Autozulieferer verdiente 2010 wieder Geld

Conti erhöht Drehzahl

Erfolgreich: Continental fuhr 2010 Gewinn ein. Konzernchef Elmar Degenhart hat wieder mehr Spaß an den Zahlen. Foto: 

Frankfurt / Hannover. „Es macht uns insgesamt wieder viel mehr Spaß“, sagt Elmar Degenhart. Der Vorstandsvorsitzende des Automobilzulieferers Continental hat am Donnerstag vorläufige Zahlen vorgelegt, die seine gute Laune begründen. Danach hat der Konzern, der unterm Strich 576 Millionen Euro verdiente, den Umsatz auf den Rekordwert von rund 26 Milliarden Euro gepeitscht. 2009 hatte unter dem Strich noch ein Minus von 1,6 Milliarden Euro gestanden.

Mehr noch: Das Unternehmen trägt seinen gewaltigen Schuldenberg aus den Zeiten der Übernahme der Siemens-Sparte VDO ab. Ein Kredit für den Milliardeneinkauf wird 2012 fällig, und Degenhart und sein Finanzvorstand Wolfgang Schäfer wollen mit den Banken bessere Konditionen aushandeln: Wer Geld verdient, kann sich billiger welches leihen.

Als Vertrauter des Conti-Großaktionärs Schaeffler hatte Degenhart 2009 in Hannover den Platz als Conti-Chef eingenommen. Der promovierte Luft- und Raumfahrtingenieur musste nicht nur die Scherben nach der handstreichartigen Übernahme zusammenfegen, sondern auch einen Konzern auf Kurs bringen, den die Wirtschaftskrise aus der Spur gedrückt hatte. Der Mann, der gern joggt und wandert und eine Vorliebe für Autorennen hat, hatte eine Herkulesaufgabe vor sich.

Milliarden-Investitionen

Jetzt richtet sich der Blick bei Conti nach vorn. Weltweit dreht die Automobilproduktion wieder auf. Continental will seinen Anteil daran. Zehn Prozent mehr Umsatz in diesem Jahr peilt der Konzern an. Erfolg kostet erst einmal Geld: 1,5 Milliarden Euro sollen investiert werden, etwa die selbe Summe in Forschung und Entwicklung gepumpt werden. Dafür soll die Dividende auch für die Aktionäre auch für 2010 ausfallen.

Auch in Nordhessen und Südniedersachsen, wo der Konzern gut 7000 Mitarbeiter beschäftigt, werden Millionen investiert.

Doch Continental spürt auch Gegenwind. Die Preise für Naturkautschuk, Rohstoff für die erfolgreiche Reifensparte, steigen. Der Konzern rechnet mit Mehrbelastungen von 700 Millionen Euro beim Rohstoffeinkauf. Vorsichtshalber deutet Degenhart mit blick auf die Conti-Kunden weitere Preiserhöhungen an.

Der ehemalige Schaeffler-Manager hat bei dem Autozulieferer in Herzogenaurach gelernt, wie ein Familienkonzern „denkt“. Dieses Gespür wird er vielleicht bald wieder brauchen: Die Schaeffler-Gruppe, die 75,1 Prozent an Continental hält, wolle zwar Mehrheitsgesellschafter bleiben, sich aber von einem Teil ihres Aktienpakets trennen, schreibt die „Financial Times Deutschland“. Weder Schaeffler noch Conti kommentierten am Donnerstag den Bericht.

Schaeffler und die Eigentümer haben für den Einstieg bei Continental elf Milliarden Euro Schulden gemacht. Selbst wenn sie ihre Papiere mit Verlust verkaufen, könnten sie die Kreditkosten verringern. Doch dafür wäre auch ein Beherrschungsvertrag vom Tisch. Jogger Degenhart, so ist klar, braucht nicht nur beim Sport einen langen Atem.

Von Barbara Will

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