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Creform Technik baut Transportsysteme, die wie von Geisterhand funktionieren

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Von: Sven Kühling

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Boom bei den fahrelosen Transportsystemen: Philipp Nöding (links) und Nils Möhring zeigen ein bei Creform entwickeltes Modell. Das Fahrzeug kann bis zu zwei Tonnen Material zu einer Montagestation ziehen.
Boom bei den fahrelosen Transportsystemen: Philipp Nöding (links) und Nils Möhring zeigen ein bei Creform entwickeltes Modell. Das Fahrzeug kann bis zu zwei Tonnen Material zu einer Montagestation ziehen. © Kühling

Die Creform Technik GmbH ist bekannt für Rohrstecksysteme. Am Standort in Baunatal werden außerdem fahrerlose Transportsysteme gebaut, die durch Magnetstreifen gelenkt werden.

Baunatal. Wie von Geisterhand gezogen rollt das flache Transportfahrzeug durch die Werkshalle. Bis auf den Zentimeter genau steuert das fahrerlose System den programmierten Punkt an und liefert die mitgebrachten Teile ab. Fahrerlose Transportsysteme (FTS) sind heute der Renner beim Unternehmen Creform im Gewerbegebiet Linnfeld bei Kirchbauna.

Die Fertigung der FTS mache inzwischen rund 50 Prozent der Produktion an dem nordhessischen Standort aus, sagt Prokurist Bernhard Apel. Die andere Hälfte gehört weiter dem Bau der klassischen Rohrsteck- und Rollensysteme, für die der japanisch-amerikanische Konzern weltweit bekannt ist.

Jahrespraktikant: Felix Plettenberg baut hier gerade Warnleuchten für die Fahrzeuge zusammen.
Jahrespraktikant: Felix Plettenberg baut hier gerade Warnleuchten für die Fahrzeuge zusammen. © Kühling

Mit drei Mitarbeitern hatte die Creform Technik GmbH 2004 in Lohfelden sein europäisches Werk eröffnet, mit 34 Beschäftigten war man 2008 nach Baunatal in eine nagelneue Produktionsstätte gegenüber des Original-Teile-Center (OTC) von VW umgezogen. Rund zehn Millionen Euro wurden damals in den Bau an der Wolfsburger Straße investiert. Inzwischen, so Apel, beschäftigt Creform 64 Frauen und Männer. Viele Mitarbeiter seien seit über zehn Jahren dabei, sagt der Prokurist. „Wir haben wenig Fluktuation.“ Einige Ausbilder seien früher selbst Azubis gewesen.

Vielleicht liegt die Treue zur Firma auch an der fernöstlichen Prägung des Unternehmens. Geschäftsführer Motoo Yazaki, Enkel des Erfinders der Rohrstecksysteme in Japan, achtet auf bestimmte Elemente aus seiner Heimat. Unter anderem, so erläutert Apel, sei das Domizil nach den Regeln des Feng Shui aufgebaut worden. „Die Besucher betreten beispielsweise das Gebäude von Westen her in Richtung der aufgehenden Sonne im Osten.“

Klassisches Creform-Geschäft: Rainer Jeschke verpackt einen Wagen, der aus dem typischen Rohrstecksystem entstanden ist.
Klassisches Creform-Geschäft: Rainer Jeschke verpackt einen Wagen, der aus dem typischen Rohrstecksystem entstanden ist. © Kühling

„Das Unternehmen ist wirtschaftlich gesund“, betont Bernhard Apel. Zahlen zum Umsatz nennt er nicht. Immerhin: Creform in Baunatal will weiter wachsen. Im kommenden Jahr soll eine zusätzliche Produktionshalle auf dem Gelände im Linnfeld gebaut werden.

Airbus, Boeing, Panasonic, Thyssen-Krupp und SMA gehören zu den Auftraggebern genauso wie die Autokonzerne VW, Audi, Daimler, Fiat, Toyota, Ford und Opel. Volkswagen sei ein ganz treuer Kunde, betont Apel. Derzeit sei gerade das neuste Modell des FTS in Wolfsburg zum Testen. Für Mercedes in Stuttgart baut man gerade mehrere fahrerlose Fahrzeuge zusammen – in einem leuchtenden Pastellgelb.

FTS gewinnen in der Automobilbranche zunehmend an Bedeutung, erläutert der 56-Jährige. Sie lösen die bisherigen starren Produktionslinien in den Autofabriken ab. Die fahrerlosen Fahrzeuge schleppen die Autos in der Fertigung automatisch zur nächsten freien Montagestation – etwa zum Einbau einer Klimaanlage oder eines Schiebedachs. Das ist bei einer starren Montagelinie nicht möglich. Apel: „Die Produktion ist heute das Know How.“

Rohrstecksysteme schon seit 1965

Die Firma Creform Technik GmbH wurde 1999 als Tochterfirma der japanischen Yazaki Kako sowie der amerikanischen Creform-Corporation gegründet. Das bekannte Rohrstecksystem wurde bereits 1965 von Yazaki Kako in Japan für den Autohersteller Toyota erfunden. Daraus gebaut werden unter anderem Arbeitstische, Zuführregale, Lagerregale und Transportwagen. 

Etwa 50 Prozent der Produktion in dem Creform-Werk in Baunatal gehört inzwischen der Fertigung von Fahrerlosen Transport Fahrzeugen (FTF). Diese werden eingesetzt zur Optimierung des Materialflusses in der Produktion. 

Die Fahrzeuge werden durch einen Magnetstreifen geleitet, der auf dem Boden aufgeklebt wird. Laut Prokurist Bernhard Apel geht die technische Entwicklung inzwischen schon weiter. Die neue Generation der FTF sucht sich den Weg selbst, wird nicht durch den Magnetstreifen auf dem Hallenboden geführt. Die jetzt ausgelieferten FTF seien bereits für diese Technik vorbereitet, sagt Apel. „Die Tendenz geht zum freien Navigieren.“ 

Zu lösendes Problem: Derzeit liefern die per Magnetstreifen geleiteten Fahrzeuge das mitgeführte Material punktgenau an einer Station ab, die frei fahrenden Systeme haben hingegen immer noch eine Differenz am Zielpunkt von fünf bis zehn Zentimetern. Das kann laut Apel an mancher Montagestation zu Schwierigkeiten führen. Grundsätzlich berät Creform Kunden auch bei Lösungen für den Materialfluss.

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