Defekte Einspritzleitungen: VW ruft 299.000 Autos in Werkstätten

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Haarrisse in den Einspritzleitungen: Volkswagen-Fahrzeuge mit der 2,0-Liter-Dieselmaschine der Baujahre 2009 bis 2012 müssen zur Beseitigung des Mangels in die Werkstätten.

Wolfsburg. 299.000 Volkswagen-Fahrer weltweit, davon 105.000 im Inland, haben in den vergangenen Tagen und Wochen Post vom Wolfsburger Autobauer bekommen.

Der Grund: VW ruft wegen möglicher Haarriss-Bildung an den Einspritzleitungen seiner 2,0-Liter-TDI-Dieselmotoren Autos der Baujahre 2009 bis 2012 in die Werkstätten. Dort wird nach Herstellerangaben der Mangel innerhalb eine halben Stunde behoben. Kosten entstehen den Fahrzeughaltern nicht. Wie teuer der Rückruf Europas größtem Autobauer kommt, verraten die Wolfsburger nicht. Branchenkenner gehen von 20 Millionen Euro aus.

Betroffen sind die Modelle Eos, Golf, Jetta, Passat, Scirocco, Tiguan und der VW-Bus T5 mit dem genannten Motor. Volkswagen betont, dass keine Gefahr von dem Mangel ausgehe. Motorbrände aufgrund austretenden Kraftstoffs seien nicht bekannt. „Es kann zum Austritt homöopathischer Dosen kommen“, sagte Hartmut Hoffmann von der Konzernkommunikation. Brandgefahr bestehe nicht, es könne aber zu Geruchsbelästigungen kommen. Der Rückruf sei eine Vorsichtsmaßnahme.

Das Kraftfahrtbundesamt (KBA) in Flensburg bestätigte diese Einschätzung. Ein Sprecher betonte, dass bei sicherheitsrelevanten Mängeln nicht nur der jeweilige Hersteller, sondern auch das KBA tätig werde. Das sei beim aktuellen Rückruf nicht der Fall. Nach KBA-Angaben wurden 2009 und 2010 rund 617.000 beziehungsweise 1,19 Millionen Autos unterschiedlicher Hersteller in Deutschland zurückgerufen. Für 2011 liegen noch keine Zahlen vor.

Betroffen vom jetzigen Rückruf sind in weit geringerem Umfang auch Modelle der VW-Töchter Audi, Skoda und Seat. Bei Audi sind es 12.000 A3 mit dem entsprechenden Motor, davon 2500 im Inland. Skoda ruft 12.755 Autos zurück, davon 4067 in Deutschland. Dabei handelt es sich um die Modelle Octavia und Superb der Baujahre 2009 bis 2011 sowie Yeti (2010). Bei Seat müssen weltweit nur 183 Fahrzeuge der Typen Altea und Leon zur Reparatur, 17 davon in Deutschland.

Grund zur Eile besteht laut Hoffmann nur bei Fahrzeugen, bei denen die Geruchsbelästigungen bereits auftreten. Sorgen müssten sich die Fahrzeughalter aber trotzdem nicht machen.

Die Adressen der betroffenen Kunden hat Volkswagen in seiner Kundenkartei. Sollte das Fahrzeug zwischenzeitlich den Besitzer gewechselt haben, beschafft das KBA über die Fahrzeug-Identifikationsnummer die entsprechenden Anschriften. Im Ausland helfen die Importeure und die nationalen Zulassungsstellen bei der Adressenbeschaffung.

BMW ruft auch zurück

Auch BMW hat einen Rückruf gestartet. Wegen Problemen mit der Kühlwasserpumpe der Motorvariante 1,6 Liter Turbo müssen weltweit 235.000 Fahrzeuge der Baujahre 2006 bis 2011 in den Ausführungen Cooper S und John Cooper Works außerplanmäßig in die Werkstatt. Auch diese Kunden - im Inland sind es 22.000 - wurden und werden angeschrieben.

Von José Pinto

Hintergrund: Rückruf

Rückrufe kommen in der Autobranche regelmäßig vor. Zumeist handelt es sich um Qualitätsprobleme. Sicherheitsrelevante Mängel sind relativ selten. Der letzte größere Volkswagen-Rückruf im Inland war Mitte 2009, als 130.000 Touareg-Geländewagen wegen Problemen mit dem Heckspoiler in die Werkstätten mussten.

In Brasilien musste VW 2010 fast 194.000 Fahrzeuge des hierzulande nicht gehandelten Modells „Gol“ wegen defekter Radlager sowie zwei Jahre zuvor 477.000 Fox wegen Mängeln an den Rückbänken zurückrufen.

Zum Vergleich: Der pannengeplagte japanische Konkurrent Toyota rief allein 2010 rund zehn Millionen und im vergangenen Jahr 4,2 Mio. Autos in die Werkstätten. Gründe waren vor allem Probleme mit Gaspedalen, Bremsen, Kraftstoffpumpen und Elektronik. (jop)

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