Bundesagentur wirbt um qualifizierte Arbeitnehmer aus Südeuropa – Ingenieure und Pflegepersonal gesucht

Buhlen um Fachkräfte aus Krisenstaaten

Monika Varnhagen Foto: nh

Kassel/Göttingen. Im Kampf gegen den Fachkräftemangel setzt die Bundesagentur für Arbeit auf qualifizierte Zuwanderer aus den EU-Krisenländern Griechenland, Spanien und Portugal.

„Es gibt ein großes Potenzial in Spanien, Tausende von Ingenieuren sind arbeitslos, auch IT-Spezialisten“, sagte die Direktorin der Zentralen Auslands- und Fachvermittlung (ZAV) der Bundesagentur, Monika Varnhagen, im Gespräch mit der „Welt“.

Allein in Spanien, wo die Arbeitlosenquote seit vielen Monaten bei über 20 Prozent steht, sind nach ihren Angaben 17 000 Menschen grundsätzlich an einer Arbeit in Deutschland interessiert. Sondiert werde auch in Portugal und Griechenland. In Portugal gibt laut Varnhagen viele qualifizierte Pflegekräfte, die gern in Deutschland arbeiten würden. Auch griechische Ärzte seien an einer Beschäftigung in Deutschland interessiert.

Hierzulande fehlen derzeit vor allem Elektro- und Maschinenbau-Ingenieure sowie Pflegekräfte und Ärzte. Im Bereich der Arbeitsagentur Kassel gibt es aktuell 159 offene Ingenieurs- und Technikerstellen. Bei Ärzten sind es 17 und bei Plegekräften 34 Stellen. Die tatsächlichen Zahlen dürften allerdings darüber liegen, weil nicht alle offenen Stellen gemeldet werden.

Die Sprecherin der Arbeitsagentur in Hessen, Angela Köth, erklärte, dass auch ländliche Regionen von den ZAV-Anwerbe-Aktivitäten profitieren könnten. Wichtig sei aber, dass interessierte Fachkräfte von den Arbeitgebern rasch in die jeweiligen Arbeitsprozesse integriert würden.

Im Bereich der Arbeitsagentur in Göttingen, sieht es kaum anders aus. Hier sind derzeit 116 Ingenieurs- und Techniker-, sechs Ärzte- und sogar 167 Pflegestellen unbesetzt. Die stellvertretende Sprecherin der Agentur, Christina Rasokat, betonte aber, dass die Summe der offenen Stellen nicht dem tatsächlichen Bedarf an Zuwanderern entspreche, weil es trotz des Fachkräftemangels noch inländische Bewerber gebe. Grundsätzlich gelte aber, dass der Fachkräftemangel ein bundesweites Phänomen sei.

Allerdings dürfte es nicht leicht werden, qualifiziertes Personal nach Deutschland zu locken. Das größte Hindernis sind fehlende Sprachkenntnisse. Deutsch gilt als schwer zu erlernende Sprache und ist im europäischen Ausland nicht sonderlich beliebt. Viele Fachkräfte lernten Englisch und gingen in englischsprachige Länder, wenn sie daheim keine Arbeit fänden, sagte Varnhagen. Hinzu kommt, dass viele Länder Einwanderern ein Rundum-Paket für die gesamte Familie böten, Sprachkurse, Wohnung, einen Job für die Partnerin und Kindergartenplätze inklusive.

„Es reicht nicht, attraktive Firmen und Produkte zu haben. Die Gesellschaft muss auch bereit sein, diese Menschen aufzunehmen und zu integrieren“, sagte die ZAV-Chefin weiter.

Erschwerend hinzu kommt, dass viele ausländische Berufsabschlüsse hierzulande nicht anerkannt werden.

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