Auch trockene Lebensmittel sind feucht – Göttinger Sartorius AG misst per Sensor

Damit Kaffee nicht pappt

Bis zu fünf Prozent Wasser stecken im Röstkaffeepulver. Hersteller wollen diese Menge möglichst genau einhalten – der Göttinger Sartorius-Konzern baut die passenden Messinstrumente. Foto: dpa

Göttingen. Die schlichte Edelstahlbox ist blitzschnell. Noch nicht einmal eine Sekunde braucht sie, um einen Keks unter die Lupe zu nehmen, Röstkaffee, Müsli oder Hundefutter zu untersuchen –sie ist Wasser auf der Spur.

Auf den Markt gebracht hat die schnelle Kiste der Göttinger Wägetechnikhersteller und Laborausrüster Sartorius AG. Seine Mechatroniksparte balanciert sich neu aus. Stärker hin zur Nahrungsmittel- und zur Pharma-Industrie heißt die Devise und: Ran ans Fließband.

Von der Feuchtigkeitsmessung verspricht sich der Konzern ein gutes Geschäft. Denn in praktisch allen verarbeiteten Lebensmitteln, auch in solchen, die vermeintlich staubtrocken sind, steckt Wasser, fünf Prozent dürfen es zum Beispiel beim Röstkaffee sein. Es bestimmt die Qualität der Produkte, päppelt aber auch die Gewinnspanne des Herstellers auf, der das billige Nass in den Lebensmitteln mitverkauft. „Etwas günstigeres kann ein Nahrungsmittelhersteller eigentlich nicht tun“, sagt Mario Becker, der das Marketing dieser so genannten Prozess-Analytik verantwortet.

Doch damit er möglichst nah an den optimalen Wasser-Wert herankommt, muss der Lebensmittelhersteller in der Produktion online, das heißt ständig messen. Um herauszufinden, ob der Butterkeks so trocken ist, dass er in der Packung zerbröselt oder zum feuchten Weichling mutiert, muss ihn niemand in Stückchen brechen. Den Durchblick schaffen Mikrowellen. Sie bauen ein elektromagnetisches Feld auf, das mit einer bestimmten Frequenz schwingt. Kreuzt ein wasserhaltiges Produkt ihren Weg, verändern sich die Schwingungen.

All das findet immer häufiger direkt am Fließband statt. Die Prüfung habe sich vom Labor in die Werkhallen verlagert, sagt Becker. Denn schnelle Ergebnisse und kurze Wege machen es möglich, rasch in die Produktion einzugreifen, wenn es notwendig wird.

Dabei geht es nicht mehr nur um Wasser. Die ständige Messung bei der Lebensmitteherstellung hat auch eine Fülle anderer Merkmale im Visier, vom Fett- und Zuckergehalt über den Röstgrad von Zwieback bis hin zur Menge an Lebensmittelfarbe. Geprüft wird all das gleichzeitig mit Infrarot--Lichtwellen, auch hier geht es rasend schnell: 50 bis 100 Messwerte pro Sekunde schaffen die Anlagen.

„Der Markt für Prozess-Analytik ist noch recht jung“, sagt Becker. Allein mit Infrarot-Messmethoden werden jährlich weltweit 900 Millionen Euro umgesetzt, der Markt für Online-Feuchtemessung hat nach Expertenschätzungen ein Volumen von 250 Mio. Euro im Jahr. Die jährlichen Wachstumsraten liegen bei zehn bis 15 Prozent.

Das Geschäft verspricht gute Renditen  – für die Wägetechnik von Sartorius, die mittelfristig elf Prozent des Umsatzes als Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen übrig behalten will, ist das kein Schlag ins Wasser.

Von Barbara Will

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