B. Braun: Das Ziel heißt sechs Milliarden Umsatz

Heinz-Walter Große

Heinz-Walter Große ist seit dem 1. April Vorstandsvorsitzender des Medizintechnik- und Pharmahersteller B. Braun Melsungen AG. Barbara Will sprach mit ihm über seine Pläne und den Konzern mit 4,4 Milliarden Euro und mehr als 41 000 Mitarbeitern.

Herr Dr. Große, was wird Ihre erste Aufgabe als Vorstandschef sein?

Heinz-Walter Grosse: Für 2015 haben wir uns ein Umsatzziel von sechs Milliarden Euro gesetzt. Bis dahin werden wir bis zu 2,3 Milliarden Euro investieren, 1,6 Mrd. davon in den nächsten drei bis vier Jahren. Es geht im wesentlichen darum, den Erfolgsweg, den wir im Vorstand mit Ludwig Georg Braun eingeschlagen haben, weiterzugehen. Dazu werden wir auch die Ertragskraft weiter stärken müssen.

Was ist das Ziel?

Stichwort: Ebitda-Marge

Das Ebitda ist eine Gewinnkennzahl. Die Abkürzung für „earnings before interest, taxes, depreciation and amortization“ bedeutet Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen. Die Ebitda-Marge gibt an, wie viel Prozent des Umsatzes als Ebitda übrigbleiben.

Grosse: Wir haben uns als Ziel eine Ebitda-Marge von 18 Prozent gesetzt. 2010 lag sie bei 15,8 Prozent. Dieses Ziel müssen wir gemeinsam mit den Beschäftigten erreichen.

Was bedeutet das für die Beschäftigten?

Grosse: Es gilt, die Sozialpartnerschaft, die wir vor allem in Deutschland mit den Betriebsräten und den Gewerkschaften pflegen, weiterzuführen. Der jetzige Beschäftigungspakt läuft bis 2014. Danach werden wir darüber verhandeln, wie wir weiter verfahren.

In Melsungen wurde Beschäftigung aufgebaut. Wie soll es dort weitergehen?

Grosse: Wenn wir in Richtung sechs Milliarden Euro Umsatz marschieren, ist die jetzige Beschäftigung absolut sicher. Und in der Produktion werden wir in den nächsten Jahren sicher auch weitere Stellen aufbauen.

Wohin sollen die Milliarden-Investitionen fließen?

Grosse: Wir bieten knapp 45 000 unterschiedliche Produkte an. Etwa 97 Prozent davon stellen wir selbst her. Wir werden über unsere gesamte Produktpalette alle Werke ständig weiter modernisieren und Kapazitäten ausbauen. Das geht rund um den Globus.

Womit kann Braun auf dem Weltmarkt denn punkten?

Grosse: Es kommt darauf an, unsere ausgezeichnete Marktstellung zu halten und auszubauen. Wir erzielen 60 Prozent unseres Umsatzes in Europa, 20 Prozent in den USA. Es gibt sehr große Chancen in Asien, beispielsweise in Indien und China. Das gleiche gilt für Südamerika. Wir haben jetzt schon eine sehr breite und innovative Produktpalette. Diese müssen wir weiter vorantreiben. Wir haben 2010 rund 155 Millionen Euro für Forschung und Entwicklung ausgegeben.

Um welche innovativen Produkte geht es? Können Sie Beispiele nennen?

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Regiowiki: Die Geschichte von B. Braun Melsungen

Grosse: In Amerika entwickeln wir gerade einen neuen Beutel für Infusionslösungen für den US-Markt. In Melsungen geht die Life Nutrition, die Fabrik für klinische Ernährungslösungen, an den Start. Ebenfalls in Melsungen haben wir das Werk für Infusionspumpen und Dialysegeräte. Für unsere Pumpen entwickeln wir ständig neue Software. Unsere Chirurgie-Tochter Aesculap entwickelt für narbenfreie Operationen in der minimal-invasiven Chirurgie, Instrumente mit einem Durchmesser von 3,5 Millimetern. Darin ist die gesamte Technik untergebracht, um zu schneiden oder Gewebe zu entnehmen.

Die B. Braun Melsungen AG gehört der Familie. Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit?

Grosse: Die Zusammenarbeit läuft zunächst einmal über den Aufsichtsrat. In diesem sitzen drei Familienmitglieder. Der formale Ablauf ist nicht anders als in einem Dax-Konzern. Natürlich werde ich engen Kontakt zu Ludwig Georg Braun halten, der den Aufsichtsrat führt.

Die nächste Generation der Familie Braun sitzt schon im Vorstand. Werden Sie nur wenige Jahre Konzernchef sein?

Grosse: Ich bin für fünf Jahre bestellt und werde gemeinsam mit den Vorstandskollegen das Unternehmen in dieser Zeit führen.

Wo liegen für B. Braun die Stärken der Region?

Grosse: Wir liegen mitten in Europa. Wir können aus Nordhessen heraus 280 bis 300 Millionen Menschen direkt beliefern. Die Universität Kassel öffnet sich sehr gegenüber der Industrie. Wir spüren auch keinen Fachkräftemangel. Unsere Mitarbeiter identifizieren sich stark mit B. Braun. Wir müssen aber alles daran setzen, einer der attraktivsten Ausbildungsbetriebe in Nordhessen zu bleiben.

Und was sind die Schwächen der Region?

Grosse: Ein Schwachpunkt ist, dass die Ehepartner von neu eingestellten Mitarbeitern hier schlechter eine Stelle finden als in einem Ballungsraum. Die Frage ist, ob wir uns als Unternehmen nicht für den Partner öffnen müssen.

Sie sind Musikliebhaber. Ist Ihre Tonart das fröhliche Dur oder das gedämpfte Moll?

Grosse: Die Tonart ist Dur. Ich bin ein absolut harmonischer Mensch. Ich bin übrigens in einem Posaunenchor aufgewachsen.

Sie beherrschen also auch die lauten Töne?

Grosse: Ja. Aber die Kunst der Blechbläser ist ja gerade, leise Musik zu machen.

Zur Person

Heinz-Walter Große (58) wurde in Bad Emstal geboren, machte in Kassel Abitur und studierte in Göttingen Wirtschaftspädagogik. Dort wurde er in Betriebswirtschaft promoviert. Große arbeitet seit 32 Jahren für die B. Braun Melsungen AG und war für den Konzern auch in den USA und in Österreich tätig. Seit 2005 gehört Große dem Vorstand an, wo er für das Finanz- und das Personalressort zuständig war. 2009 wurde er stellvertretender Vorstandschef. Große ist verheiratet und hat zwei Kinder. Seine Hobbies sind Musik und Golf spielen.

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