Die Post stärkt ihre Tochter First Mail – denn dort verdienen Briefträger weniger

Brief von der Billig-Tochter

Massengeschäft Brief: Zusteller, die für die Gelbe Post arbeiten, verdienen elf bis 16 Euro die Stunde. Die Konkurrenz zahlt weniger. Foto: dpa

Bonn / Kassel. Die Deutsche Post stärkt ihre Billigtochter First Mail und macht damit nicht nur sich selbst, sondern vor allem Wettbewerbern Konkurrenz.

Der Grund: Während die bislang nur in Nordrhein-Westfalen tätige First Mail (Düsseldorf) ihren Zustellern den tariflichen Mindestlohn von 9,80 Euro pro Stunde zahlt, verdient ein Briefträger mit Post-Arbeitsvertrag in der selben Zeit elf bis 16 Euro. Entsprechend umwirbt First Mail Geschäftskunden mit günstigen Tarifen, bei denen die gelbe Mutter nicht mithalten kann. Man hole Aufträge in den Konzern zurück, „die aufgrund der Kostenstruktur nur für Wettbewerber interessant waren“, sagt ein Postsprecher.

Nun rüstet sich die First Mail GmbH mit bislang 500 Beschäftigten für die Expansion: In diesem und im nächsten Jahr stellt sie insgesamt 1000 Lehrlinge ein. Diese lernen nicht nur bei First Mail selbst, sondern auch in Betrieben der Deutschen Post in anderen Ballungsräumen. Bisher lernen bei First Mail 15 Jugendliche einen Beruf.

Ausbildungstarifvertrag

Auch sie verdienen weniger als bei der Deutschen Post AG. Die Differenz wird in diesem Jahr geringer. Nach einigem Gezerre einigten sich Post und die Dienstleistungs-Gewerkschaft ver.di auf einen Ausbildungstarifvertrag, der den angehenden First-Mailern nun 23 Prozent mehr Geld beschert. Je nach Lehrjahr gibt 590 bis 720 Euro brutto im Monat, das sind immer noch zwölf Prozent weniger als bei der Deutschen Post selbst.

Zwar bewahrt eine Vereinbarung zwischen dem Gelben Riesen und der Gewerkschaft die Post-Beschäftigten bis Ende 2011 vor betriebsbedingten Kündigungen oder einer Versetzung zur Billigtochter, sagt Cornelia Haß, Sprecherin der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di. Auch dürfen keine Arbeiten an diese ausgelagert werden. Aber die Post könne bei den Ausschreibungen öffentlicher Aufträge First Mail ins Rennen schicken.

Derzeit gebe es keine Entscheidung, das First-Mail-Geschäft über Nordrhein-Westfalen hinaus auszudehnen, sagt Post-Sprecher Thoms Kutsch.

Was passiert, wenn der Beschäftigungssicherungssicherungsvertrag der Post Ende 2011 ausläuft, ist noch offen. Das Briefgeschäft der Post leidet unter steigenden Kosten bei gleichzeitig sinkenden Umsätzen. 2009 brachte der Goldesel dem Konzern einen Gewinn von 1,4 Milliarden Euro vor Zinsen und Steuern (Ebit) ein, 14 Prozent weniger als im Jahr zuvor. In diesem Jahr soll das Brief-Ebit bei einer bis 1,2 Mrd. Euro liegen. In nur einem Jahr wolle die Briefsparte ihre Kosten um eine Mrd. Euro senken, dafür einige der 82 Brief- und 33 Paketzentren schließen, berichtete die „Wirtschaftswoche“.

Einen gesetzlichen Mindestlohn für Briefträger gibt es derzeit nicht. Dumping-Löhne von fünf Euro pro Stunde sind „durchaus gang und gäbe“, sagt Cornelia Haß. Teilweise werde sogar nach verteilter Postmenge gezahlt: Weniger Briefe, weniger Geld.

Von Barbara Will

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