Commerzbank will Staatshilfen zurückzahlen

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Die Zentrale der Commerzbank in Frankfurt am Main.

Frankfurt/Main - Die Commerzbank will mit einer überraschend hohen Kapitalerhöhung die in der Finanzkrise gewährten Staatshilfen in den nächsten Monaten zurückzahlen.

Die Commerzbank will ihre in der Krise aufgelaufenen Schulden beim Bund mit einem Schlag fast vollständig loswerden. 14,3 Milliarden Euro, das sind 88,3 Prozent der stillen Einlage des staatlichen Bankenrettungsfonds SoFFin von 16,2 Milliarden Euro, wird die Commerzbank noch im Juni ablösen, wie Vorstandschef Martin Blessing am Mittwoch in Frankfurt am Main ankündigte. 11 Milliarden Euro soll eine Kapitalerhöhung in einem komplizierten zweistufigen Verfahren erbringen, 3,27 Milliarden Euro bringt die Bank aus eigenem Kapital auf.

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Mit dem überraschenden Schritt befreit sich die Commerzbank früher als von den meisten Beobachtern erwartet von den Fesseln, die ihr der Bund als Bedingung für seine Hilfe auferlegte. Blessing erklärte, das Geldhaus gewinne “zusätzliche finanzielle und strategische Flexibilität“. Und auch die Deckelung der Vorstandsgehälter auf 500.000 Euro werde mit der Rückzahlung der Bundeshilfen schon für das laufende Jahr wegfallen.

In der Finanzmarktkrise im Herbst 2008 war die Commerzbank ins Schlingern geraten, nicht zuletzt, weil sie gerade eben erst die Dresdner Bank übernommen hatte und dadurch zusätzlich unter Druck geriet. Der Bund musste einspringen. Er übernahm 25 Prozent plus eine Aktie und stellte über den Bankenrettungsfonds die stille Einlage von 16,2 Milliarden Euro bereit, deren Rückzahlung frühestens ab 2012 erfolgen sollte, wie Blessing berichtete.

8,25 Milliarden Euro vom Kapitalmarkt

Dass es nun deutlich schneller geht, liege am funktionierenden Geschäftsmodell der Commerzbank, erklärte Blessing. Das Interesse der institutionellen Anleger im Inland und Ausland sei vorhanden. Deshalb will die Commerzbank 8,25 Milliarden Euro am Kapitalmarkt einsammeln und damit ihre Schulden zurückzahlen. Weitere 2,75 Milliarden Euro der Einlage werden vom SoFFin in Commerzbank-Aktien getauscht, um den Anteil des Bundes auch nach der Kapitalerhöhung bei 25 Prozent plus einer Aktie zu halten. Frühestens im Dezember könnte der Bund dann beginnen, seine Commerzbank-Anteile zu verkaufen, hieß es.

In dem zweistufigen Verfahren werden zunächst ab sofort und bis 13. April spezielle Pflichtumtauschanleihen ausgegeben, die unmittelbar nach der Hauptversammlung automatisch in Aktien getauscht werden. Bisherige Commerzbank-Aktionäre erhalten ein Erwerbsrecht, das aber nicht handelbar ist. Mit diesem ersten Schritt sollen neue Investoren Gelegenheit zum Einstieg bei dem Geldinstitut bekommen.

Hauptversammlung wird vorgezogen

Der erste Schritt soll zwischen 3,5 und allerhöchstens 6 Milliarden Euro bringen. Was noch auf 11 Milliarden Euro fehlt, also 5 Milliarden bis 7,5 Milliarden Euro, soll im zweiten Schritt über eine Kapitalerhöhung hereingeholt werden. Die Genehmigung dazu muss sich der Vorstand zunächst von der Hauptversammlung holen, die deshalb vom 18. auf den 6. Mai vorgezogen wird. Die bisherigen Aktionäre - einschließlich der durch den ersten Schritt neu hinzugekommenen - erhalten Bezugsrechte, die an der Börse handelbar sein werden. Anfang Juni soll die Kapitalerhöhung abgeschlossen sein.

Weiter gehört zu dem Deal, dass die Commerzbank an den SoFFin eine Einmalzahlung von 1,03 Milliarden Euro leistet, anstelle von Zinszahlungen. Die Finanzierungskosten des Bundes lägen unter diesem Betrag, sagte Blessing. Spätestens 2014 sollten dann auch die restlichen stillen Einlagen von 1,9 Milliarden Euro zurückgezahlt werden. Eine Dividende will die Commerzbank nach den Worten ihres Vorstandschefs erst für 2012 wieder zahlen.

dapd

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