Mehrheit an Lkw-Bauer kostet 3,5 Milliarden Euro – Konzern setzt auf kostensparende Zusammenarbeit

VW bringt MAN unter Kontrolle

Wolfsburg/München. Europas größter Autobauer Volkswagen hat sich die Kontrolle beim Münchener Lastwagenbauer MAN gesichert. Deutlich mehr Anleger als zunächst erwartet haben VW ihre Anteile angedient: Eine Mehrheit am LKW-Bauer von 55,9 Prozent. Damit endete am Montag die Hängepartie an der Börse. VW kostet die Aufstockung der Anteile 3,5 Milliarden Euro.

„Volkswagen ist mit dem Ergebnis mehr als zufrieden“, stellte VW-Vorstandsvorsitzender Martin Winterkorn fest. Er geht davon aus, dass nach Vollzug des Pflichtangebots und der Kontrolle der Kartellbehörden der betroffenen Länder durch eine „engere Zusammenarbeit von MAN, Scania und Volkswagen erhebliche Synergien in den Bereichen Einkauf, Entwicklung und Produktion erschlossen werden“. Konkreter hat sich VW bislang nicht zu den hauseigenen Lkw-Plänen geäußert.

75 Prozent im Blick?

Offen ist auch, ob VW über die 55,9 Prozent hinaus weitere MAN-Anteile zukaufen will. Analyst Frank Schwope von der NordLB erwartet, dass der derzeitige Anteil nur eine Durchgangsstation zur Komplettübernahme sein werde. Zumal VW ab 75 Prozent Aktienanteil dem MAN-Vorstand Weisungen erteilen könnte, direkt in die Kasse des Lastwagenbauers greifen, die Satzung ändern und durchregieren dürfte.

Denkbar sei für Schwope auch, dass MAN an Scania weitergereicht werde. VW bekäme dann Milliarden in die Kasse, wäre aber über Scania dennoch am MAN-Gewinn beteiligt. Fest steht aber bereits: Da die Schwelle von 50 Prozent überschritten ist, kann VW MAN als elfte Tochter der VW-Familie schon jetzt in seiner Bilanz voll konsolidieren. Obwohl MAN als VW-Tochter die Rangliste der Nutzfahrzeug-Spezialisten im Verbund mit Scania und der VW-Nutzfahrzeugsparte durcheinanderwirbeln wird, sei der Abstand zum Branchenriesen Daimler noch groß.

Börsenverlierer MAN

Der Kurs der MAN-Aktie war nach dem Ende der Andienungsfrist am Mittwoch vergangener Woche deutlich unter den Angebotspreis von 95 Euro je Aktie gefallen. In Analystenkreisen wird daher spekuliert, dass Marktteilnehmer die Aktie zum günstigen Preis gekauft und dann angedient haben. Ursprünglich wollte VW nur einen Anteil zwischen 30 und 40 Prozent, der in der Regel für eine Stimmenmehrheit auf der Hauptversammlung gereicht hätte.

MAN-Aktionäre hatten VW knapp 36 Millionen Stammaktien und 164 613 Vorzugsaktien angedient, wie die Wolfsburger mitteilten.

MAN-Papiere gehört am Montag im Deutschen Aktienindex mit einem Minus von 1,80 Prozent auf 93,60 Euro zu den Tagesverlierern. VW-Aktien tendierten um etwa zwei Prozent höher und lagen um 17.30 Uhr bei 145,69 Euro.

Zumindest aus der MAN-Aktie dürfte mit dem gestrigen Tag erst einmal die Luft für weitere Spekulationen raus sein.

Von Martina Wewetzer

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