Medizintechnik-Hersteller verdiente 2010 so gut wie nie – Konzernchef gibt zum 1. April sein Amt ab

Braun: Abschied mit Rekorden

Glänzende Zahlen: Ludwig Georg Braun stand 34 Jahre an der Spitze des in Familienbesitz befindlichen Konzerns. Die Bilanz von 2010 war seine beste. Foto: dpa

Melsungen. Ludwig Georg Braun gibt sich entspannt. In wenigen Tagen wird der Vorstandschef des Medizintechnik- und Pharmaherstellers B. Braun Melsungen AG an seinen derzeitigen Vize und Finanzvorstand Heinz-Walter Große abgeben. Der 67--Jährige verabschiedet sich mit Rekordzahlen: Der Umsatz kletterte um 9,8 Prozent auf 4,42 Milliarden Euro, der Gewinn stieg um 15,8 Prozent auf 277,4 Millionen Euro.

Doch das ist fast Nebensache. Japan beschäftigt den Konzernchef. Das Hauptquartier in Tokio muss vielleicht in den Süden des Landes umziehen – weiter weg vom berstenden Atomkraftwerk Fukushima. Das Werk der Tochter Aesculap, in dem 450 Mitarbeiter Kanülen herstellen, produziert wieder, aber die Stromknappheit könnte die Produktion stocken lassen.

Die glänzenden Zahlen trägt Braun zurückhaltend vor: Alle Sparten sind gewachsen, und „die letzten 16 Monate waren wir so gut wie ausverkauft“. Vor allem Standardprodukte wie Infusionslösungen waren die Renner. 2011 rechnet der Konzern mit einem Umsatzplus von mehr als sechs Prozent.

Möglich wird das dank hoher Investitionen. Drei Milliarden Euro gibt der Konzern von 2007 bis 2014 aus. In diesem Jahr stehen deshalb weitere Kapazitäten bereit: So geht in Vietnam eine neue Fabrik für Infusionsgeräte an den Start, in Spanien wurde das Werk für Infusionslösungen ausgebaut. Die neue Fabrik für Nährlösungen am Stammsitz Melsungen wird die Produktion frühestens 2012 beginnen. Das neue Werk für Infusionspumpen und Dialysegeräte in Melsungen arbeitet bereits. 2010 investierte der Konzern in Melsungen 170 Mio. Euro, 20 Mio. mehr als im Vorjahr.

Ein Viertel des Umsatzes wird mit Produkten gemacht, die weniger als fünf Jahre am Markt sind. „Mit Innovationen kann man gute Erstgewinne erzielen“, sagt Braun. Denn die Wettbewerber brauchen ihre Zeit, um nachzuziehen.

Der Konzern schaut aufs Geld: Die Eigenkapitalquote soll von 42,3 Prozent auf 45 Prozent steigen. Das gibt Handlungsspielraum und macht das Verhandeln mit Banken leichter: „Wir haben freie Kreditlinien von 1,5 Milliarden Euro“, sagt Große. Der 58-Jährige wird der erste Vorstandschef des Konzerns, der nicht aus der Familie stammt. Vertraut ist er dennoch: „Ich kenne ihn seit seinem 16. Lebensjahr“, sagt Braun. Das mag die Berufswahl Großes beeinflusst haben: Ursprünglich wollte der promovierte Betriebswirt Lehrer werden.

Große will die Ebitda-Marge bis 2015 von 15,8 auf 18 Prozent steigern. Die Kennziffer gibt das Verhältnis von Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen zum Umsatz wieder. „Wir brauchen die Ertragskraft, um die Arbeitsplätze zu sichern.“ Die Beschäftigten tragen ihren Teil dazu bei: Sie leisten im Rahmen des Standortsicherungsvertrag bis zu 104 Stunden Mehrarbeit im Jahr. Für 2010 erhalten sie eine Erfolgsbeteiligung von bis zu 1230 Euro.

Von Barbara Will

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