Bosch bedrängt SMA: Einstieg ins Geschäft mit Wechselrichtern geplant

Niestetal/Stuttgart. Der weltgrößte Autozulieferer Bosch will ins Geschäft mit Solarwechselrichtern einsteigen. Das bestätigte am Dienstag ein Sprecher auf Anfrage dieser Zeitung. Damit könnte dem Weltmarktführer SMA in Niestetal (Kreis Kassel) schon bald eine starke Konkurrenz im Inland erwachsen.

Bislang hält SMA einen Weltmarktanteil von gut 40 Prozent. Die vier nächstgrößten Anbieter Power One (USA), Fronius (Österreich), Kaco und Siemens (beide Deutschland) bringen es zusammen auf gut 30 Prozent. Den Rest des Marktes teilen sich viele kleine Hersteller.

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Wechselrichter sind die Herzstücke von Solaranlagen. Sie wandeln in Fotovoltaik-Anlagen gewonnenen Gleich- in netztauglichen Wechselstrom. SMA ist der einzige Anbieter, der vom kleinen Wechselrichter für Hausdachanlagen bis hin zu großen Schränken für Solarkraftwerke die gesamte Bandbreite anbietet. SMA sieht sich bei Wechselrichtern nicht nur als Weltmarkt-, sondern auch als Technologieführer.

Wann und wo die Fertigung aufgebaut werden soll, verrät Bosch nicht. Ebenso wenig werden Angaben zur Investitionshöhe gemacht. Produziert werden sollen hochwertige Geräte, die Bosch preiswerter anbieten will als die Konkurrenz.

Bei SMA gibt man sich derweil betont gelassen. Vorstandssprecher Pierre-Pascal Urbon glaubt nicht, dass die Bosch-Strategie erfolgreich sein wird. „Ich denke, dass es Bosch nicht gelingen wird, mit der Strategie vom Solarmodul über Komponenten bis hin zum Wechselrichter alles aus einer Hand anzubieten und einen signifikanten Marktanteil zu erreichen“, erklärte er. Mit diesem Versuch, seien bereits andere Hersteller gescheitert, sagte Urbon unter Hinweis auf den Solartechnik-Anbieter Conergy, der zunächst komplette Anlagen anbot und sich verzettelte.

Artikel aktualisiert um 17.55 Uhr.

Bei Bosch liegt der Fall allerdings anders. Der Konzern ist nicht nur Autozulieferer, sondern auch Elektronik-Spezialist. Er stellt unter anderem Wechselrichter für Elektroautos und andere Anwendungen her. Allerdings unterscheiden sie sich im Aufbau von Solarwechselrichtern.

Auch wenn SMA die Ankündigung mit Gelassenheit aufnimmt: Die Konkurrenz bei Wechselrichtern wächst und damit auch der Preisdruck. Erst vor eineinhalb Wochen haben die Niestetaler die Trennung von 1000 Zeitarbeitern bis Ende November angekündigt. Gleichzeitig senkten sie die Umsatzprognose leicht, die Ergebnisziele aber kräftig. Statt 315 bis 475 Mio. Euro Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) erwartet das Unternehmen für 2011 nur noch 220 bis 300 Mio. Euro. Die Ebit-Marge, also das Verhältnis von Vorsteuergewinn zum Umsatz, sinkt demnach von 26,9 Prozent auf 14,7 bis 17,6 Prozent.

Bosch setzte 2010 mit 276 000 Mitarbeitern fast 47,3 Milliarden Euro um und verdiente unterm Strich 2,5 Mrd. Euro. SMA setzte mit 6000 Beschäftigten gut 1,9 Mrd. Euro um und erzielte einen Reingewinn von 365 Mio. Euro.

Von José Pinto

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