Nach Milliardenverlust will Reifen- und Autozulieferkonzern wieder Gas geben - Verschuldung stark gesunken

Conti kehrt zur Normalität zurück

Selbstbewusst und optimitisch. Degenhart will Conti in den nächsten Jahren zu alter Profitabilität zurückführen. Er führt den hannoverschen Konzern seit August vergangenen Jahres, als er Karl-Thomas Neumann ablöste. Foto: dpa

Frankfurt. Die unausgesprochene Kernbotschaft von Conti-Chef Elmar Degenhart während der gestrigen Bilanzpressekonferenz in Frankfurt lautete: Continental ist wieder da. Nach endlosen, quälenden Querelen zwischen seinen Vorgängern und dem Herzogenauracher Familienkonzern Schaeffler um die Vorherrschaft beim hannoverschen Autozulieferer, nach zähen, am Ende aber erfolgreichen Umschuldungsverhandlungen mit den finanzierenden Banken kommt der Konzern langsam zu Ruhe. Und vergessen scheinen auch krisenbedingte Umsatzeinbrüche von zeitweise 60 Prozent.

Hohe Sonderbelastungen

Ruhig und entspannt präsentierte denn auch der jugendlich wirkende Degenhart, ein Zahlenwerk, das in Teilen positiv überraschte. Zwar schrieb Conti 2009 vor dem Hintergrund der schwersten Wirtschaftskrise seit dem zweiten Weltkrieg unterm Strich ein Rekordminus von 1,65 Milliarden Euro. Im operativen Geschäft schaffte der Konzern aber trotz eines Umsatzminus von 17,1 Prozent auf 20,1 Mrd. Euro sowie vielen anderen Widrigkeiten ein Plus von 1,17 Mrd. Euro.

Dass am Ende ein dickes Defizit stand, ist das Resultat hoher Restrukturierungskosten und Abschreibungen im schwierigen Autozuliefergeschäft und bei der zugekauften einstigen Siemens-Sparte VDO. Allein diese Sonderbelastungen summierten sich auf rund zwei Mrd. Euro, die den Gewinn mehr als aufzehrten.

Degenhart, der in seiner Freizeit gern joggt und dem nicht nur sportlich Ausdauervermögen nachgesagt wird, beeilte sich zu versichern, dass die Sonderbelastungen im laufenden Jahr sehr viel geringer ausfallen werden. Daher erwarte er ein deutlich besseres Ergebnis sowie ein Umsatzplus von mindestens fünf Prozent.

Auf eine Dividende für dieses Jahr können Aktionäre aber ebenso wenig hoffen wie für die Jahre 2009 und 2008. Vor der Ausschüttung stehe der Schuldenabbau, sagte der verheiratete Vater dreier Kinder. Da ist Conti in den vergangenen Wochen einen großen Schritt vorangekommen. 2009 baute der Konzern seine Verbindlichkeiten um 1,6 Mrd. auf 8,9 Mrd. Euro ab. Abzüglich einer Kapitalerhöhung von 1,1 Mrd. Euro Anfang des Jahres liegt die Verschuldung aktuell bei 7,8 Mrd. Euro.

Tempo machte der Freund schneller Autos auch beim Stellenabbau. 2009 sank die Zahl der Mitarbeiter um 4700 auf 134 400, und der Vorstandschef kündigte die Streichnung weiterer 1000 Stellen an, nannte aber keine Details. Dafür warb er für die angestrebte Fusion von Continental und Schaeffler-Gruppe, die knapp 50 Prozent am hannoverschen Reifen- und Autozulieferkonzern hält. Es zeichneten sich große Synergie-Effekte ab. „Und das Gute daran ist, dass es keine Überschneidungen bei den Produkten gibt“, sagte er. „Conti und Schaeffler haben das Zeug zum Spitzen-Team“, so der Vertraute von Firmenpatriarchin Maria-Elisabeth Schaeffler.

Die Anleger honorierten die Zahlen. Die Conti-Aktie legte in der Spitze um fast sieben Prozent auf 34,79 Euro zu und schloss bei 33,92 Euro deutlich im Plus.

Von José Pinto

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