Top-Manager geben auf

Deutsche Großbank im Führungschaos: Chef will angeblich auf 1,5 Millionen Euro verzichten

Dass die Commerzbank in Deutschland einen großen Einschnitt vornimmt, ist schon länger bekannt. Nach zwei Rücktritten in der Chefetage offenbart sich jedoch ein drastischeres Szenario. 

  • Turbulente Zeiten für die Commerzbank, nach dem Rücktritt zweier Topmanager.
  • Die Einschnitte in Deutschland werden voraussichtlich schlimmer ausfallen als erwartet.
  • Mehr als die Hälfte aller Filialen fallen angeblich dem Rotstift zum Opfer.

Update vom 8. Juli, 11.27 Uhr: Commerzbank-Chef Martin Zielke will dem Finanzinstitut bei seinem Rückzug als Vorstandsvorsitzender einem Medienbericht zufolge finanziell entgegenkommen. Zielke habe intern angekündigt, bei seinem Abschied auf eine variable Vergütung von rund 1,5 Millionen Euro zu verzichten, die ihm vertraglich eigentlich zustehen würde, berichtete das Handelsblatt am Mittwoch unter Berufung auf mit dem Thema vertraute Kreise.

Neben der variablen Vergütung sieht Zielkes Vertrag laut Handelsblatt allerdings auch vor, dass er sein Grundgehalt von zuletzt 1,67 Millionen Euro pro Jahr bis zum Ende seines Kontrakts im November 2023 weiterbezahlt bekommt. Abhängig von seinem genauen Austrittstermin werde Zielke damit insgesamt einen mittleren einstelligen Millionen-Betrag erhalten, berichtete die Zeitung. Die Commerzbank wollte sich demnach nicht dazu äußern.

Zielke und Aufsichtsratschef Stefan Schmittmann hatten am Freitag angekündigt, vorzeitig abzutreten.Aufsichtsratssitzung kommt der Aufsichtsrat zusammen, um über die Neuaufstellung des Konzerns zu beraten. Dabei werde das Kontrollgremium aller Voraussicht nach der Empfehlung des Präsidial- und Nominierungsausschusses folgen und eine einvernehmliche Aufhebung von Zielkes Vertrag beschließen, berichtete das Handelsblatt. Ob dabei schon ein konkretes Datum für Zielkes Abschied bekanntgegeben wird, ist demnach unklar - schließlich gibt es bisher noch keinen Nachfolger.

Deutsche Großbank im Chaos: Hunderte Filialen vor dem Aus - Top-Manager geben auf

Erstmeldung vom 7. Juli:

Frankfurt - Nach dem Paukenschlag in der Führungsetage der kriselnden Commerzbank drohen auch zahlreichen Beschäftigten größere Auswirkungen: Angeblich ist mehr als die Hälfte der bundesweiten Niederlassungen von der Schließung bedroht. Dies soll laut Börsen-Zeitung bis zum Ende des Jahres 2023 vonstatten gehen.

Commerzbank: Stellenabbau wohl wesentlich schlimmer als erwartet

Schon länger waren die Angestellten auf einen bevorstehenden Umbruch vorbereitet: Im Herbst 2019 verkündete der Konzern, dass mehrere tausend Jobs in Deutschland abgebaut werden sollen und 200 Commerzbank-Filialen schließen sollen.

Der nun anvisierte Kahlschlag wird voraussichtlich jedoch wesentlich schlimmer ausfallen, wie das Blatt ausführt: Es würden dann über 500 Niederlassungen dem Rotstift zum Opfer fallen - und knapp 10.000 Stellen der insgesamt über 32.000.

Wenige Tage zuvor hatten sowohl Konzernchef Martin Zielke als auch der Aufsichtsratsvorsitzende der Commerzbank, Stefan Schmittmann, ihren Rücktritt angekündigt. Zielkes Vertrag soll spätestens Ende 2020 einvernehmlich aufgelöst werden, Schmittmann legt sein Mandat zum 3. August 2020 nieder. Die Personalien sind Thema einer Aufsichtsratssitzung am Mittwoch (8. Juli).

Wie groß ist der Kahlschlag, der den Commerzbank-Mitarbeitern in Deutschland bevorsteht?

Dort steht dem Artikel zufolge auch das Sparprogramm mit dem Titel „Turnaround“ auf der Agenda. Das Konzept mit Ziel der finanziellen Gesundung des Unternehmens bezieht sich angeblich auf ein Gutachten, das der Bund* als größter Aktionär der Commerzbank bei einer Beratungsgesellschaft in Auftrag gegeben hatte.

Commerzbank: US-Investor forciert Rücktritte zweier Topmanager

Die Kosten der umfangreichen Restrukturierung betragen angeblich rund 1,3 Milliarden Euro. Im Rahmen der Maßnahmen ist zudem die Gründung einer staatlich bezuschussten Transfergesellschaft geplant, wo die sozialen Folgen für tausende Beschäftigte abgefedert werden sollen.

Maßgeblich beteiligt an den Rücktritten in der Chefetage ist der US-Finanzinvestor Cerberus, der sich zuletzt wiederholt mit Kritik am Management des Instituts mit Sitz in Frankfurt zu Wort meldete. Der Fonds, der gut fünf Prozent der Commerzbank-Anteile hält, will nun zwei Posten im Commerzbank-Aufsichtsrat mit Gewährsleuten besetzen. Die Aktie* der Commerzbank hatte zu Wochenbeginn um sechs Prozent zugelegt, was auch dem wachsenden Einfluss von Cerberus geschuldet sei.

Im Frühjahr 2019 platzte eine Fusion zwischen der Commerzbank und der Deutschen Bank, manche Börsianer glauben an einen neuerlichen Versuch der Zusammenschließung. Auch das größte deutsche Bankinstitut wird in den kommenden Jahren Stellen abbauen: Bis Ende 2022 soll die Zahl der Vollzeitstellen bei der Deutschen Bank weltweit um etwa 18.000 auf 74.000 gedrückt werden. Größere Einschnitte im Filialnetz stehen im Gegensatz zur kleineren Commerzbank bisher nicht auf dem Zettel. (PF mit dpa) *Merkur.de ist ein Angebot des Ippen-Digital-Netzwerks

Rubriklistenbild: © dpa / Tobias Kleinschmidt

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