Verschlammte Scheine und Euro-Reste

Bundesbank tauscht Flutgeld um

Mainz/Frankfurt - Fluthilfe der besonderen Art: Bergeweise verschlammte Geldscheine erreichten Experten der Bundesbank nach dem Hochwasser im Juni. Die Erstattung beschädigter Banknoten ist oft ein kniffliges Puzzle.

Frank Herzog sitzt vor einem Häuflein Asche. Darin - angeblich - Reste von Geldscheinen im Wert von 150 Euro. Es ist einer der kniffligen Fälle, die bei den Experten im Mainzer Analysezentrum der Deutschen Bundesbank landen. In den vergangenen Wochen hatten es die 13 Fachleute für beschädigtes Bargeld vor allem mit eher feuchter Ware zu tun: Nach dem Hochwasser im Juni im Süden und Osten Deutschlands wurde die Bundesbank mit schlammdurchweichten Banknoten geradezu überschwemmt.

„Die erste große Welle Flutgeld ist abgearbeitet. Die Anträge kamen vor allem von Banken und Firmen“, bilanziert Horst Werner Hofmann, stellvertretender Leiter des Nationalen Analysezentrums. 100 000 schlammdurchweichte Banknoten im Wert von rund drei Millionen Euro habe die Bundesbank inzwischen durch neue Scheine ersetzt. Zum Vergleich: Üblicherweise kommen pro Monat durchschnittlich 70 000 beschädigte Banknoten in Mainz an. Im Jahr 2012 waren es insgesamt 840 000 im Wert von 32 Millionen Euro.

Beschädigtes Bargeld wird von der Notenbank erstattet - sofern zweifelsfrei geklärt ist, dass es echte Euro-Scheine sind. Und das kann mitunter dauern. Mit einem feinen Messer hebt Gutachter Herzog vorsichtig einen millimeterkleinen, verrußten Partikel aus der Asche und legt ihn unter ein Stereomikroskop. Auf einem angeschlossenen Bildschirm sieht der Fachmann sofort: Eindeutig ein Rest eines Fünf-Euro-Scheins. Doch bis das komplette Puzzle zusammengefügt ist - mindestens die Hälfte des Scheins sollte idealerweise noch vorhanden sein - können Wochen oder gar Monate vergehen.

So viel Zeit hatten die Bundesbank-Prüfer im Falle des Geldes aus den Hochwassergebieten nicht. „Es war wichtig, dass wir die Flutgeld-Fälle schnell bearbeiten: Irgendwann fangen die Scheine an zu modern und zu schimmeln“, erklärt Herzogs Kollege Uwe Holz. „Wenn die Scheinbündel komplett nass sind, ist das besser für uns. Sind sie erst einmal getrocknet, sind sie hart wie ein Betonklotz.“

Über zwei Männern summt eine überdimensionale Dunstabzugshaube. Darunter auf einem Tisch Bündel tintenverschmierter 50er. Mögliche Giftstoffe in der Farbe sollen schnell abgesogen werden. Vor kurzem wurden hier verschlammte Scheine aus Mulde und Elbe von Fachleuten in Augenschein genommen. Diese Geld - durchweicht und zusammengepappt - kam fast ausschließlich aus Sachsen und Sachsen-Anhalt, vor allem aus Grimma, Dresden und Magdeburg. Im sächsischen Grimma etwa konnten die Menschen nur zuschauen, wie ihre Bank voll läuft, ganze Geldautomaten inklusive wertvoller Füllung versanken in den Wassermassen.

„Man riecht sofort, woher dieses Geld kommt: Es riecht vermodert“, beschreibt es Damian Machura, stellvertretender Gruppenleiter im Bereich beschädigtes Bargeld des Analysezentrums. Behutsam muss Schein für Schein gelöst und gezählt werden. Stets zählen zwei Mitarbeiter, fällen unabhängig voneinander ihr Urteil. Gibt es dann noch Unklarheiten, wird ein dritter Fachmann zurate gezogen. Letztlich wird die Summe erstattet, die die Bundesbank ermittelt hat oder ein Erstattungsantrag wird abgelehnt. Weil gegen diese Entscheidung Klagen möglich sind, bewahrt die Bundesbank die beschädigten Scheine - gut verpackt - so lange in ihren Tresoren auf, bis Klagefristen verstrichen sind. Dann werden die Reste verbrannt.

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„Oft fehlen wichtige Angaben, zum Beispiel zur Beschädigungsursache. Daher kommt es immer wieder zu Nachfragen beim Einreicher“, sagt Machura. Nicht alle Fälle sind so offensichtlich wie der, den Uwe Holz gerade bearbeitet: Fein säuberlich liegen in gezackte Streifen geschnittene Fünf-, Zehn- und Zwanzig-Euro-Scheine nebeneinander auf Brettern im DIN-A-4-Format. Die Tageseinnahmen einer Bäckerei aus Bayern waren in die Brotschneidemaschine geraten.

Flutgeld aus Bayern ist bislang nicht bei der Bundesbank zur Erstattung eingereicht worden. Es könnte aber durchaus noch etwas nachkleckern. „Wir erwarten, dass in nächster Zeit noch einiges von Privatleuten aus den Hochwassergebieten kommen wird. Die Menschen hatten zunächst andere Sorgen“, sagt Hofmann. „Die Erfahrungen früherer Hochwasser zeigen, dass sich das über einen längeren Zeitraum hinziehen kann.“

dpa

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