Zulieferkonzern legt hervorragende Neunmonatszahlen vor und erhöht Prognose

Degenhart tut Conti gut - Zulieferkonzern erhöht Prognose 

Bringt Conti nach vorn: Elmar Degenhart. Foto: dpa

Hannover. Als Elmar Degenhart im August 2009 – auf dem Höhepunkt Wirtschaftskrise und des Übernahme-Eifers der Herzogenauracher Schaeffler-Gruppe – das Ruder beim Reifen- und Autozulieferkonzern Continental übernahm, sprachen manche von einem Himmelfahrtskommando.

6800 Beschäftigte
in der Region

Continental beschäftigt weltweit 146 200 Mitarbeiter, davon 6800 in der Region. Das sind etwa 300 mehr als im Herbst 2009. In Korbach (Kreis Waldeck-Frankenberg) sind es etwa 3000. Dort werden Pkw-und Zweiradreifen hergestellt. In Northeim arbeiten 2000 Menschen, in Bebra (Kreis Hersfeld-Rotenburg) gut 1000 und in Münden (Kreis Göttingen) und Oedelsheim (Kreis Kassel) sind es zusammen 800 Beschäftigte. Damit ist Conti der zweitgrößte Arbeitgeber in der Region nach VW. (jop)

Denn der heute 51-jährige Spitzenmanager stand vor einer geradezu herkulischen Aufgabe. Der Vertraute der Schaeffler-Familie musste den Scherbenhaufen, der bei der Übernahmeschlacht entstanden war, beseitigen, die damals gut 134 000 Conti-Mitarbeiter mitnehmen, mit einem massiven Umsatzeinbruch und Milliardenverlust im Zuge der Krise fertig werden, den riesigen Schuldenberg aus der Siemens-VDO-Übernahme abbauen und kräftig Kosten senken. Und was niemand für möglich gehalten hatte, trat bereits nach kurzer Zeit ein. Im Sommer präsentierte Degenhart auch dank einer starken Wiederbelebung der globalen Autokonjunktur hervorragende Halbjahreszahlen. Gestern schließlich legte Conti geradezu sensationelle Neunmonatszahlen vor und erhöhte die Prognosen. Wenn die Dinge weiter so gut laufen wie bisher, wird der hannoversche Konzern in diesem Jahr 25 Mrd. Euro umsetzen und vor Zinsen und Steuern (Ebit) 2,25 Mrd. Euro verdienen. Das ist mehr als im bisherigen Rekordjahr 2008, als Conti einen Umsatz von 24,2 Mrd. und ein Ebit von 1,75 Mrd. Euro einfuhr.

Dass die schwerste Krise der Nachkriegszeit so schnell überwunden sein würde, überrascht selbst Optimisten. Von dieser Entwicklung profitieren auch die Standorte in der Region. Dort wird kräftig investiert und Beschäftigung aufgebaut. Nachdem sich Degenhart erst unlängst klar zur äußerst renditestarken Gummi- und Reifensparte als integralem Bestandteil des angestrebten integrierten Continental-Schaeffler-Konzerns bekannt hat, herrscht auch in den Werken in der Region wieder große Zuversicht.

Die aktuell gute Entwicklung geht zwar nicht allein auf Degenharts Konto. Aber Beobachter glauben, dass er der richtige Mann zur richtigen Zeit an der richtigen Stelle ist. Seine ausgleichende Art, seine Sachkenntnis und Fähigkeit, Menschen für eine Sache zu gewinnen, trügen erheblich, dazu bei, dass Conti schnell zu seiner operativen Stärke zurückgefunden habe, sagen Branchenkenner.

Die Zahlen sprechen für diese Einschätzung. Der Umsatz legte um fast 33 Prozent auf 19,1 Mrd. zu, das Ebit verdreifachte sich nahezu auf knapp 1,8 Mrd. Euro. Dass hiervon nur 363 (Vorjahr: minus 1,5 Mrd.) Millionen Euro als Reingewinn im Konzern bleiben, hat auch mit hohen Zinsaufwendungen zu tun. Immerhin sanken die Schulden gegenüber dem 30. September 2009 um gut 1,4 Mrd. auf 8,1 Mrd. Euro. Für den weiteren Abbau braucht Degenhart Ausdauer. Die hat der verheiratete Vater dreier Kinder. Mit Joggen und Wandern hält sich der promovierte Luft- und Raumfahrt-Ingenieur fit.

Von José Pinto

Das könnte Sie auch interessieren

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.