Am Benzinpreis verdienen auch Finanzmarktakteure kräftig mit, sagt eine Studie im Auftrag der Grünen

14 Cent pro Liter für Spekulanten

Hamburg. Schlechte Zeiten für Autofahrer: Der Spritpreis könnte laut einer Studie noch in diesem Jahr auf über zwei Euro pro Liter steigen. Denn Ölpreis-Spekulationen führen bundesweit zu Mehrkosten von bis zu fünf Milliarden Euro. Dies hat der Hamburger Branchendienst Energy Comment festgestellt. Die Grünen fordern deshalb eine Einschränkung der Spekulationsmöglichkeiten.

Erklärungen, die beim Preisanstieg einzig auf den Ölmarkt schauen, seien nicht hilfreich, stellt Steffen Bukold, Analyst des Branchendienstes in seiner Studie fest, die er im Auftrag der Grünen erstellt hat. Bei seiner Momentaufnahme hätte ein Überangebot an Rohöl (nach der Krise), eine schwache Nachfrage und überquellende Läger (in Zeiten der Krise) allenfalls zu stagnierenden Preisen führen müssen. Bukold sieht einen wesentlichen Grund für den Preisanstieg bei Finanzinvestoren wie Hedge-Fonds, die Öl-Liefervereinbarungen aus spekulativen Gründen kaufen und auf steigende Preise wetten. Bukold: „Der Rohölmarkt ist stärker als bisher zu einem Hybridmarkt geworden, also einer Mischung aus Rohstoff- und Finanzmarkt.“

Die Preisfindung läuft an den Terminmärkten in New York und London, wobei kurz- und langfristige Spekulationswellen den Markt beeinflussen. Derzeit überwiegen die Wetten auf steigende Preise – und heizen den Markt an. Die Nachfrage aus Schwellenländern wie China und Indien spiele momentan erst eine untergeordnete Rolle. Dieser Mehrbedarf werde künftig auf den Preis durchschlagen. Zieht die Konjunktur bei knapper werdenden Erdölreserven an, rechnet er mit einem Preis von 150 Dollar je Barrel.

Bukold geht davon aus, dass beim aktuellen Rohölpreis von 80 Dollar (umgerechnet gut 63 Euro) die Spekulationsprämie bei 30 Dollar liegt. Dadurch steigen die Benzinpreise im Schnitt um 14 Cent pro Liter. Das entspricht sieben Euro bei einer Tankfüllung von 50 Litern. „Auf das Jahr gerechnet sind dies 136 Euro bei 13 000 Kilometern Fahrleistung und einem Verbrauch von 7,5 Litern“, rechnet Bukold vor.

Somit ergeben sich bundesweit Mehrkosten in Milliardenhöhe für die Autofahrer. Kaufkraft, die fehlt – in Hessen 393 Millionen Euro, in Niedersachsen 493 Mio. Euro.

Maisch: „Unmoralisch“

Abhilfe könnte mehr Transparenz an den Börsen schaffen. Wesentliche Akteure sind laut Bukold die US-Großbanken Goldman-Sachs und Morgan Stanley. Hilfreich wären Limits der handelbaren Liefervereinbarungen. Derzeit werde ein Vielfaches der Förderung gehandelt wird. In den USA gebe es sogar Überlegungen, das Handeln mit Kontrakten zu besteuern. „Es ist unmoralisch derart hohe Spekulationsgewinne mit Gütern des täglichen Bedarfs zu realisieren“, sagt die Kasseler Bundestagsabgeordnete der Grünen, Nicole Maisch. Nur: Abhilfe sei schwierig, „weil die Hebel zu einer Eindämmung der Spekulation bei der amerikanischen und der britischen Regierung liegen, die ihre Finanzplätze ungern reformieren wollen“. Daher müsse die Bundesregierung über die EU Druck aufbauen, damit sich an den Börsen etwas ändert.

Von Martina Wewetzer

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