Durchsuchungen in ganz Deutschland

Razzia bei Continental: Staatsanwaltschaft ermittelt - Unternehmen wohl tief in VW-Dieselskandal verwickelt

Durchsuchungen bei Continental
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Durchsuchungen bei Continental

Bei dem Zulieferer Continental wurde eine bundesweite Razzia durchgeführt. Das Unternehmen ist wohl tief in den VW-Dieselskandal verstrickt.

  • Der Dieselskandal schädigt den Autobauer VW bis heute.
  • Jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft auch gegen den Zulieferer Continental.
  • Es gab eine bundesweite Razzia bei dem Unternehmen. 

Hannover/Stuttgart - Die Diesel-Ermittler müssen tief in die Akten und weit in der Zeit zurückblicken: Bis ins Jahr 2006 reichen die Vorwürfe, die am Mittwoch zu einer neuen Razzia in der Branche bei Continental, VW und weiteren Firmen in mehreren Bundesländern geführt haben. Ehemalige und teils auch noch aktive Beschäftigte der einstigen Siemens-Autotechnik-Tochter VDO könnten nach Darstellung der Staatsanwaltschaft Hannover demnach in Teile der Betrugsaffäre um millionenfach manipulierte Abgasdaten verwickelt sein.

Razzia: Continental weist Mitverantwortung bei der Entwicklung illegaler Technik zurück

Continental wies eine mögliche Mitverantwortung bei der Entwicklung illegaler Technik zurück. Der Dax-Konzern bekräftigte seine Position aus früheren Prüfungen: „Wir haben an keinen unserer Kunden Software zum Zweck der Manipulation von Abgastestwerten geliefert.“ Vielmehr hätten sich die jeweils gültigen Grenzwerte „grundsätzlich einhalten lassen“. Man wolle die Lage gemeinsam mit den Behörden aufklären.

Die Strafverfolger bewerten das Thema - jedenfalls zum jetzigen Zeitpunkt - skeptischer. Denn die Vorwürfe beziehen sich keineswegs auf ein Kavaliersdelikt: Es geht um Beihilfe zum Betrug im VW-Dieselskandal gegen sieben Ingenieure und zwei Projektleiter. Dazu kommen Ermittlungen wegen mittelbarer Falschbeurkundung. Quelle des Ganzen ist das schon länger laufende Verfahren im benachbarten Braunschweig. Dort sind neben dem früheren Volkswagen-Konzernchef Martin Winterkorn zahlreiche weitere Mitarbeiter angeklagt, über einen Prozessbeginn wurde allerdings noch nicht entschieden.

Staatsanwaltschaft ermittelt: Hat Continental verbotene Abschalteinrichtung für VW hergestellt

Kern der Untersuchungen im Fall Continental laut Staatsanwaltschaft Hannover: Man prüfe, ob Mitarbeiter von Siemens VDO - von Conti 2007 für einen zweistelligen Milliardenbetrag übernommen - möglicherweise den Auftrag für die Steuerung der 1,6-Liter-Ausgabe des späteren VW-Skandalmotors EA 189 annahmen. Und zwar in dem Wissen, dass Volkswagen damit betrügerische Absichten verfolgen wollte.

Es werde überdies Hinweisen nachgegangen, dass die Dokumentation der Software beeinflusst wurde. So ergibt sich der Anfangsverdacht: Beschäftigte der heutigen Conti-Automotive-Sparte könnten „Wünschen von VW entsprochen“ haben, eine verbotene Abschalteinrichtung herzustellen. Sichergestelltes Material müsse nun ausgewertet werden, so ein Staatsanwalt: „Wir stehen da noch am Anfang.“

Niedersachsen war nicht der einzige Schauplatz der Aktion. Polizisten und Staatsanwälte statteten neben der Continental-Zentrale in Hannover auch Büros in Regensburg und Frankfurt einen Besuch ab. Volkswagen habe am Stammsitz Wolfsburg ebenfalls Unterlagen herausgeben müssen. Außerdem seien Standorte einer Ingenieurfirma in Gifhorn und Berlin aufgesucht worden. Nach Informationen der „Wirtschaftswoche“ werden Beschäftigte des Zulieferers IAV als Zeugen geführt - ähnlich wie Continental-Mitarbeiter Anfang des Jahres bei Abgas-Untersuchungen gegen den japanischen Autohersteller Mitsubishi.

Nach Auffliegen der VW-Dieselaffäre stürzte VW in eine tiefe Krise

Die VW-Dieselaffäre war im September 2015 zuerst in den USA ans Licht gekommen. Der heute größte Autokonzern der Welt hatte manipulierte Reinigungssysteme in Fahrzeuge eingebaut, die in Tests niedrigere Stickoxid-Emissionen anzeigten als im tatsächlichen Straßenverkehr. Das Unternehmen stürzte in eine tiefe Krise, die über 30 Milliarden Euro kostete. Es kam zu zahlreichen zivil- und strafrechtlichen Verfahren - die gesamte Autoindustrie büßte enorm an Vertrauen ein. (dpa)

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