Gefahr der sozialen Spaltung

Sparen als positiver Lockdown-Nebeneffekt? Umfrage mit ernüchterndem Ergebnis - Wirtschaftsweise alarmiert

Leere Stühle und Tische vor einem Eiscafe in der Weimer Innenstadt.
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An Gastro-Besuchen spart man im Corona-Lockdown zwangsläufig. Aber auch an vielem anderen.

Corona ist nicht der große Gleichmacher, zumindest nicht in wirtschaftlicher Hinsicht. Eine Umfrage entlarvt jetzt einen weit verbreiteten Trugschluss.

Düsseldorf - Corona macht die Freizeit zwar deutlich ärmer an Ereignissen - aber dafür spart man sich das Geld für Kino- oder Konzerttickets für die Zeit „danach“? Diese Haltung kann ein Trost sein. Im Lichte einer aktuellen Umfrage betrachtet, wird er aber schwächer. Denn Verbraucher:innen müssen wegen der Pandemie* nicht nur bei ihrer Erlebnislust sparen. Sondern an fast allem.

Negativer Spitzenreiter sind - erwartungsgemäß - die Tourismusbranche und die Gastronomie. Doch auch für Folgendes haben Konsument:innen die vergangenen Monate weniger ausgegeben:

  • Bekleidung
  • Möbel
  • Elektronik
  • Kosmetik

In 12 der 15 abgefragten Bereiche überwiege der Anteil der Verbraucher, die die Ausgaben im Zuge der Corona-Pandemie* reduziert hätten. Lebensmittel und Haushaltwaren sind laut der Umfrage der Unternehmensberatung „Alix Partners“ ausgenommen.

Umfrage in Corona-Pandemie: 44 Prozent glauben an nachhaltig veränderten Konsum

Der Umfrage zufolge machen sich aktuell mehr als die Hälfte der Verbraucher in Deutschland (55 Prozent) Sorgen um ihre Gesundheit. Ein Drittel (33 Prozent) ist der Umfrage sowohl wegen der Gesundheit, als auch wegen der eigenen finanziellen Situation beunruhigt. Dagegen sind 37 Prozent der Verbraucher sowohl was die Gesundheit, als auch den eigenen Geldbeutel angeht, eher optimistisch.

Fast jeder zweite Befragte (44 Prozent) geht davon aus, dass sich sein Konsumverhalten durch die Pandemie langfristig verändert hat. Immerhin fast 40 Prozent der Befragten gaben an, auch nach der Corona-Pandemie* Schuhe und Textilien verstärkt online kaufen zu wollen. Zum Vergleich: Bei Lebensmitteln beabsichtigen dies nur 14 Prozent der Befragten. Ein Drittel der Verbraucher plant der Umfrage zufolge nach der Pandemie bei seinen Einkäufen einen größeren Wert auf Nachhaltigkeit zu legen.

Corona-Krise: Wirtschaftsweise warnt vor sozialer Spaltung

„Die unteren Einkommensgruppen gehören zu den größten Verlierern in der Corona-Krise, in vielfacher Hinsicht“, sagte jüngst die „Wirtschaftsweise“ Veronika Grimm der dpa. Eine enorm erhöhte Sparquote stellte auch sie fest - gab aber zu bedenken: „Die Ersparnis findet auch im wesentlichen bei den höheren Einkommensgruppen statt und dürfte zum Teil ins langfristige Sparen übergehen, wenn sich der Konsum weitestgehend an den monatlichen Einkommen orientiert.“

Befragungsdaten zeigten, dass Geringverdiener im Durchschnitt eher Einbußen hinnehmen mussten als die mittleren und oberen Einkommensgruppen. „Zum anderen sind viele Minijobs weggefallen, was für diese Einbußen einer der Gründe sein könnte“, erläuterte Grimm.

Corona trifft Geringverdiener am härtesten - etwa im Gesundheitswesen

„Außerdem arbeiten viele Personen in den unteren Einkommensklassen in Berufen, die jetzt besonderen Belastungen ausgesetzt sind, wie zum Beispiel im Gesundheitswesen oder in den geöffneten Supermärkten.“ Die Kinder im Homeschooling seien dann oft auf sich gestellt, wenn die Eltern arbeiten müssten und nicht zu Hause seien.

Der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung berät die Politik. Die Experten werden umgangssprachlich auch als die „Wirtschaftsweisen“ bezeichnet. (frs mit Material der dpa) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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