Ernüchterung in der Wirtschaft

Handel, Gastro und Hotel: „Inakzeptabel!“ Große Wut nach Corona-Gipfel - und Altmaier lobt

Einzelhandel, Gastronomie und Touristik hatten im Vorfeld des Corona-Gipfels hohe Erwartungen. Doch statt der erhofften klaren Öffnungsperspektive herrscht jetzt Katerstimmung.

Berlin – Die Ergebnisse des Corona*-Gipfels von Bund und Ländern sorgen in der Wirtschaft für Katerstimmung. Der bestehende Lockdown werde für die große Mehrheit der stationären Händler de facto bis Ende März verlängert, resümierte HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth am Donnerstag. Eine stabile Inzidenz von unter 50, die für eine Wiedereröffnung aller Geschäfte als Bedingung genannt wird, sei auf absehbare Zeit wohl nicht flächendeckend zu erreichen.

Die Verlängerung des Lockdowns bis Ende des Monats koste die geschlossenen Handelsunternehmen rund zehn Milliarden Euro Umsatz. Zudem kämen staatliche Hilfszahlungen nur spärlich an, kritisierte Genth. „Die Politik orientiert sich weiter stur ausschließlich an Inzidenzwerten. Dieses Vorgehen erscheint zunehmend fragwürdig.“

Corona-Stufenplan: Kritik am Impftempo

Auch aus dem Handwerk gab es deutliche Kritik. „Die Bund-Länder-Beschlüsse bringen für viele unserer von Schließungen betroffenen Betriebe nicht die erhoffte Öffnungsoption schon in nächster Zeit“, bemängelte Handwerks-Präsident Hans Peter Wollseifer. Um ein Firmensterben „auf breiter Front“ zu verhindern, müsse wirtschaftliches Leben schnellstens wieder ermöglicht werden, sofern dies epidemiologisch vertretbar ist. Auch Wollseifer kritisierte die „Fixiertheit allein auf Inzidenzwerte“, die fehlende Berücksichtigung der Hygienekonzepte in den Betrieben und das schleppende Impftempo.

Corona-Stufenplan: Ernüchterung bei Hotel- und Gaststätten-Verband

Ähnlich ernüchtert zeigte sich auch die Hauptgeschäftsführerin des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (DEHOGA), Ingrid Hartges. „Die Beschlüsse stellen eine Enttäuschung dar, insbesondere, weil keine konkrete Öffnungsperspektive für die Restaurants und Hotels beschlossen wurde“, sagte Hartges. Bundesregierung und alle Verantwortlichen müssten ihre Hausaufgaben machen, etwa mit mehr Tempo beim Impfen und einer klugen Schnelltest-Strategie. Und bei allen Unternehmen müssten die November- und Dezemberhilfen ankommen. „Das ist leider noch nicht der Fall.“

Eine Beschleunigung der Impfungen und eine intelligente Teststrategie forderte auch der Deutsche Reiseverband (DRV). „Es ist inakzeptabel, dass wir aufgrund des Fehlens von Tests und des viel zu langsamen Impfprozesses gezwungen werden, weitere Monate im Lockdown zu verharren“, sagte DRV-Präsident Norbert Fiebig der Funke Gruppe.

Corona-Stufenplan: Wirtschaftsminister verteidigt Ergebnisse

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) verteidigte die Ergebnisse der Bund-Länder-Beratungen hingegen. „Für die Wirtschaft wurde viel erreicht“, sagte Altmaier. So werde es bereits im März erste wichtige Öffnungsschritte geben. Zudem habe sich die Runde von der umstrittenen 35er-Inzidenz verabschiedet. „Die Inzidenz von 35, die sehr streng war, die viele verärgert und aufgeregt hat, ist nicht mehr Voraussetzung für die Öffnung“, betonte der Minister. In der Wirtschaft war die Kritik am früheren Chef des Kanzleramts zuletzt deutlich gewachsen. (dpa/utz) Merkur.de* ist Teil von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Peter Kneffel

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