Finanz-Tipps

Damit das Finanzamt nicht vor der Tür steht: So rechnen Sie Corona-Hilfen richtig ab

Wer Geld in Corona-Zeiten erhält, muss dafür oft nachträglich Steuern zahlen. Stiftung Warentest erklärt: So können böse Überraschungen vermieden werden.

  • Für Corona-Hilfen muss oft beim Finanzamt nachgezahlt werden.
  • Dadurch können böse Überraschungen auf Empfänger zukommen.
  • Stiftung Warentest erklärt, welche nachträglichen Zahlungen anstehen können.

Kassel - Ob Familien, Angestellte oder Selbstständige: Wer in Zeiten von Corona Unterstützung erhält, muss dafür häufig nachträglich Steuern zahlen. Von einigen Maßnahmen, etwa der gesenkten Mehrwertsteuer von 19 auf 16 Prozent, können alle profitieren. Andere Soforthilfen richten sich an einzelne Gruppen.

Doch obwohl die Maßnahmen während der Corona-Pandemie für viele hilfreich sind, müssen Empfänger spätestens mit der Steuererklärung für das Jahr 2020 mit bösen Überraschungen rechnen. Viele Leistungen werden nämlich abgerechnet. Geld muss nachgezahlt werden. Die Experten von Stiftung Warentest erklären, welche nachträglichen Forderungen des Finanzamtes auf Steuerpflichtige zu kommen.

Soforthilfe in Zeiten von Corona: Millionen Arbeitnehmer von Kurzarbeit betroffen

Auch wenn es bis zur nächsten Steuererklärung noch ein wenig dauert, kann es bei der Planung hilfreich sein, mögliche Abzüge schon heute zu kennen. Das betrifft beispielsweise die Zukunft als Selbstständiger, Arbeiten im Homeoffice oder den 300-Euro-Kindergeld-Bonus. Wie viel Familien davon tatsächlich zur Verfügung steht, haben die Steuerexperten von Stiftung Warentest untersucht.

In den Monaten März und April 2020 erhielten rund elf Millionen Arbeitnehmer aufgrund der Corona-Krise Kurzarbeitergeld. Im Mai waren circa 1,1 Millionen und im Juni 34.000 Menschen von Kurzarbeit betroffen. Die Arbeitsagentur zahlt Beschäftigten ohne Kinder 60 Prozent des Nettoverdiensts. Aber nur wenn die Arbeitszeit vorübergehend reduziert wird. Mit Kindern erhalten Arbeitnehmer 67 Prozent.

VerbraucherorganisationStiftung Warentest
Gründung1964
SitzBerlin
Umsatz (2018)43,3 Millionen

Geld beim Finanzamt nachzahlen: Nachträgliche Steuerbelastung möglich

Ab dem vierten Monat steigt das Kurzarbeitergeld der Arbeitsagentur. Zudem darf der Arbeitgeber die Zahlung aufstocken. Dabei ist das Geld der Agentur für Arbeit steuer- und sozialabgabenfrei. Dasselbe gilt auch für die Aufstockung des Arbeitgebers bis Jahresende. Allerdings nur, wenn der Lohnersatz bis höchstens 80 Prozent (mit Kindern: 87 Prozent) des Nettogehalts aufgestockt wird.

Die nachträgliche Belastung kann sich allerdings erhöhen. Wie Stiftung Warentest berichtet, kann das Kurzarbeitergeld dem Progressions­vorbehalt unterliegen. Progressionsvorbehalt bezeichnet einen Vorgang, bei dem bestimmte steuerfreie Einkünfte den Steuersatz erhöhen können. Dabei addiert das Finanzamt die Zahlungen zu den übrigen Einkünften.

Ein Beispiel: Ein Angestellter hat ein steuerpflichtiges Einkommen von 30.000 Euro. Er müsste 5187 Euro Steuern zahlen. Wegen Corona erhält er 15.000 Euro Kurzarbeitergeld. Das Finanzamt setzt dabei 45.000 Euro als fiktives Einkommen an und berechnet so einen neuen Steuersatz. Jetzt muss der Angestellte 6829 Euro zahlen. Damit führt das Kurzarbeitergeld dazu, dass die Steuer insgesamt höher ausfällt.

Corona-Hilfe abrechnen: 1500 Euro Bonus ist steuerfrei

Arbeitnehmer in der Altenpflege bekommen in diesem Jahr aufgrund der Corona-Krise einen Bonus. Dementsprechend erhalten sie bis zu 1000 Euro. Unabhängig vom Beruf können vom Arbeitgeber Hilfen während der Pandemie gezahlt werden. Diese Geldleistungen sind bis zu 1500 Euro steuer- und sozialabgabenfrei.

Die Corona-Pandemie hat vor allem viele Selbstständige an ihre Grenzen gebracht. Deshalb konnten sie bis Ende Mai Soforthilfe beantragen. Die Höhe des Gelds richtete sich unter anderem nach der Größe des Betriebs und unterscheidete sich von Bundesland zu Bundesland.

Soforthilfe während der Corona-Krise: Fixkosten teilweise erstattet

Zudem bekommen Selbstständige seit Juni einen Teil ihrer Fixkosten erstattet. Diese Soforthilfen werden als Betriebseinnahmen gezählt, weshalb Empfänger nachweisen müssen, dass sie das Geld zu Recht erhalten haben. Den Rest müssen sie zurückzahlen. Allerdings fallen die Soforthilfen in den einzelnen Bundesländern unterschiedlich aus. So viel gab es zum Beispiel für drei Monate in Hessen:

  • 10.000 Euro (bis zu 5 Beschäftigte)
  • 20.000 Euro (bis zu 10 Beschäftigte)
  • 30.000 Euro (bis zu 50 Beschäftigte)

Die Experten von Stiftung Warentest erklären, dass Steuerzahlungen auf Antrag beim Finanzamt verschoben werden können. Bis 31.12.2020 müssen Selbstständige dafür keine Zinsen zahlen. Allerdings heben sich die Zahlungen nicht auf, sondern summieren sich. Später fordert das Finanzamt sie wieder ein.

Geld als finanzielle Entlastung während Corona: 300-Euro-Bonus für Familien

Auch Familien mit Kindern standen in den vergangenen Monaten vor einigen Herausforderungen. Zur finanziellen Entlastung erhalten sie nun einen Bonus. Dabei soll für jedes Kind, für das Kindergeldanspruch besteht, ein Bonus von 300 Euro ausgezahlt werden. Das Geld gibt es im September und Oktober.

Das kommt allerdings nicht allen zu gute. Für verheiratete Eltern, deren Einkommen 2020 mehr als 67.800 Euro (Unverheiratet: 33.900 Euro) beträgt, bleibt möglicherweise nur ein Teil oder gar nichts vom Familienbonus in Corona-Zeiten.

Geld für geschlossene Kitas und Schulen: Eltern können Hilfe vom Arbeitgeber beantragen

Wegen geschlossenen Kitas und Schulen können Eltern vom Arbeitgeber Ausgleichszahlungen beantragen. Das sind 67 Prozent des entgangenen Nettoverdiensts, maximal 2016 Euro. Das Geld wird für höchstens zehn Wochen (Alleinerziehende: 20 Wochen) ausgezahlt. Allerdings können auch diese Zahlungen dem Progressions­vorbehalt unterliegen. Dadurch erhöht sich der Steuersatz.

Zusätzlich kann der Arbeitgeber Familien während der Corona-Krise mit der Kostenübernahme von beispielsweise Tagesmüttern unterstützen. Zahlungen bis zu 600 Euro im Jahr sind steuerfrei. Alleinerziehenden steht zudem ein Steuerfreibetrag von 4008 Euro zu. Für jedes weitere Kind liegt der Betrag 240 Euro höher. Die Steuerlast steigt dadurch nicht.

Corona-Hilfe abrechnen: Vorteile für Minijobber und Rentner

Auch Minijobber und Rentner profitieren von Corona-Hilfen. Minijobber dürfen bis zu fünfmal die 450-Euro-Grenze überschreiten. Zuvor galt das höchstens für drei Monate im Jahr. Solange es eine geringfügige Beschäftigung bleibt, müssen Aushilfen keine Abzüge befürchten.

Renter, die die Regelaltersgrenze noch nicht erreicht haben, dürfen im Normalfall ohne Kürzungen bis zu 6300 Euro im Jahr verdienen. Für 2020 wurde die Grenze auf ganze 44.590 Euro angehoben. Die Steuerexperten von Stiftung Warentest erklären aber: Für einen regelmäßigen Verdienst von mehr als 450 Euro im Monat müssen Abzüge gezahlt werden. Es kann also sein, dass kaum mehr oder sogar weniger als bei einem 450-Euro-Job übrig bleibt.

Soforthilfe in Zeiten von Corona: Pauschale für Ärzte und Pfleger

Ärzte und Pfleger, die in Rente sind und aufgrund der Corona-Pandemie ins Berufsleben zurückkehren, können die Übungsleiterpauschale nutzen. Ein Einkommen von bis zu 2400 Euro im Jahr bleibt steuerfrei. Bei mehr Geld werden möglicherweise keine Steuern fällig. Denn die Beschäftigten können eigene Ausgaben für den Job beim Finanzamt geltend machen. (Karolin Schaefer)

Rubriklistenbild: © Oliver Berg/dpa

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