Bundesregierung geht nicht gegen hohe Dispozinsen vor

Saarbrücken - Das ärgert viele Verbraucher. Obwohl sich die Banken zum Zinssatz von nur einem Prozent Geld besorgen können, verlangen sie von ihren Kunden hohe Dispozinsen. Doch ändern wird sich daran nichts.

Machen Sie mehr aus Ihrem Geld: Hier geht´s zum großen Geldanlage-Rechner

Bankkunden können nicht auf deutlich geringere Kreditzinsen hoffen, wenn sie ihr Konto überziehen. Wie die “Saarbrücker Zeitung“ (Samstag) berichtet, wird die Bundesregierung nicht gegen vergleichsweise hohe Dispozinsen bei Banken und Sparkassen vorgehen. Dies geht aus der Antwort der Regierung auf eine Kleine Anfrage der SPD hervor. Demnach ist die Einführung einer gesetzlichen Zinsobergrenze nicht vorgesehen.

Zinsvereinbarungen würden grundsätzlich frei getroffen, betont die Regierung in ihrer Antwort. Es sei “Sache der Vertragsparteien, über die Angemessenheit von Preis- bzw. Zinsvereinbarungen zu befinden“. Zudem sind die Verbraucher nach Auffassung der Regierung inzwischen sensibilisiert und müssten um die hohen Kosten einer Kontoüberziehung wissen. Auch ein Eingreifen des Bundeskartellamts sei nicht nötig. Es lägen keine Hinweise für ein abgestimmtes Verhalten der Kreditinstitute zur Zinshöhe vor. Allerdings will die schwarz-gelbe Koalition eine Studie zur Marktlage in Auftrag geben.

Bundesregierung wird bei den überhöhten Dispozinsen auf absehbare Zeit nichts tun

Die Verbraucherschutzminister der Länder hatten im vergangenen September die Regierung aufgefordert, dies zu prüfen. Zudem hatten sie von der Finanzwirtschaft verlangt, die Zinsen fürs Konto-Überziehen freiwillig zu begrenzen. Die Banken dürften nicht einseitig die Vorteile der erheblichen Zinssenkungen der Zentralbank einkassieren.

Für Aufregung hatte eine Untersuchung der Stiftung Warentest gesorgt, wonach etliche Banken und Sparkassen zu hohe Dispozinsen kassierten - trotz historisch günstiger Kosten bei der eigenen Geldbeschaffung. Fürs Konto-Überziehen wurden im September 2010 im Schnitt 12,52 Prozent und teils fast 17 Prozent Zinsen verlangt. Inzwischen sind die Dispozinsen immerhin gesunken und liegen zumeist unter zehn Prozent.

SPD-Finanzexperte Carsten Sieling sagte der “Saarbrücker Zeitung: “Die Bundesregierung wird bei den überhöhten Dispozinsen auf absehbare Zeit nichts tun. Das Problem bleibt ungelöst.“ Obwohl die Europäische Zentralbank den Leitzins auf einem Rekordtief von 1,0 Prozent belasse, seien die Guthabenzinsen für Bankkunden auf einem historischen Tief und die Dispozinsen deutlich überhöht.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa (Symbolbild)

Das könnte Sie auch interessieren

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.