Vor zwei Jahren wurde der Eon-Vertrieb selbstständig – nun endet die Übergangsfrist

Datenstau zur Trennung

Kassel. Noch stehen Daten im Stau: 4000 offene Belege warten bei dem Regionalversorger Eon Mitte Vertrieb normalerweise auf die Bearbeitung, aktuell sind es wesentlich mehr. Adressenänderungen und neue Bankverbindungen sind ebenso darunter wie Anträge auf Tarifwechsel. Wie hoch die Halde ist, will das Unternehmen nicht sagen. Nur soviel: Die Konzerntochter Eon Service Plus arbeite mit zusätzlichem Personal intensiv daran, sie abzutragen.

Der Grund für den Stau: Als sich die Vertriebstochter 2008 von der Eon Mitte AG trennte, galt das Gleiche für die Datensysteme, die Umstellung verlief nicht reibungslos. Die Kunden sollen keine Nachteile haben, beteuert Eon: Wichtige Anliegen, wie neue Bankverbindungen oder Tarifwechsel würden mit Vorrang bearbeitet. Bei Tarif- und Anbieterwechseln, die sich ein bis zwei Monate hinziehen können, verspricht Eon Kulanz.

Zwei Jahre hatte die Vertriebs-Gesellschaft Zeit, um sich zu formen. „Am 1. Oktober muss die Trennung vollständig vollzogen sein“, sagt Ulrich Fischer, einer der beiden Geschäftsführer. Von den 104 Beschäftigten, mit denen die Vertriebstochter an den Start gegangen war, sind 87 geblieben. Die meisten von ihnen arbeiten in Kassel, die übrigen in Südhessen und -niedersachsen. Wer gehen musste, fand meist andere Aufgaben im Konzern.

Teure Trennung

Rund 300 Millionen Euro hat die Trennung von Netz und Vertrieb den gesamten Konzern gekostet. Der Verbraucher dürfte von der teuren Scheidung unmittelbar kaum etwas bemerkt haben: Auf der Preisschaukel von Strom und Gas ging es munter auf und ab. Hinter den Kulissen wurde das Geschäft jedoch umgekrempelt. Lag der Einkauf von Strom und Gas für die Kunden der Region zuvor bei Eon Mitte, ist er jetzt im Konzern gebündelt. Vor allem beim Gas werden dabei die Weichen neu gestellt. Die klassische Bindung an den Ölpreis weicht auf. Stattdessen geben zunehmend die großen Drehscheiben des Gashandels, etwa in den Niederlanden, den Preis vor.

Im vergangenen Jahr ist dieser gesunken. Auch Eon nahm in drei Partien, um insgesamt 30 Prozent, die Gaspreise zurück und folgte damit dem Markt. So sank von Januar bis Dezember 2009 nach Angaben des Bundesamts für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle der Preis, zu dem Importgas an der deutschen Grenze ankam, um 38 Prozent. Bis Ende März 2011 werde der Gaspreis stabil bleiben, sagt Fischer.

Beim Strom sieht es anders aus: Immer mehr Energie aus erneuerbaren Quellen wird in das Netz des Versorgers eingespeist, der dafür eine gesetzlich festgelegte Vergütung zahlen muss – Geld, das über eine Umlage alle Stromverbraucher zahlen. 2,04 Cent pro Kilowattstunde beträgt der Obolus aktuell, im nächsten Jahr werden es 3,2 Cent werden. „Das werden wir weitgehend an die Kunden durchreichen müssen“, sagt Eon-Vertriebs-Geschäftsführer Udo Rodenberg und stellt damit steigende Strompreise in Aussicht.

Von Barbara Will

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