

Auf 41,1 Mio. Tonnen beziffert das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie in Hannover die sicheren und wahrscheinlichen Ölreserven in Deutschland. Das größte Feld, Mittelplate im Wattenmeer, an dem Wintershall zu 50 Prozent beteiligt ist, fördert jährlich 1,5 Mio. Tonnen Öl. In Emlichheim sind es 140 000 Tonnen, genug, um 42 000 Häuser ein Jahr zu heizen. Die Förderung soll für mindestens 20 Jahre gesichert werden. Das dürfte auch die Länder freuen. Sie kassieren für Öl und Gas Förderabgaben. Niedersachsen strich mit 754,3 Mio. Euro 2009 die höchste Summe ein. Schleswig Holstein brachte es auf 76,4 Mio. Euro.

Von der heimischen Ölförderung von durchschnittlich drei Mio. Tonnen im Jahr stammt gut ein Drittel aus Wintershall-Bohrungen. Insgesamt deckt das inländische Öl nur drei Prozent des deutschen Bedarfs. Dafür gibt es einen Erfahrungsgewinn: „Das Wissen, das wir hier sammeln, setzen wir auch in anderen Ländern ein“, sagt Unternehmenssprecher Stefan Leunig.

Von Barbara Will

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