Staatsfonds kauft Anteile an russischem K+S-Konkurrenten Uralkali

China drängt auf Kalimarkt

Kassel / Moskau. Der russische Kaliriese Uralkali bekommt einen neuen Großaktionär, und der Kasseler Konkurrent K+S muss es ausbaden: Die Nachricht vom Einstieg des chinesischen Staatsfonds CIC (Chengdong Investment Corporation) bei den Russen trieb die Anleger scharenweise aus der Aktie.

Seit August hatte sich das derzeit am heftigsten gebeutelte Dax-Papier aus seinem Tief von 16 auf rund 21 Euro hochgekämpft. Der gestrige Börsentag endete mit einem Absturz von 5,55 Prozent auf 19,99 Euro.

Ein möglicher Grund für die Anlegerflucht: China ist der weltweit größte Kalikunde. Die Verträge, die mit dem Riesenland ausgehandelt werden, haben Signalwirkung für die ganze Branche. Nun wird befürchtet, dass CIC versucht, den Kalipreis zu drücken. Der Staatsfonds hatte Uralkali-Anleihen in ein Aktienpaket von 12,5 Prozent umgewandelt.

Die politisch-wirtschaftliche Gemengelage wird dadurch nicht einfacher. Denn während Uralkali-Chef Vladislav Baumgertner im weißrussischen Minsk in Untersuchungshaft sitzt, begann es in der Riege der Großaktionäre zu rumoren. Besonders der Milliardär Suleyman Kerimov fand sich plötzlich im Zentrum unliebsamer Aufmerksamkeit: Weißrussland wirft ihm, ebenso wie Baumgertner, Amtsmissbrauch vor.

Uralkali hatte eine Kalivertriebs-Kooperation mit dem weißrussischen Branchenkollegen Belaruskali platzen lassen – und nach Ansicht des Nachbarlandes damit einen Schaden von 100 Millionen Dollar angerichtet.

Russlands Präsident Wladimir Putin besann sich in der vertrackten Lage auf einen alten Weggefährten: Wladimir Kogan, wie Putin aus St. Petersburg stammend, soll die drei größten Aktionäre herauskaufen, darunter auch Kerimov. Geld dürfte kein Problem sein – dem ehemaligen Eigentümer der Petersburger Promstroi-Bank stehen neun Milliarden Dollar zur Verfügung.

Kogan sollte die Wogen zwischen Moskau und Minsk glätten. Eine Neuauflage der lukrativen Verkaufsfreundschaft schien möglich. Welche Position die chinesische CIC in dem Kalipoker einnimmt, ist fraglich.

Der Kasseler K+S-Konzern hat kaum Möglichkeiten, zu reagieren. Einer Vertriebsallianz gehören die Nordhessen nicht an. Die Gesamtkosten sind mit 207 Euro pro Tonne Kaliprodukte relativ hoch. Eine schnelle Kapazitätsausweitung ist nicht möglich. Gleichzeitig gibt der Kalipreis nach. Im ersten Halbjahr verkaufte K+S die Tonne des wertvollen Düngers für durchschnittlich 309 Euro. Vor Jahresfrist waren es 26 Euro mehr.

Die Nachfrage lahmt auch deshalb, weil viele Kalikäufer weitere Preissenkungen erwarten. Sie halten sich erstmal mit Bestellungen zurück. K+S hat seine Mitarbeiter bereits auf einen Sparkurs eingestimmt. Wie dieser aussieht, will der Konzern in einigen Wochen bekanntgeben.

Von Barbara Will

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