Bosch: Vision führte zu großem Erfolg

Inzwischen ist Bosch der größte Automobilzulieferer weltweit. 1925 erfolgte die Scheinwerfer-Montage wie hier im Lichtwerk Feuerbach, einem heutigen Stadtbezirk von Stuttgart, noch ohne Fließbänder. Fotos:  Robert Bosch GmbH

Kassel. Heute vor 150 Jahren wurde in Albeck bei Ulm einer der größten deutschen Industriellen geboren: Robert Bosch. Doch nicht nur der Visionär feiert dieses Jahr runden Geburtstag. Auch die von ihm am 15. November 1886 in Stuttgart eröffnete „Werkstätte für Feinmechanik und Elektrotechnik“ - heute Bosch GmbH - besteht seit 125 Jahren.

Gemeinsam mit zwei Mitarbeitern baute und installierte Bosch anfangs Geräte wie Telefonanlagen oder elektrische Klingeln. Als ein „böses Gewürge“ bezeichnete der Industrielle später die Jahre als Jungunternehmer. Zufrieden gab sich der Ulmer damit nicht: 1897 gelang ihm der erste Schritt zum größten Autozulieferer der Welt. Er adaptierte einen Magnetzünder an einen Kraftfahrzeugmotor. Damit löste Bosch eines der größten technischen Probleme der Automobiltechnik. Denn durch den vom Magnetzünder erzeugten elektrischen Funken wird ein Gasgemisch im Zylinder eines Verbrennungsmotors gezündet und damit das Auto gestartet.

„Damit haben sie den Vogel abgeschossen“, soll Bosch vier Jahre später im eigenen Fabrikgebäude in Stuttgart zu Entwickler Gottlob Honold gesagt haben. Gemeint war dessen Erfindung eines Hochspannungs-Magnetzünders mit Zündkerzen. Die Weichen für weitere automobile Meilensteine wie die Beleuchtungsanlage Bosch-Licht (1913), das Autoradio (1932), die Diesel-Einspritzpumpe für Pkw (1936), das UKW-Autoradio (1952), das Antiblockier-System (1978), das Elektronische-Stabilitätsprogramm ESP (1995) oder den Einparkassistenten (2005) waren gestellt.

Robert Bosch: Ein Automobilzulieferer feiert 125-jähriges Bestehen

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wuchs das Unternehmen. Bosch eröffnete die ersten internationalen Vertretungen in Großbritannien, Frankreich und Österreich-Ungarn. Doch mit den Weltkriegen wurden die Zeiten auch für den Autozulieferer schwierig.

Umstellung auf Fließband

Die Produktion wurde für das Militär umgestellt. Als 1925 der europäische Automarkt einbrach, und Bosch von 13 000 Mitarbeitern 5000 entlassen musste, war Handeln gefragt. Visionär Robert Bosch stellte auf Fließbandproduktion um, und erweiterte seine Geschäftsfelder. So bot Bosch ab 1928 als erstes Elektrowerkzeug einen Haarschneider und ab 1933 Haushaltsgeräte an.

Auch nach dem Tod von Gründervater Robert Bosch 1942 war die Entwicklung der Bosch GmbH nicht aufzuhalten. Selbst nachdem große Teile der Werke 1945 in Schutt und Asche lagen, ging die Erfolgsgeschichte weiter. In Folge des weltweit hohen Wirtschaftswachstums ab den 1960-er Jahren und der Vollbeschäftigung in Deutschland warb Bosch Gastarbeiter aus Südeuropa und eröffnete neue Standorte. Auch neue Bereiche wie die Verpackungsmaschinentechnik kamen hinzu.

Inzwischen ist Bosch auch dort weltweit führend. Doch auf den Lorbeeren aus 125 Jahren ruht sich das Traditionsunternehmen nicht aus: Mit der Übernahme des deutschen Solarzellenherstellers Ersol 2008 wurde ein Schritt in Richtung Erneuerbare Energien gemacht. Auch der Kraftfahrzeugtechnik bleibt Bosch treu: 2010 kam das erste Hybridfahrzeug mit Bosch-Antrieb auf den Markt.

Hintergrund: Umsatz um 24 Prozent gesteigert

Die Bosch-Gruppe erzielte als Technologie- und Dienstleistungsunternehmen im Jahr 2010 einen Umsatz von 47,3 Mrd. Euro. Das sind 24 Prozent mehr als 2009. Sitz ist in Gerlingen, nordwestlich von Stuttgart.

Die Gruppe umfasst die Robert Bosch GmbH und mehr als 350 Tochter- und Regionalgesellschaften in über 60 Ländern; inklusive Vertriebspartner ist Bosch in 150 Ländern vertreten. 283 507 Mitarbeiter arbeiten für die Gruppe, davon 113 557 in Deutschland. Das Unternehmen gliedert sich in die Bereiche Kraftfahrzeug-, Industrie-, Gebrauchs- und Gebäudetechnik. (jmo)

Zur Person Robert Bosch 

Der deutsche Industrielle Robert Bosch wurde am 23. September 1861 in Albeck bei Ulm als elftes von zwölf Kindern geboren. Von 1869 bis 1876 besuchte er die Ulmer Realschule und machte eine Mechanikerlehre. Später arbeitete Bosch sieben Jahre bei Unternehmen in Deutschland, den USA und Großbritannien. Am 15. November 1886 eröffnete er in Stuttgart eine „Werkstätte für Feinmechanik und Elektrotechnik“. Bosch war zweimal verheiratet und hatte fünf Kinder. Er starb am 12. März 1942 in Stuttgart an einer Ohrenentzündung. Im Testament verfügte er, dass die Erträge des Unternehmens gemeinnützigen Zwecken zugute kommen sollen.
Von Julia Mohr

Das könnte Sie auch interessieren

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.