Jobeinstieg: Zeitarbeit kann eine Chance sein

Brücke in die Beschäftigung

Zeitarbeit als Chance sehen: Für Berufseinsteiger, Berufsrückkehrer oder Arbeitslose kann sie Perspektiven eröffnen. Foto: tmn

Weit mehr als eine Million Menschen beginnen pro Jahr eine neue Beschäftigung in der Zeitarbeit. „Viele von ihnen sind arbeitslos und versprechen sich über die Zeitarbeit eine Brücke in den ersten Arbeitsmarkt“, sagt Johannes Jakob, Arbeitsmarktexperte des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) in Berlin. Andere müssen einen Zeitraum überbrücken und sehen die Zeitarbeit als Zwischenbeschäftigung. Berufseinsteiger wiederum wollen so Kontakte mit möglichen Arbeitgebern knüpfen und hoffen, übernommen zu werden. Wissenschaftliche Untersuchungen belegen allerdings: „Die Arbeitsmarktchancen durch Zeitarbeit werden nicht deutlich verbessert“, sagt Jakob.

Dennoch hat Zeitarbeit viele positive Seiten: „Sie ist für alle gut, die damit ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt verbessern“, sagt Susanne Schnieber, Sprecherin der Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg. Das sind zum Beispiel Arbeitslose, Berufseinsteiger oder Berufsrückkehrer. „Für diese Personengruppen kann die Zeitarbeit eine Brücke in Beschäftigung sein.“

Jemand, der seit 30 Jahren einen festen Arbeitsvertrag hat und sich in der Firma wohlfühlt, sollte allerdings niemals in die Zeitarbeit wechseln. Für eine Mutter, die seit zwölf Jahren aus dem Beruf raus ist und von SAP noch nie etwas gehört hat, kann die Zeitarbeit jedoch durchaus eine Chance sein, auf dem Arbeitsmarkt wieder Fuß zu fassen. In einigen Fällen könne Zeitarbeit ein Sprungbrett sein, weil man sich leichter als Arbeitnehmer aus der Beschäftigung heraus und nicht als Arbeitsloser für einen Job auf dem ersten Arbeitsmarkt bewerben kann, sagt Schnieber. Außerdem beweisen Zeitarbeiter, dass sie flexibel sind; auch weil sie Wege gehen, die festangestellte Arbeitnehmer nicht gehen müssen.

Noch dazu gibt es Arbeitnehmer, die sich nicht an einen Arbeitgeber binden und lieber von einer Firma zur nächsten springen möchten: „Viele Arbeitnehmer wollen nicht 40 Jahre in einem Unternehmen bleiben und wünschen sich eine Zeitarbeits-Beschäftigung“, sagt Michael Wehran, Sprecher des Bundesverbandes Zeitarbeit (BZA) in Berlin. Als Zeitarbeiter könnten sie sich ausprobieren und immer wieder neue Betriebe kennenlernen. Dadurch hätten sie immer wieder eine abwechslungsreiche Arbeitsstelle.

Bereitschaft zur Übernahme signalisieren

Wer als Zeitarbeiter übernommen werden möchte, sollte immer die Bereitschaft dazu signalisieren. Dabei zählt vor allem der Kontakt zum Vorgesetzten. Auch den Betriebsrat kann man einschalten. Denn der ist über Personalveränderungen im Betrieb informiert. In vielen Unternehmen gibt es sogar Initiativen, Leiharbeitern zu einer Festanstellung zu verhelfen.

Besonders im produzierenden Gewerbe können sich so Chancen für Arbeitssuchende ergeben. Bei allen Anstrengungen, sich im Betrieb unabkömmlich zu zeigen, gilt aber auch: „Zeitarbeiter, die hoffen, übernommen zu werden, sollten selbstbewusst auftreten und sich normal in den Arbeitsablauf integrieren“, rät Jakob. (tmn)

Von Berit Waschatz

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