Tausende Betriebe müssen sich bei der Entsorgung von gefährlichem Müll umstellen

Datenbank statt Papierflut

Heikle Entsorgung: Der Weg von gefährlichen Abfällen – hier das Sondermüllzwischenlager der Firma Fehr in Lohfelden – wird genau dokumentiert. Das Bild zeigt Erich Kautzner. Foto: Herzog

Betriebe, die mit gefährlichen Abfällen umgehen, müssen belegen, wie sie diese entsorgen. Ab dem 1. April werden diese Nachweise nur noch elektronisch geführt.

Die Papierflut hat damit ein Ende. Aber was in der Theorie gut klingt, verlangt von Unternehmen einige Vorbereitung.

? Was verbirgt sich hinter der Abkürzung eANV und wen betrifft die Neuregelung?

!eANV heißt „elektronisches Abfallnachweisverfahren“. Es schreibt vor, dass ab dem 1. April der Weg gefährlicher Abfälle vom Erzeuger bis zur Entsorgung nur noch online belegt wird. Das gilt für alle Unternehmen, bei denen pro Jahr insgesamt mehr als zwei Tonnen gefährliche Stoffe anfallen. Privathaushalte haben mit eANV nichts zu tun.

? Was sind gefährliche Abfälle?

!Darunter fallen etwa Chemikalien, Leuchtstofflampen, Öle oder asbesthaltiges Baumaterial. Unternehmen, die bisher Abfallnachweise führen mussten, kommen um eANV nicht herum. In Nordhessen gilt das für mehr als 1000 Betriebe. Etwa 300 von ihnen hofft das Regierungspräsidium Kassel bis April zu erreichen. In Niedersachsen sind bisher 200 Betriebe an das System angeschlossen.

? Wie funktioniert das elektronische Verfahren?

!Am Computer wird ein Begleitschein für den Abfall erzeugt, erklärt Wulf Schmidke, Vertriebsleiter der bundesweit tätigen Fehr-Gruppe (Lohfelden, Kreis Kassel). Das Dokument wird bei der Zentralen Koordinierungsstelle Abfall (ZKS) hinterlegt. Die Ländereinrichtung ZKS ist eine elektronische Poststelle. Wer den Sondermüll transportiert oder entsorgt, holt sich den Schein dort ab und „unterschreibt“ mit einer Identifizierungskarte, einer elektronischen Signatur. Der Online-Schein begleitet den Müll also.

? Was muss ein Betrieb tun, um das elektronische Verfahren nutzen zu können?

!Er muss sich zunächst bei der ZKS registrieren. Das ist kostenlos. Auch ein Entsorgungsbetrieb kann seinen Kunden dabei helfen, wenn sie keine elektronische Signatur haben.

? Und welche Ausstattung braucht ein Betrieb?

!Wer viel Abfall erzeugt, für den lohnt eine spezielle Software. Sie kann allerdings einige tausend Euro kosten. Kleinere Betriebe können die Formulare im Internet-Portal Länder-eANV ausfüllen. Nachteil: Die Formulare müssen noch einmal extra im Betrieb archiviert werden.

? Welchen Vorteil haben Betriebe von der Umstellung?

!Die Papierflut entfällt. Bisher wurden die Nachweis- und Begleitscheine in sechs Ausfertigungen ausgeschrieben. Allein in Hessen wurden nach Angaben des Regierungspräsidiums fast eine Million Einzeldokumente verschickt. Alle mussten über Jahre aufbewahrt werden.

? Wie ist bisher die Resonanz auf die Umstellung?

!Sehr mäßig. Bundesweit müssen sich etwa 30 000 Abfallerzeuger registrieren lassen. Nur ein Prozent hat es bisher getan.

? Was passiert, wenn ein Betrieb zu lange wartet?

!Wenn er nicht rechtzeitig eine elektronische Signaturkarte bekommt, die es von mehreren Anbietern gibt, muss er alle Formulare ausdrucken und von Hand unterschreiben. Das ist bis Februar 2011 möglich. Wer gar nichts tut, bleibt schlimmstenfalls auf dem Sondermüll sitzen. † Infos: www.zks-abfall.de Tel.: 01805 / 042010 (14 Cent/Min. aus dem Festnetz)

Von Barbara Will

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