Darauf achten die Steuerprüfer

Steuerprüfer achten auf eine Reihe Aspekte. Wir haben diese für Sie zusammengefasst.

Betriebsprüfung: Mit Hilfe der Prüfsoftware „IDEA“ durchforsten Betriebsprüfer gezielt die elektronische Buchführung von Unternehmen. Dabei nutzen sie auch statistische Methoden wie den Chi-Quadrat-Test, das Benfordsche Gesetz sowie den Zeitreihenvergleich, um Manipulationen und Unregelmäßigkeiten aufzudecken. Kontrollmitteilungen über Honorar- und Provisionszahlungen an Geschäftspartner sind an der Tagesordnung.

Kleingewerbetreibende: Sie müssen ihre Gewinnermittlung mit dem Vordruck „Anlage EÜR“ erstellen, falls die Betriebseinnahmen 17.500 Euro übersteigen. Einnahmen und Ausgaben werden einzeln elektronisch erfasst und ermöglichen dem Finanzamt Quervergleiche innerhalb der Branche – Abweichungen von der Norm rufen die Betriebsprüfung auf den Plan.

Denunzianten: Die meisten Steuerhinterzieher fliegen durch Anzeigen auf: die eifersüchtige Ehefrau, der geprellte Geschäftspartner, entlassene Mitarbeiter oder neidische Kollegen und Nachbarn liefern den Fahndern frei Haus wertvolle Tipps. Die Steuerfahnder haben für ihre Informanten sogar Telefon-Hotlines geschaltet.

Rentner: Private und gesetzliche Versicherer mussten im Herbst 2009 rückwirkend ab 2005 sämtliche Rentenzahlungen an die Deutsche Rentenversicherung Bund melden. Dort wurden die Daten anhand der neuen digitalen Steuernummer für jeden Steuerzahler gebündelt und an die Finanzverwaltung weitergeleitet. Die Auswertung der Kontrollmitteilungen in den Finanzämtern läuft gerade auf Hochtouren – gleicht allerdings einer Herkulesaufgabe.

Ausland: Der deutsche Fiskus erhält seit 1. Juli 2005 automatische Kontrollmitteilungen von 24 EU-Staaten über die im Ausland erzielten Kapitalerträge deutscher Steuerzahler. Belgien, Luxemburg und Österreich sowie Drittstaaten wie die Schweiz und Monaco verschicken kein Informationsmaterial, behalten dafür aber eine anonyme Quellensteuer ein. Bei ausländischen Grundbuchämtern fahndet das Bundeszentralamt für Steuern nach Feriendomizilen deutscher Steuerzahler im sonnigen Süden.

Internet: Mit der Spezialsoftware „XPider“ durchforsten Steuerprüfer gezielt das Internet nach Händlern, die in der Anonymität der Internetflohmärkte von Ebay und Co. lukrative Nebengeschäfte machen. Phantasienamen schützen nicht vor Entdeckung. Ebay legt auf Nachfrage die Klarnamen der „Power-Seller“ offen.

Geldwäsche: Zur Bekämpfung der Geldwäsche sind Rechtsanwälte, Steuerberater, Makler, Einzelhändler und Banken bei Barzahlungen von mehr als 15.000 Euro gegenüber den Behörden anzeigepflichtig.

Behörden und Notare: Justiz und Polizei leisten automatisch Hilfsdienste, wenn in einem Strafverfahren oder einem Zivilprozess ein Verdacht auf Steuerhinterziehung aufkeimt. Bauämter und Denkmalschutzbehörden fertigen von genehmigten Baumaßnahmen eine Mitteilung für die Steuerakte des Architekten und des Bauherren. Notare melden beurkundete Verkäufe von Grundbesitz und Firmenanteilen sowie Schenkungsvorgänge.

Zoll: Seit dem 15. Juli 2007 sind Geldtransfers von mehr als 10.000 Euro pro Person meldepflichtig. Mobile Kontrollgruppen des deutschen Zolls führen auf Flughäfen, Bahnhöfen und Grenzübergangsstellen gezielt Bargeldkontrollen durch – und informieren die Steuerfahndung, wenn sie einen Bargeldboten erwischen. Die Wertgrenze gilt sowohl für die Grenzen innerhalb der EU als auch für deren Außengrenzen – also zum Beispiel bei einer Fahrt in die Schweiz. Bei Ein- und Ausreise aus der EU sind Barmittel zwingend anzugeben – innerhalb der EU-Grenzen auf Nachfrage der Zöllner.

Kraftfahrtbundesamt: Über die Flensburger Behörde checken die Steuerfahnder, ob die angemeldeten Fahrzeuge der Oberklasse auch zum deklarierten Einkommen passen. Im Zweifel werden Betriebsprüfer in Marsch gesetzt, um die Bücher zu prüfen.

Schwarzarbeit: Die Handwerkskammern zeigen konsequent Schwarzarbeiter an, damit der Auftragskuchen nur unter ihrer Klientel verteilt wird. Die „Finanzkontrolle Schwarzarbeit“, eine Kölner Behörde des Zolls, macht auf Großbaustellen regelmäßig Razzien auf der Suche nach Schwarzarbeitern und Sozialbetrügern.

Honorare: Universitäten, Volkshochschulen und Rundfunkanstalten melden die Honorare für freie Mitarbeiter lückenlos.

Banken: Kreditinstitute und Bausparkassen informieren das Bundeszentralamt für Steuern über erteilte Freistellungsaufträge. Sparer, die ihr Freistellungsvolumen überziehen, bleiben schnell im Netz der elektronischen Rasterfahndung kleben. Seit Anfang dieses Jahres müssen die Banken auch Anzeige erstatten, wenn Familienmitglieder aus ihrem Depot Wertpapiere auf nahe Angehörige übertragen.

Kontenabruf: Obwohl die seit 2009 geltende Abgeltungsteuer das Kontenabrufverfahren eigentlich überflüssig macht, haben Finanz- und Sozialämter weiterhin die Möglichkeit, mit einem automatischen Kontenabruf Bankverbindungen auszuspähen.

Adressdaten: Stromversorger müssen dem Finanzamt auf Nachfrage die Bankverbindung ihres Kunden preisgeben. Der Bundesfinanzhof segnete diese Praxis zur Beitreibung von Steuerschulden ausdrücklich ab (Aktenzeichen VII R 73/98).

Quelle: Biallo

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